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Wussten Sie, dass ...

… sich die Mehrkosten für Elementarbildung schon rechnen?

Von: NORBERT NEUWIRTH

In den Regierungsprogrammen 2007 und 2008 wurden u.a. verstärkte Investitionen in Elementarbildungseinrichtungen vereinbart, die auch entsprechende Mehrkosten verursachten. Tatsächlich stiegen ab 2008 die Investitionen sowie die laufenden Kosten im Bereich der Krippen, Kindergärten und altersgemischten Einrichtungen deutlich an. Lagen die bundesweit zuweisbaren Gesamtkosten laut Kindertagesheimstatistik im Jahre 2005 noch bei insgesamt 1,1 Milliarden Euro, so erfuhren sie bis 2015 mit 2,3 Milliarden Euro mehr als eine Verdopplung. Ökonomisch sind diese Zusatzkosten von über 1,2 Milliarden Euro natürlich in erster Linie als langfristige Investitionen in die Kinder zu sehen, die sich ebenso langfristig rentieren werden. Es stellt sich aber bereits heute die Frage, inwieweit sich diese Ausgabensteigerungen via unmittelbar zuweisbarer Mehreinnahmen der öffentlichen Hand schon jetzt selbst finanziert haben.

In einer aktuellen ÖIF-Studie wurde dies näher analysiert. Hierfür wurden für den Analysezeitraum 2005 bis 2016 die unmittelbaren, sowie die vor- und nachgelagerten Wertschöpfungseffekte der Elementarbildungseinrichtungen den Kostenverläufen gegenübergestellt. Um die Gesamtheit der volkswirtschaftlichen Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte hinreichend identifizieren zu können, wurden sie auf vier relevanten Ebenen untersucht:

Ebene 1 – Der direkte Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekt: Es wurden im Bereich der Elementarbildung direkt messbare zusätzliche Nettoeinkünfte sowie weitere (para)fiskale Abgabenvolumina, also Sozialversicherungsbeiträge, Lohnnebenkosten sowie Lohn- und Einkommenssteuern, geschaffen.

Ebene 2 – Der indirekte Werteschöpfungs- und Beschäftigungseffekt: Die Investitionen in Neubauten und Gebäudeadaptierungen, der Kauf von Einrichtungsgegenständen und pädagogischem Material, aber auch der tägliche Bezug von Sachleistungen, wie Cateringdienste für Mittagessen, Reinigungsdienste, Gebäudeverwaltung, Finanzdienstleistungen uvm., also alle notwendigen Vorleistungen, die das elementarpädagogische Angebot erst ermöglichten, schufen weitere zuweisbare Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte.

Ebene 3 – Der ermöglichte Beschäftigungseffekt: Mit der Ausweitung des Angebots an elementarpädagogischen Leistungen konnten die Familien auch ihr effektives Arbeitsangebot ausweiten, indem der Elternteil, der zuletzt die Kleinkindbetreuung übernommen hatte, früher und/oder zu einem höheren Erwerbsausmaß wieder in das Erwerbsleben einsteigen konnte. Dies steigerte nicht nur die verfügbaren Einkommen der Familien, sondern wiederum auch deren (para)fiskale Abgabevolumina.

Abbildung 1: Kumulierte Mehrkosten und zusätzliche Rückflüsse seit 2005 in Mio. Euro; nominell und real

kumulierte Werte seit 2005; nominell und real (p=2005)

Ebene 4 – Der induzierte Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekt: Zuletzt stellt sich die Frage, zu welchem Ausmaß die höheren verfügbaren Einkommen der Betroffenen nachfragewirksam wurden. Wie sehr regten sie die gesamtwirtschaftliche Nachfrage an und inwieweit stimulierten sie damit den volkswirtschaftlichen Output im Inland.

Die erforderlichen Zusatzkosten der Elementarbildungsausweitungen hätten unter normalen Umständen über diese vier Ebenen bald kompensiert werden können. Die weltweite Finanzkrise, die Österreich ab 2009 erfasste, dämpfte aber die Möglichkeiten des früheren Wiedereinstiegs der Mütter. Vor allem war in dieser Periode der deutliche Umstieg von Vollzeit- zu Teilzeitstellen erkennbar. Dies wirkte vor allem dämpfend auf die (para)fiskalen Einnahmen in Ebene 3. Erst ab 2013 wirken die Wertschöpfungseffekte der vier Ebenen so, dass die jährlichen Kostensteigerungen kompensiert werden. Seit 2015 haben die (para)fiskalen Rückflüsse die aggregierten Kostensteigerungen vollständig kompensiert.

 

Kontakt:
norbert.neuwirth@oif.ac.at

Zur Studie:
Neuwirth, Norbert; Kaindl, Markus (2018): Kosten-Nutzen-Analyse der Elementarbildungsausgaben in Österreich. Der gesamtwirtschaftliche Effekt des Ausbaus der Kinderbetreuungsplätze. Wien (ÖIF-Forschungsbericht, 26). www.oif.ac.at

 

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe Juni 2018