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Aktive Väter in Deutschland

Ein gesellschaftlicher Trend im Spiegel von Zahlen, Fakten und Daten

Von: Kompetenzbüro Wirksame Familienpolitik


Jahr für Jahr berichtet das Statistische Bundesamt in Deutschland von mehr Vätern, die zeitweise beruflich aussteigen oder kürzertreten, um sich um ihre Kinder zu kümmern. Ursächlich dafür sind das Elterngeld und der Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren. Sie haben in Deutschland einen Startpunkt gesetzt und Familien machen sich auf den Weg in Richtung partnerschaftlicher Vereinbarkeit. Inzwischen geht etwa jeder dritte Vater neugeborener Kinder in Deutschland in Elternzeit. Zugleich kehren immer mehr Mütter früher und mit mehr Arbeitsstunden ins Erwerbsleben zurück.

Vor diesem Hintergrund wurde der „Väterreport 2016 – Vater sein in Deutschland heute“ erstellt. Er gibt auf Basis von Zahlen, Daten und neuen Erkenntnissen aus der Forschung Antworten auf familienpolitisch äußerst relevante Fragen: Wie nehmen sich Väter heute selbst wahr, was ist ihnen wichtig? Was bewirkt die Elternzeit von Vätern für die Väter selbst und für die Familien? Wie geht es Vätern im Beruf und welche Rolle spielen die Unternehmen? 

Eigene Wahrnehmungen und gesellschaftliche Anforderungen an Väter
Viele Väter sind schon lange nicht mehr bereit, sich als „Familienernährer“ allein auf die wirtschaftliche Verantwortung für die Familie festlegen zu lassen. So wünschen sich 76 Prozent der jungen Männer heute eine Partnerin, die selbst für den eigenen Lebensunterhalt sorgt. Und insofern hat sich im Vergleich zu ihren eigenen Vätern das Selbstverständnis der heutigen Väter stark gewandelt. Rund 70 Prozent sagen, dass sie sich mehr an der Erziehung und Betreuung der Kinder beteiligen als die Väter ihrer Elterngeneration – und sie bewerten das als persönlichen Gewinn. 

Insbesondere bei jüngeren Vätern sind partnerschaftliche Einstellungen weit verbreitet. 60 Prozent der Eltern mit Kindern unter drei Jahren fänden es ideal, wenn sich beide Partner gleichermaßen in Beruf und Familie einbringen könnten. Tatsächlich verwirklicht wird ein partnerschaftliches Modell jedoch nur von einer Minderheit von 14 Prozent der Eltern. 

Bemerkenswert ist, dass eine Trennung von der Partnerin Väter zwar häufig vor große Herausforderungen stellt, sie aber nicht zwangsläufig das Ende einer aktiven Vaterschaft bedeutet. Für die kindliche Entwicklung sind Väter weiterhin von Bedeutung – und damit auch Familienkonstellationen, in denen sich beide Eltern nach der Trennung partnerschaftlich um ihr Kind kümmern.

Auch die gesellschaftlichen Erwartungen an Väter haben sich gewandelt. An die Stelle des bestimmenden, aber nicht präsenten Alleinverdieners ist der partnerschaftliche Vater getreten, der viele Aufgaben in der Familie mit übernimmt und die berufliche Entwicklung seiner Partnerin unterstützt. Mit den Kindern so viel Zeit wie möglich zu verbringen, erwarten heute über 80 Prozent der Bevölkerung von einem Vater, aber nur 30 Prozent sagen, dass dies in der Generation ihrer eigenen Eltern zur Vaterrolle gehört hat. Auch sich bereits frühzeitig um den Nachwuchs zu kümmern und die beruflichen Pläne der Partnerin zu unterstützen, zählt heute für 70 Prozent der Bevölkerung zum Idealbild. Für die Generation der eigenen Eltern gehörte beides dagegen nur für 15 Prozent der Befragten zur Vaterrolle.

