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Wussten Sie, dass ...

... die Jahreszeiten Einfluss auf die menschliche Fortpflanzung haben?

Von: STEFAN HALBAUER

Die menschliche Fortpflanzung ist grundsätzlich ganzjährig möglich und im Gegensatz zu vielen Tierarten nicht auf bestimmte Jahreszeiten beschränkt. Trotzdem konnte in einer Studie der University of Michigan (Martinez-Bakker et al. 2014) anhand von weltweiten Daten aus Geburtsregistern über die Zeitspanne von 1931 bis 2008 gezeigt werden, dass Geburten nicht gleich über das Jahr verteilt sind, sondern gewisse Monate geburtenreicher sind als andere und sich die geburtenstarken Monate je nach Breitengrad unterscheiden. Die saisonalen Schwankungen der Geburtenzahlen waren zwar in der Zeit des Babybooms noch ausgeprägter als heute, aber gewisse Tendenzen sind immer noch leicht erkennbar (siehe Abbildung 1).

In einem Blogeintrag von Nayomi Chibana (2017) sieht man eindrucksvoll, dass auf der Nordhalbkugel unseres Planeten die geburtenstärksten Monate Juli, August und September sind. Umso näher ein Land am Äquator liegt, umso später im Jahr liegen die geburtenstärksten Monate. In der Tropenzone sind September und Oktober die geburtenreichsten Monate und auf der südlichen Halbkugel finden die meisten Geburten überhaupt erst zwischen März und Mai statt. In Österreich gab es zwischen 2005 und 2016 an einem durchschnittlichen Septembertag 236 Geburten, während es an einem durchschnittlichen Dezembertag nur 207 Geburten waren. Im Gegensatz dazu finden zum Beispiel die meisten Geburten in Jamaika im November und in El Salvador im Dezember statt.

Laut einer Studie von Rojansky et al. (1992) ist die ideale Zeit für die Empfängnis, wenn es pro Tag 12 Stunden Tageslicht gibt und die Temperatur zwischen 10 und 20 Grad Celsius liegt. Auf der einen Seite sind heiße Sommer schlecht für die Spermienproduktion, auf der anderen Seite scheinen zu dunkle Winter schlecht für die Ovulation zu sein.

Eine mögliche Erklärung für die vielen Septembergeburten könnten die Feiertage rund um Weihnachten und den Jahreswechsel sein. Zu dieser Zeit haben die Menschen für gewöhnlich mehr Freizeit, vermehrt soziale Interaktionen aufgrund von gesellschaftlichen Veranstaltungen, es wird mehr Alkohol konsumiert und dadurch auch öfter ungeschützter Geschlechtsverkehr praktiziert. Wellings et al. (1999) zeigten mithilfe von verschiedenen Indikatoren, dass rund um die Weihnachtsfeiertage in Großbritannien ein gesteigertes Sexualverhalten festgestellt werden kann. Die Verkaufszahlen von Kondomen steigen in dieser Zeit stark an, in den ersten drei Monaten des Jahres gibt es die meisten legal durchgeführten Abtreibungen und auch die Anzahl an HIV-Tests ist in diesen drei auf die Weihnachtsfeiertage folgenden Monaten am höchsten. Auch im Sommer waren diese Anstiege zu beobachten.

In einer Studie von Charlotte und Patrick Markey (2013) konnte der gleiche Trend mithilfe einer Auswertung von sexuell orientierten Google Suchanfragen in den USA zwischen 2006 und 2011 gezeigt werden. Vor allem im Dezember und Jänner und dann im Juni und Juli gab es auch online ein verstärktes Interesse an Sexualität.

Zur Veranschaulichung soll die folgende Abbildung mit Geburtenzahlen aus Österreich in der Zeit von 2005 bis 2016 dienen. Die geburtenstärksten Monate sind Juli, August und September. Bei einer durchschnittlichen Dauer einer Schwangerschaft von ca. 40 Wochen wurden somit die meisten Kinder zwischen November und Jänner gezeugt. Die gesteigerte sexuelle Aktivität, die in Großbritannien während des Sommers festgestellt werden konnte (s.o.), ist entweder in Österreich nicht so ausgeprägt oder resultierte einfach nicht in einer erhöhten Geburtenzahl, wie man an den relativ niedrigen Geburtenzahlen am Anfang des Jahres erkennen kann.

Abbildung 1: Durchschnittliche Geburtenzahl/Tag in Österreich (2005–2016)

Quelle: Statistik Austria, Lebendgeborene seit 2005 nach Ereignismonaten und Bundesländern

Anmerkung
Die Anzahl der Geburten wurde zuerst durch die Anzahl der Tage in den entsprechenden Monaten geteilt, um die unterschiedliche Länge der Monate zu berücksichtigen. Anschließend wurde dieser Wert mit der Anzahl der Tage im entsprechenden Jahr multipliziert und durch die Gesamtanzahl der Geburten in diesem Jahr dividiert, um die Variation in den schwankenden jährlichen Geburtenzahlen (zwischen 76.250 und 87.680 Geburten pro Jahr) herauszurechnen. Dies ergibt einen knapp um 1 schwankenden Wert, der den relativen Geburtenanteil des entsprechenden Monats im entsprechenden Jahr angibt. Zur besseren Veranschaulichung wurde dieser Wert noch mit der durchschnittlichen täglichen Geburtenzahl über den gesamten Zeitraum multipliziert (durchschnittlich 217,97 Geburten pro Tag in den Jahren 2005 bis 2016).

 

Kontakt
stefan.halbauer@oif.ac.at

Quellen
Martinez-Bakker, Micaela; Bakker, Kevin M.; King, Aaron A.; Rohani, Pejman (2014): Human birth seasonality: latitudinal gradient and interplay with childhood disease dynamics. In: Proceedings of the Royal Society B (281:20132438).
Chibana, Nayomi (2017): Do humans have mating seasons? This heat map reveals the surprising link between birthdays and seasons.
http://blog.visme.co/most-common-birthday/
Rojansky, Matthew; Brzezinski, Amnon; Schenker, Joseph G. (1992): Seasonality in human reproduction: an update. In: Human Reproduction 7, S. 735–745.

Wellings, Kaye; Macdowall, Wendy; Catchpole, Michael; Goodrich, Joanna (1999): Seasonal variations in sexual activity and their implications for sexual health promotion. In: Journal of the Royal Society of Medicine 92, S. 60–64.

Markey, Patrick M.; Markey, Charlotte N. (2013): Seasonal variation in internet keyword searches: a proxy assessment of sex mating behaviors. In: Archives of Sexual Behavior 42, S. 515–521.

 

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe November 2017