Was machen eigentlich Familienforscher in Europa?
Auch der Europäischen Union ist
Familienforschung ein wichtiges Anliegen, auch wenn Familienpolitik in die
Kompetenz der einzelnen Mitgliedstaaten fällt. In der Mitteilung der
Kommission, die 1989 zur Gründung der Europäischen Beobachtungsstelle zur
sozialen Situation, Demographie und Familie führte, wird die Bedeutung der ‚Familie'
unterstrichen und ihre Sensibilität angesichts des jeweiligen wirtschaftlichen
und sozialen Kontexts aufgezeigt. In den Schlussfolgerungen wird angeregt, die
Dimension der Familie auf der Ebene der Gemeinschaftspolitik stärker zu
berücksichtigen und dabei dem Schutz der Kinder besondere Aufmerksamkeit zu
widmen.
Angeregt wird ferner, die Vereinbarkeit von Berufsleben und Familie durch eine
gerechte Aufteilung derVerantwortungen zu fördern
sowie das Interesse für bestimmte Familien (insbesondere
Alleinerziehende, kinderreiche Familien und
einkommensschwacheFamilien) zu verstärken. Seit
1998 zeichnet das ÖIF für die Koordination der Beobachtungsstelle
verantwortlich. Sie besteht aus einem am ÖIF angesiedelten Koordinationsteam
sowie einem multidisziplinären Netz unabhängiger ExpertInnen
in jedem Mitgliedstaat, welche die Entwicklung der sozialen Situation, der
Demographie und der Familie im Allgemeinen und unter dem jeweiligen
Forschungsschwerpunkt des Jahres beobachten und darüber berichten. Zusätzlich
zu ihren analytischen Aufgaben unterstützt die Beobachtungsstelle die
Europäische Kommission bei der Erstellung des Berichts über die soziale Situation in der Europäischen Union und fördert den
akademischen Diskurs über die oben angeführten Themenkreise.
Zu diesem Zweck wird jedes Jahr ein Seminar zum jeweiligen Forschungsschwerpunkt
veranstaltet. Im Jahr 2003 liegt der Schwerpunkt der Arbeiten auf dem Thema
Gesundheit. Im Mittelpunkt des Jahresseminars, das vom 20. - 22. Juni 2003 in
Tutzing in Deutschland abgehalten wird, steht die Frage nach der Bedeutung der
Familie für das Gesundheitssystem. Ist Familie ein kostenmindernder oder ein
kostensteigender Faktor? Nach einem Überblick über die vielfältigen
europäischen Gesundheitssysteme werden wir uns mit den spezifischen
Gesundheitsrisiken und den zur Verfügung stehenden Ressourcen auseinandersetzen
sowie die Rolle der Familie als Gesundheitsmanager analysieren. Um die
Interdisziplinarität sowie die praktische Relevanz und Umsetzbarkeit zu
fördern, werden PolitikerInnen in einem Roundtable Stellung beziehen und
konkrete Lösungsvorschläge aus ihrem Einflussbereich diskutieren.
Das Jahresseminar 2003 richtet sich sowohl an ExpertInnen als auch an
interessierte Laien. Forschungsschwerpunkte in den vergangenen Jahren waren
Migration (2002), soziale Qualität und Lebensqualität (2001) sowie Fertilität
(2000). Die Berichte über die jeweiligen Jahresseminare, die einzelnen
Beiträge der FachreferentInnen sowie die Länderberichte können von der
Homepage der Beobachtungsstelle heruntergeladen werden und liegen teilweise auch
in gedruckter Form vor.
Neben zahlreichen Publikationen, die auf der Homepage veröffentlicht sind, wird
auch alle zwei Monate der "sdf-puzzle", ein elektronischer Newsletter
mit Beiträgen zu je einem ausgewählten Thema, verschickt. Zusätzlich gibt es
jede zweite Woche den Newsletter "puzzleweise", der über kommende
Veranstaltungen sowie über aktuelle Themen aus dem Familienbereich informiert.
Homepage der Beobachtungsstelle zur sozialen
Situation,Demographie und Familie:
europa.eu.int/comm/employment_social/eoss/index_en.html
Bestellung der Newsletter "sdf-puzzle" und "puzzleweise"
unter:
puzzle@oif.ac.at
Informationen: Mag. Sylvia Trnka, Koordinatorin der Beobachtungsstelle am ÖIF, Tel: +43-1-535 14 54-26, E-Mail: sylvia.trnka@oif.ac.at