Väter, Elterngeld und Elternzeit
Jeder dritte Vater – Tendenz stetig steigend – nimmt heute in Deutschland eine Elternzeit: Er reduziert seine Arbeitsstunden oder unterbricht seine Erwerbstätigkeit für einen bestimmten Zeitraum. Die deutliche Mehrheit bewertet dies als Fortschritt: 82 Prozent der Bevölkerung finden es gut, wenn Väter eine Auszeit nehmen oder Arbeitszeiten reduzieren, um sich um die Kinderbetreuung zu kümmern. Fast jeder fünfte Vater hätte gerne Elternzeit genommen, hat aber aus Angst vor Einkommensverlusten und/oder beruflichen Nachteilen sowie organisatorischen Problemen im Betrieb darauf verzichtet.

Bei der Nutzung des Elterngeldes durch Väter gibt es beachtliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Trendsetter sind in dieser Hinsicht die Bundesländer Sachsen und Bayern: Hier liegt die Väterbeteiligung am Elterngeld bereits bei 44 bzw. 42 Prozent. Dabei gilt: Je höher die Müttererwerbstätigkeit und je besser das Kinderbetreuungsangebot in den Ländern und Kommunen ist, desto intensiver nutzen Väter das Elterngeld. 

Das ElterngeldPlus, das eine Teilzeitarbeit beider Partner während der Elternzeit attraktiver macht und für Kinder in Anspruch genommen werden kann, die ab dem 1. Juli 2015 geboren wurden, kommt bei Eltern gut an. Die Nutzerzahlen steigen, in einigen Regionen sind sogar schon knapp 30 Prozent erreicht. Für Väter ist offenbar besonders der Partnerschaftsbonus1) attraktiv, der die gleichzeitige Erwerbstätigkeit von 25 bis 30 Wochenstunden mit der Partnerin fördert: Bis zu 37 Prozent der Väter, die ElterngeldPlus beantragen, entscheiden sich zugleich für den Partnerschaftsbonus.

Während der Elternzeit widmen sich die Väter nachweislich ihren Kindern und unterstützen so ihre Partnerin beim Wiedereinstieg in den Beruf. Auch mittel- und längerfristig wirkt die Elternzeit zugunsten einer aktiven Vaterschaft: Väter, die in Elternzeit waren, verbringen auch danach mehr Zeit mit ihren Kindern und reduzieren mit höherer Wahrscheinlichkeit auch später ihre Arbeitsstunden, um sich ihren Kindern widmen zu können. Sie entwickeln eine intensivere Beziehung zu ihrem Kind und teilen sich Familienaufgaben partnerschaftlicher mit ihrer Partnerin auf.

Väter im Beruf
Während immer mehr Väter in Elternzeit gehen und sich intensiver an der Fürsorge für die Kinder beteiligen, gibt es nach wie vor eine Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Eine Mehrheit der Väter wünscht sich mehr Zeit für die Familie und würde gerne weniger Zeit mit dem Beruf verbringen; tatsächlich sind Väter nach der Familiengründung aber mehrheitlich die Haupternährer, verbringen viele Stunden mit Erwerbsarbeit und vor allem unter der Woche wenig Zeit mit Kindern und Familie.

Dabei ist eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf für das persönliche Wohlbefinden von Vätern nach eigenem Bekunden von großer Bedeutung. Zu einem gelungenen Ausgleich zwischen Familie und Beruf gehört für Väter immer häufiger, zumindest befristet, im Beruf kürzer zu treten. Dennoch sind viele Väter von einem gelungenen Ausgleich von Beruf und Familie weit entfernt: Jeder dritte Vater findet seine Zeit für Kinder nicht ausreichend und 79 Prozent der Väter wünschen sich mehr Zeit für ihre Familie. Viele Väter wünschen sich daher, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, insbesondere wenn sie in Vollzeit mit Überstunden tätig sind. So würde mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Väter mit minderjährigen Kindern gerne weniger arbeiten. Väter in Partnerschaften, in denen beide mehr als 30 Stunden arbeiten, würden gerne von durchschnittlich 42 Stunden pro Woche auf durchschnittlich 38 Stunden pro Woche reduzieren. Es geht ihnen somit um eine vollzeitnahe Beschäftigung mit weniger Überstunden (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Reale und gewünschte Wochenarbeitszeiten
Quelle: Institut für Demoskopie Allensbach (2014): Allensbacher Archiv. Gewünschte / Reale Wochenarbeitszeiten von unter 30 Stunden zur besseren Darstellung nicht ausgewiesen.
Eigene Darstellung Prognos AG.


