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Es hat sich so ergeben

Warum “Halbe-Halbe” bei der Aufteilung der Hausarbeit nicht funktioniert


Wie sehr sich Männer im Haushalt und bei der Kinderbetreuung engagieren, scheint in erster Linie eine Frage der "Vorlieben und Fähigkeiten" zu sein. Männer bügeln "nicht so gerne" und Frauen fühlen sich generell mehr für den Haushalt zuständig. Oft hat sich die Verteilung einfach "so ergeben", auch wenn sich die Eltern für eine partnerschaftliche Aufteilung der Haushaltstätigkeiten aussprechen. Spätestens mit der Geburt eines Kindes wird das Ideal der egalitären Arbeitsaufteilung zur Utopie, wird aus einer Studie über die Arbeitsaufteilung bei Paaren mit Kindern in Österreich ersichtlich. Die dadurch entstehende ungleiche Verteilung von Hausarbeit und Kinderbetreuung bleibt oft dauerhaft bestehen. Der Wiedereinstieg der Mutter nach der Karenz ins Erwerbsleben ändert an diesem Muster wenig, wenn es sich (wie bei den meisten Fällen) um einen Teilzeitjob handelt, ergibt die qualitative Studie der Psychologin Sabine Buchebner-Ferstl vom Österreichischen Institut für Familienforschung. Die hier vorgestellten Ergebnisse sind Teil einer von der Europäischen Union in Auftrag gegebenen Erhebung, an der neben Österreich auch Belgien und Holland beteiligt waren. Für Österreich wurden vierzig Paare mit mindestens einem unter 6-jährigen Kind im selben Haushalt, die in Wien und Niederösterreich leben, befragt.

Die Verteilung der Haushaltstätigkeiten erfolgt unabhängig vom Familienstatus nach "Vorlieben und Fähigkeiten". Diese sind jedoch meist rollenspezifisch geprägt: der Mann "kann besser reparieren", die Frau "kümmert sich lieber um die Wäsche" etc. Generell wird gerne von einer persönlichen Ebene aus argumentiert, wer welche Tätigkeiten übernimmt, wie beispielsweise: "MIR ist der Haushalt wichtiger als meinem Mann"; "ICH kann nicht so gut bügeln wie meine Frau". Dadurch entsteht das Gefühl, sich selbst aus freien Stücken für die bestehende Verteilung entschieden zu haben. Dass aber auf diese Weise das Ideal einer egalitären bzw. partnerschaftlichen Verteilung der Hausarbeit nicht (nur schwer) erreicht wird, erfordert ein hohes Rechtfertigungsbedürfnis bei den Paaren. Die Verteilung der Tätigkeiten habe sich "so ergeben", führt ein Großteil der Paare an. Es wurden folglich keine konkreten Vereinbarungen bezüglich der Hausarbeit getroffen.

Mit der Geburt eines Kindes verstärkt sich die ungleiche Verteilung der Hausarbeit vor allem dadurch, dass in der Regel die Frau in Karenz geht und sich um Kind und Haushalt kümmert. "Die Frau macht mehr, weil sie mehr Zeit hat", ist neben den "Vorlieben und Fähigkeiten" eine zweite Begründung der Befragten für die ungleiche Verteilung. Zeitmangel wird im Fall der Hausarbeit als "Ausrede" akzeptiert und auch als gerecht empfunden. Bei der Kinderbetreuung wird geringes Engagements aufgrund fehlender Zeit hingegen von beiden Partnern als zutiefst unbefriedigend erlebt und weniger toleriert.

