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beziehungsweise 24 / 05 vom Monday, November 28, 2005

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Face-to-Face mit dem Computer

Neue Medien als Chance und Herausforderung im familialen Alltag

Viele Wunschlisten für das Christkind lesen sich wie eine Einkaufsliste für Unterhaltungselektronik. Das Geschäft mit Computer, Internet und Handy boomt aber nicht nur zu Weihnachten. Die Nutzung Neuer Medien ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Sie nehmen Einfluss auf die Kommunikations- und Unterhaltungskultur, auf das Erwerbs- und damit nicht zuletzt auf das Familienleben. Sie bieten neuen Raum für die Kommunikation in Partnerschaften und zwischen den Generationen. Aber es stellt sich auch die Frage, ob soziale Kontakte und vor allem die direkte Face-to-Face Kommunikation darunter leiden bzw. verdrängt werden. Der folgende Beitrag wurde zusammengestellt aus der Literaturauswertung "Neue Medien im familialen Kontext" von der Soziologin Christine Geserick vom Österreichischen Institut für Familienforschung.

Die Befürchtung, neue Technologien könnten die Face-to-Face Kommunikation ersetzen oder Sozialkontakte sämtlich abbrechen lassen, ist sicherlich nicht neu, hängt aber mit dem von Soziologen beobachteten Gesellschaftstrend der "personalisierten Technologien" zusammen. Diese Trendanalyse hat durchaus etwas für sich, denkt man etwa daran, dass einige Medien nur individuell genutzt oder zumindest gesteuert werden können: mp3-Player nutzt man mit Kopfhörern, und Computer haben "nur" eine Maus. Auch ermöglicht die aktuelle Version des Betriebssystems Windows XP individuelle Benutzeroberflächen, die bei jeder Sitzung angemeldet werden können.

Die Medienhersteller treiben den Individualtrend auch gern voran, besonders das Handy wird derart vermarktet: man kann es nach eigenem Geschmack mit Hintergrundbild, Klingelton und neuerdings auch Schmuckkettchen ("Mobilschmuck") gestalten.
Die personalisierte Gestaltung und Nutzung von Medien bedeutet aber nicht, dass Medien nicht auch eine integrative Funktion hätten. Die häufige Angst von Eltern, dass ihre Kinder "hinter dem Computer verschwinden" und soziale Kontakte abbrechen lassen, wurde bislang meist widerlegt. Seit erste Studien in den 1980-er Jahren das neu aufkommende Hobby der Bildschirmspiele untersuchten, rangierte der Computer als liebste Freizeitbeschäftigung meist deutlich hinter sehr traditionellen Hobbies wie "Sport treiben" und "draußen spielen" (Fromme 2004).

Die gleiche Studie zeigte, dass Jugendliche sich vor allem dann mit Bildschirmspielen beschäftigen, wenn sie Zeit überbrücken müssen (es ist niemand zu Hause, das Wetter ist schlecht) oder gerade, wenn sie mit Gleichaltrigen zusammen sind. Insofern gewinnt das Computerspiel eine soziale Dimension, besonders männliche Jugendliche schätzen das gemeinsame Bildschirmspiel mit Gleichaltrigen. Sie können sich gegeneinander messen oder im Computerspiel kooperieren und bewältigen dabei wichtige jugendspezifische Entwicklungsaufgaben.

Auch zeigt die kürzlich publizierte JIM-Studie 2005, dass 12- bis 19-jährige Jugendliche das Internet vor allem für Sozialkontakte nutzen. Das Kontakthalten per E-mail ist für mehr als die Hälfte der Jugendlichen (52 %) die Lieblingsbeschäftigung im Internet, an zweiter Stelle rangiert mit 41 % der Austausch von Kurznachrichten (Instant-Messenging, z.B. ICQ). Gerade diese Aufnahme von neuen Sozialkontakten mit Dritten beinhaltet allerdings auch Gefahren, vor allem wenn jüngere Kinder ohne das elterliche Wissen in Chat-Foren unterwegs sind. Diese werden mitunter von pädokriminellen Männern und Frauen genutzt, um Kontakte zu Kindern herzustellen und sie sogar zu Treffen zu locken.

Besonders in dieser Hinsicht ist eine wirksame Medienerziehung von Kindern und ihren Eltern wichtig. Verschiedene Initiativen und Projekte (z. B. saferinternet.at, zartbitter.de) haben sich dieser Aufgabe verschrieben und haben Negativ-Listen von gefährlichen Chats sowie Verhaltensregeln für Eltern und Kinder veröffentlicht.

Wie diese kurze Bestandsaufnahme zeigt, ist die soziale Komponente der Mediennutzung vielfältig, die Personalisierung von Medien bedeutet keine Verdrängung sozialer Kontakte. Vielmehr ist das Medienhandeln oft vom Wunsch nach (neuen) Sozialkontakten motiviert, gerade im Zusammenhang mit dem unter Kindern beliebten Chatten ist dabei allerdings Vorsicht geboten. | Christine Geserick


Ratschläge für Eltern zum sicheren Umgang ihrer Kinder mit dem Computer

Für Kinder unter 12 Jahren sollten Eltern …
  • ... selbst den Umgang mit dem Computer und dem Internet lernen, damit Sie einen Einblick in die virtuelle Erlebniswelt Ihres Kindes bekommen.
  • ... sich von Ihren Kindern die Technik erklären und den Lieblingschat zeigen lassen.
  • ... die Kinder nicht im Chatraum allein lassen, sondern sich im selben Raum aufhalten.
  • ... im Rollenspiel beim gemeinsamen Chatten den Kindern zeigen, dass sich Erwachsene als Kinder ausgeben können (Eltern nehmen falsche Identität an)
  • ... gemeinsames Ausprobieren, wie man sich gegen sexuelle Anmache im Internet schützen kann
  • ... kein Chatverbot aussprechen, da sonst die Neugier noch mehr geweckt wird und Kinder vielleicht heimlich chatten
  • ... keine persönlichen Daten der Kinder im Internet veröffentlichen (z. B. auf Schul- oder Vereinsseite), oder Fotos mit Adresse
  • ... Internetanschlüsse niemals in Kinderzimmern installieren, sondern am besten an einem zentralen Ort (z. B. Wohnzimmer), so dass die Eltern nebenbei mitbekommen, wie lange die Kinder Zeit im Internet verbringen und was sie tun. Kinder sollten nicht unkontrolliert ins Internet gehen können, besondere Vorsicht ist bei drahtlosen Internetanschlüssen geboten.
  • ... versuchen, möglichst keine Web-Cam anzuschaffen! (um zu verhindern, dass persönliche Fotos ihrer Kinder ins Internet gelangen)
  • ... im Folder "Verlauf" nachschauen, auf welchen Seiten gesurft wurde

Quelle: Online-Informationsbroschüre "Click it"! für Eltern (Enders2005a; 2005b); www.zartbitter.de
 


Informationen: Christine Geserick M.A., Soziologin am Österreichischen Institut für Familienforschung Tel: +43-1-5351454-11, E-Mail: christine.geserick@oif.ac.at

Christine Geserick: Neue Medien im familialen Kontext. Eine Recherche zu Studienergebnissen im Zusammenhang mit Nutzung, Chancen und Herausforderungen im Familienalltag. ÖIF-Working Paper Nr. 47 / 2005


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