Ob und inwiefern es Vätern gelingt, die Arbeitszeit ihren Wünschen entsprechend zu reduzieren und Beruf und Familie partnerschaftlich zu vereinbaren, hängt stark von den betrieblichen Bedingungen ab. Eine partnerschaftliche Vereinbarkeit ist eher dann möglich, wenn Eltern in Betrieben arbeiten, die Familienfreundlichkeit mit Gleichstellungszielen verbinden und in denen Frauen wie Männer Voll- und Teilzeitmodelle ohne Karrierenachteile flexibel nutzen können. Derzeit arbeiten rund 20 Prozent der Eltern kleiner Kinder in Deutschland in solchen Betrieben. Dieser Betriebstypus findet sich bei Beschäftigten aller Qualifikationsniveaus und in allen Wirtschaftszweigen wieder: Obgleich es in den Branchen unterschiedliche Herausforderungen gibt, kommt es vor allem auf den betrieblichen Gestaltungswillen an.

Eine weitere betriebliche Voraussetzung für eine partnerschaftliche Vereinbarkeit ist eine familienfreundliche Unternehmenskultur. Sie setzt Vorbilder auf allen Ebenen voraus. Dies gilt insbesondere für die Väterförderung und damit für männliche Beschäftigte, die eine neue Balance zwischen Beruf und Familie suchen. Wo Väter als Führungskräfte selbst Elternzeit in Anspruch nehmen, ist der Anteil der männlichen Beschäftigten in Elternzeit mit 16 Prozent fünfmal so hoch wie in Unternehmen ohne Führungskräftevorbilder. 

Familien- und väterfreundliche Rahmenbedingungen lohnen sich aus unternehmerischer Sicht. Denn sie gehen seltener mit Zeitkonflikten für die Eltern, höherer betrieblicher Verbundenheit und weniger Kündigungsabsichten einher. So erfahren in Unternehmen, die wenig familienfreundlich aufgestellt sind, rund 70 Prozent der Väter Zeitkonflikte zwischen Arbeit und Familie. Und: In solchen Betrieben planen über 80 Prozent der Väter, den Arbeitgeber zu wechseln.

Aktive Vaterschaft – ein vielfacher Gewinn
Aktive Vaterschaft ist in vielfacher Hinsicht ein Gewinn. Zum einen sind aktive Väter zufriedener: Väter, die Elternzeit in Anspruch genommen haben, würden dies größtenteils wieder tun. Sie berichten von einer Steigerung des eigenen Wohlbefindens und der eigenen Zufriedenheit und betonen den Erwerb neuer Familienkompetenzen. Zum anderen profitieren auch Mütter, weil aktive Väter starke Partner sind und sie wirksam in ihrer beruflichen Entwicklung unterstützen. Schließlich profitieren auch die Kinder von einem verstärkten väterlichen Engagement. Neben einer engen Bindung sind positive Effekte u.a. auf die kognitive, soziale und emotionale Entwicklung der Kinder wissenschaftlich nachgewiesen (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Treiber und Nutzen aktiver Vaterschaft
Quelle: Eigene Darstellung Prognos AG; auf Basis der in der Publikation verwendeten Literatur