Bei der Hausarbeit bestimmt die Frau

Frauen fühlen sich mehr für den Haushalt verantwortlich als Männern, die eine höhere "Schmutztoleranz" aufweisen, ergab die Befragung der vierzig Paare. Interaktionen bezüglich der Hausarbeit gehen daher auch vorwiegend von Frauen aus. Sie äußern ihre Unzufriedenheit mit der Verteilung, fordern den Mann zur Mithilfe auf, entscheiden über das Auslagern der Tätigkeiten und bestimmen, wie oft und auf welche Art und Weise einzelne Aufgaben durchgeführt werden sollen. Dass die Frau die Kompetentere in Sachen Hausarbeit ist, wird von beiden Partnern so gesehen. Dadurch kommt es zu einer traditionellen Rollenverteilung oder zu einer Art "Hilfsarbeiter-Funktion" des Mannes bei egalitärer Verteilung. Konflikte entstehen vor allem aufgrund der oft unterschiedlichen Auffassungen bei der Verteilung und Gestaltung der Hausarbeit.

Das Kind an erster Stelle

Das Wohl des Kindes steht an erster Stelle. Auch erwerbsorientierte Frauen stecken beruflich meist zurück, wenn sie nicht vom Partner ausreichend unterstützt werden. Im Gegensatz zur Hausarbeit gestehen sich die Partner bei der Kinderbetreuung mehr Freiheiten zu. Bei der Kinderbetreuung werden auch mehr die Umstände wie Zeitmangel (z. B. aufgrund der Erwerbstätigkeit) als Entschuldigung zugelassen, bei Haushaltstätigkeiten wird die Schuld direkt bei der Person gesucht.

Auch ist die Kinderbetreuung durch den Vater eher eine Sache des "Möchtens" und nicht des "Sollens" wie im Fall der Beteiligung am Haushalt, stellte sich bei der Erhebung heraus. Daher ist es auch nicht verwunderlich, wenn sich bloß 5 % der befragten Väter mehr dem Haushalt als der Kinderbetreuung widmen. Bei Kindern bis zu drei Jahren scheint auch eine innerfamiliäre Betreuung (primär) durch Mutter und Vater das Ideal zu sein. Außerhäusliche Betreuung sollte sich auf wenige Stunden pro Woche beschränken. In dieser Ablehnung einer außerfamilialen Kinderbetreuung wurzelt eine Begründung für Väterkarenz, ergab die Befragung. Auch zeigte sich, dass die Erfahrungen von Vätern in Karenz durchaus sehr positiv sind und die Vater-Kind-Beziehung fördern.
 

Wie “Halbe-Halbe” funktionieren kann

  • Voraussetzungen für ein ähnliches Zeitbudget der Eltern wie beispielsweise:
     
  • "Vereinbarkeitskultur” auch für Väter (v. a. Selbstverständlichkeit von Karenz und Teilzeit)
     
  • Kinderbetreuungseinrichtungen, die den Bedürfnissen von Eltern UND Kindern gerecht werden
     
  • die finanziellen Voraussetzungen, um eine egalitäre Verteilung der Kinderbetreuung (z. B. Väterkarenz) zu ermöglichen bzw. zu erleichtern (z. B. ähnliches Einkommen)
     
  • Vertrauen, dass das Kind gut aufgehoben ist, wenn Eltern selbst einer Erwerbstätigkeit nachgehen
     
  • engagierte Männer, die "Vereinbarkeit" zu ihrem Thema machen und nicht nur einzelne Aufgaben (im Haushalt und bei der Kinderbetreuung), sondern VERANTWORTUNG übernehmen
     
  • Frauen, die bereit sind, Verantwortung an ihre Partner abzugeben und ihnen die Freiheit lassen, Dinge "auf ihre Weise" zu gestalten
     
  • Entschlossenheit, familiäres Engagement auch angesichts hemmender Einflüsse (negative Reaktionen von Arbeitgeber bzw. Umfeld, höheres Einkommen als Partnerin…) umzusetzen
     

 

 


Informationen: Mag. Sabine Buchebner-Ferstl, Psychologin am ÖIF Tel: +43-1-5351454-25, E-Mail: sabine.buchebner-ferstl@oif.ac.at

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe 8/2005.