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Wussten Sie, dass ...

... auch in einem Basispensionssystem ein hoher „Gender Pension Gap“ existieren kann?

Von: Florian Blank und Sonja Blum



Dass Frauen im Durchschnitt deutlich niedrigere Pensionen beziehen als Männer, wird häufig diskutiert. Seltener rückt hingegen in den Blickpunkt, dass sich der „Gender Pension Gap“, also die Lücke zwischen den von Männern und Frauen bezogenen Pensionen, im Ländervergleich deutlich unterscheidet. So weisen z.B. Österreich, Deutschland und auch die Niederlande einen vergleichsweise hohen „Gender Pension Gap“ auf, während dieser in Dänemark sehr niedrig liegt. Ein hoher „Gap“ ist damit in Ländern mit sehr unterschiedlichen Alterssicherungssystemen zu finden.

Länderunterschiede beim Verhältnis der Pensionen von Frauen und Männern sind vor allem darauf zurückzuführen, dass sich die sogenannte „geschlechtsspezifische Lohndifferenz“ sowie die Erwerbsbeteiligung und der Arbeitsumfang von Männern und Frauen im Ländervergleich sehr unterschiedlich darstellen. Die Beobachtung, dass es bei familienbedingten Erwerbsunterbrechungen oder Arbeitszeitverkürzungen sowie auch Pensionsansprüchen in vielen Ländern nach wie vor erhebliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt, sind Ausgangspunkt für ein neues Working Paper. Darin wird für sechs europäische Länder untersucht, wie Kindererziehungszeiten in der Alterssicherung geregelt sind. Solche Regelungen – z.B. die Anrechnung von Kindererziehungszeiten für die Pension – können geringere Pensionen aufgrund von Familienphasen zumindest teilweise auffangen bzw. ausgleichen.

Die Anrechnung von Kindererziehungszeiten in den Alterssicherungssystemen findet auf ganz unterschiedliche Weise statt, so wie sich auch die Alterssicherungssysteme selbst stark unterscheiden. Grundsätzlich existiert sie aber in fünf von den sechs untersuchten Ländern (Dänemark, Deutschland, Italien, Österreich und Schweden). In Deutschland z.B. werden pro Kind Gutschriften in der öffentlichen Rentenversicherung angerechnet, die drei Jahren Erwerbstätigkeit mit Durchschnittsverdienst entsprechen; auch in der privaten Altersvorsorge („Riester-Rente“) werden staatliche Zuschüsse für Eltern geleistet. In Dänemark hingegen existiert ein Basisalterssicherungssystem; darauf sattelt noch eine an Erwerbstätigkeit gekoppelte Zusatz-Pension auf, für die während der Familienzeiten vor und nach Geburt des Kindes Beiträge vorgesehen sind. Weitere Alterseinkünfte folgen aus einem Betriebspensionssystem. Ähnlich wie in Dänemark existiert auch in den Niederlanden eine öffentliche Basispension, in der also Zeiten der Nicht-Erwerbstätigkeit automatisch abgedeckt sind. Die betriebliche Altersversorgung spielt in den Niederlanden wie in Dänemark eine große Rolle, sie ist quasi-obligatorisch und macht einen großen Anteil an den Pensionen aus. Und in der Mehrzahl der niederländischen Betriebspensionssysteme führt eine familienbedingte Erwerbsunterbrechung oder Arbeitszeitreduzierung nicht zu Ansprüchen; das niederländische System kennt also in der Regel keine Anrechnung von Kindererziehungszeiten.

Die Berücksichtigung von Familienphasen in Alterssicherungssystemen kann zu einer Verringerung des „Gender Pension Gap“ beitragen. Allerdings zeigt das dänische Beispiel, dass eine hohe Erwerbsbeteiligung von Frauen der Schlüssel für eine Annäherung der Alterseinkünfte der Geschlechter ist. Der hohe „Gender Pension Gap“ in den Niederlanden verweist dagegen auf eine Tradition der geschlechtsspezifischen Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit: Die Erwerbsbeteiligung von Frauen ist zwar in den letzten Jahrzehnten signifikant gestiegen; Frauen arbeiten aber sehr viel häufiger als Männer in Teilzeit und erwerben dadurch deutlich niedrigere Ansprüche in den Betriebspensionen. Gleichzeitig garantiert das niederländische System jedoch eine armutsfeste Basisabsicherung.


Information

Das vollständige WSI Working Paper Nr. 209 ist unter folgendem Link abrufbar: www.boeckler.de/wsi


Der Autor, die Autorin

Dr. Florian Blank ist Leiter des Referats Sozialpolitik am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.
Dr. Sonja Blum ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrgebiet Politikfeldanalyse und Umweltpolitik an der FernUniversität in Hagen.


Kontakt

florian-blank@boeckler.de
sonja.blum@fernuni-hagen.de

 

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe Juni 2017