Der Nutzen aktiver Vaterschaft erstreckt sich aber nicht nur auf die Familie. Unternehmen sind betriebswirtschaftlich erfolgreicher, wenn sie ihre personalpolitischen Maßnahmen auch auf die Väter ausrichten. Eine betriebliche Familienpolitik, die aktive Vaterschaft unterstützt und zur Lösung der Vereinbarkeitsprobleme speziell von Vätern beiträgt, führt zu einer hohen Mitarbeiterzufriedenheit, geringen Fehlzeiten und einer höheren Mitarbeiterproduktivität. Die Gewinne lassen sich gesamtwirtschaftlich fassen, wenn die gegenseitige Entlastung, die sich Eltern wünschen, Realität werden würde und Arbeitszeiten von Eltern sich annähern könnten: unter anderem als steigende Haushaltseinkommen und geringere Armutsrisiken.

Entwicklungspfade und Perspektiven
Die vergleichsweise jungen Familienleistungen Elterngeld und ElterngeldPlus, die erstmals gezielt beide Partner in ihren Lebenswirklichkeiten und Bedarfen adressieren, haben eine neue Nachfrage geschaffen. Nicht nur Eltern selbst, sondern die große Mehrheit der Bevölkerung sieht inzwischen Politik und Wirtschaft in der Pflicht, gerade auch die Väterbeteiligung noch stärker zu fördern.

Für die Politik bedeutet dies die Aufgabe, die Familienleistungen entsprechend weiterzuentwickeln. Eine Familienarbeitszeit mit einem Familiengeld zur Unterstützung vollzeitnaher Teilzeit für beide Eltern würde Vätern und Kindern mehr Zeit miteinander verschaffen und so aktive Vaterschaft stärken. Und sie würde wirksam dazu beitragen, dass es Eltern besser gelingt, die gewünschte Partnerschaftlichkeit zu leben und gleichzeitig ihre Existenzen zu sichern. So können sich Mütter und Väter in beiden Lebensbereichen Sinnerfüllung und Existenzen sichern.

Gemeinsam mit der Wirtschaft bleibt es die Aufgabe, die Flexibilität und Arbeitszeitautonomie von Eltern lebensphasenbezogen zu stärken, damit am Ende alle davon profitieren. Auf den guten Erfahrungen aus Kooperationen mit Sozialpartnern und anderen engagierten Akteuren aufzusetzen, ist hier die Perspektive, um das Vatersein zu erleichtern.  

 

1) Mit der gesetzlichen Neuregelung des Elterngeldes wurden vier neue Partnerschaftsbonusmonate eingeführt. Das heißt, dass die maximale Bezugsdauer des Elterngeldes durch Inanspruchnahme von Partnerschaftsbonusmonaten auf maximal 28 Monate erweitert werden kann. Bei den möglichen vier zusätzlichen Partnerschaftsbonusmonaten handelt es sich um ElterngeldPlus-Monate. Das bedeutet, dass sie nur von beiden Elternteilen bei gleichzeitiger Teilzeitarbeit von 25 bis 30 Wochenstunden innerhalb dieser vier Partnerschaftsbonusmonate beantragt werden können. 

 

Der Väterreport
Der „Väterreport 2016 – Vater sein in Deutschland heute“ wurde vom Kompetenzbüro Wirksame Familienpolitik erstellt. Es arbeitet im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und leistet wissenschaftliche Unterstützung und demoskopische Begleitforschung zu aktuellen Fragen der Familienpolitik. Getragen wird das Kompetenzbüro von der Prognos AG und dem Institut für Demoskopie Allensbach.

Eine Grundlage des Väterreports sind (Sonder-)Auswertungen bevölkerungsrepräsentativer Daten aus dem Mikrozensus und dem sozio-oekonomischen Panel (SOEP). Zudem wurden Ergebnisse aus demoskopischen Umfragen und spezifischen Befragungen integriert. Darüber hinaus wurden in einem Fachworkshop im Bundesfamilienministerium Erkenntnisse aus der Väterforschung mit renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, u.a. aus dem Deutschen Jugendinstitut, diskutiert. 

 

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe März 2017