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Workcare Synergies

Ein EU-Transferprojekt

Von: Michaela Gstrein

„WORKCARE SYNERGIES - Dissemination of Synthesized Framework Programme Research Findings“ ist eine EU Support Action mit dem Ziel der Verbreitung und lokalen Diskussion bestehender Forschungsergebnisse aus EU-Rahmenprogrammprojekten zum Thema Beruf und Familie.

Das Projekt befasst sich mit dem „Transfer“ (gemeint ist: zusammenfassen, verständlich und zugänglich machen) bestehender Forschungsergebnisse für interessierte Akteure auf lokaler Ebene. Dazu finden in Österreich, Großbritannien, Dänemark, Ungarn, Polen, Italien und Portugal Veranstaltungen statt. Diese Veranstaltungen richten sich an lokale NGOs, Politiker, Gewerkschaften, Arbeitnehmervertreter, regionale Organisationen und Dienstleister, Unternehmen, etc. sowie andere interessierte Personen. In den Veranstaltungen werden ausgewählte Ergebnisse präsentiert und ihre Diskussion im lokalen Kontext angeregt. Am Ende der Projektlaufzeit sollen politikrelevante Diskussionsinhalte an die Europäische Kommission rückübermittelt werden.

Projektkoordinator ist das Institut für Höhere Studien (IHS Wien)
Projektpartner sind die folgenden neun Forschungseinrichtungen, welche zu Zwecken einer effizienten Wissensverbreitung lokale Mediatorgruppen („key mediator teams“) bestehend aus Forschern, Public Relation- und Kommunikationsexperten, welche gemeinsam die lokale Verbreitung von Wissen vorantreiben, gebildet haben: University of Aberdeen (UNIABDN), Scotland/UK; Roskilde University (UNIRUC), Denmark; Vienna University of Economics and Business (WU-Wien), Österreich; TARKI Social Research Institute (TARKI), Hungary; University of Warsaw (UWAR), Poland; University of Florence (UNIFI), Italy; CIES-ISCTE (CIES-ISCTE), Portugal and University of Brighton (UoB), UK.

Thematisch werden dabei die folgenden WORK-CARE relevanten Bereiche angesprochen, wobei sich jedes Team an der aktuellen politischen Diskussion seines Landes orientiert hat.

•    Danish team: Citizenship, Flexibility and Diversity in Work-Care Relations
•    British team: Social Quality in Work & Care, Labour Market Transitions in Comparative Perspective
•    Polish team: Gender Elites and Work-Care Relations
•    Austrian team: Work-Care Tensions, Quality of Work and Life, Work-Life Balance across the LifeCourse
•    Hungarian team: Family Policies, Working Time Flexibility and Social Cohesion
•    Portuguese team: Mapping Work-Care Orientations for Gender Equality in Private and Public Contexts
•    Italian team: Social Care and Work-Care Balance

Das österreichische Team am IHS hält im Rahmen der Projektlaufzeit acht Veranstaltungen ab, vier davon in den nächsten Monaten. Als Schwerpunkte wurden die Themenfelder (1) Vom männlichen Ernährer zum Zweiverdiener-Haushalt sowie (2) Kinderbetreuung und Elternkarenz gewählt. Dabei werden ausgewählte Forschungsergebnisse aus den EU Projekten WORKCARE (2006-2009), HWF (2000-2003), MOCHO (2001-2004), MULTILINKS (2008-2011), IFAC (2006-2008) und Meta-Analysis of Gender and Science Research (2008-2010) präsentiert. Weiters wurde ein kurzer Film zu Flexibilität, Vereinbarkeit und zur Rolle der Großeltern gestaltet. Ein weiterer – speziell zur Sichtweise von Männern – folgt in Kürze. Links dazu finden sich auf der IHS-AT Länderseite der Homepage:
http://workcaresynergies.eu/work-care-tensions/

In den Veranstaltungen wurden neben den in Österreich immer noch deutlich unterschiedlichen Rollen von Männern und Frauen insbesondere folgende Fragen behandelt: (a) Höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen mit Kindern im Vergleich zur österreichischen Tradition der Eigenbetreuung von (Klein-)Kindern, (b) Wie lassen sich Kinderbetreuungspflichten und Arbeit/Karriere mit Kindern unterschiedlichen Alters vereinbaren? und (c) Lange (weibliche) Elternurlaube vs. Lebensarbeitskonzepte (mit eigenständiger sozialer Absicherung).

Im Rahmen der Präsentationen wurden bislang folgende Punkte angesprochen:
1.    Flexibilität als Lösungsansatz bei Work-Care Spannungen
2.    Wie zeigt sich Europa im Spannungsfeld Arbeit – Kinderbetreuung?
3.    Aufteilung von Kinderbetreuungspflichten und die Rolle von Großmüttern und -vätern
4.    Rolle der Kinderbetreuung (inkl. Schule)
5.    Rollenbild, Ausbildung und Karriere von Frauen
6.    Einkommensschere
7.    Gender Budgeting
8.    Männer im Spannungsfeld von Beruf & Familie
9.    Filmbeiträge zur Sichtweise von Sozialpartnern, Experten, Frauen und Männern
10.    Kurzstatements von Experten zu Work-Care relevanten Themen

Im Rahmen der den Präsentationen folgenden regen Diskussionen wurde schnell klar, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht nur Fragen wie Job, Flexibilität, Aufgabenteilung, sondern auch ein weites Spektrum anderer Themen (wie Rollenbilder, Kinderbetreuung, Schule, Ausbildung, Chancengleichheit, etc.) umfasst und die Standpunkte – nicht unerwartet – deutlich auseinanderliegen. Folgende Punkte wurden von Seiten der Diskutanten/Experten angesprochen:

Zur Schnittstelle Arbeitsmarkt – Familie:
Die Unterstützung der Arbeitnehmer ist zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie notwendig. Die Entlastung von Frauen ist Voraussetzung für das Gelingen.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf braucht Flexibilität von allen Seiten: vom Arbeitgeber, Arbeitnehmer, von Staat und Familie.
Die Bereitstellung öffentlicher Kinderbetreuung unterstützt die Vereinbarkeit.
Ein erhöhter Beschäftigungsanteil von Frauen ist gut für die Wirtschaft: Vereinbarkeit via Teilzeit; Flexibilität und Anpassung von Seiten der Betriebe.
Entspricht die gesetzliche Verankerung einer „Vereinbarkeit“ der tatsächlich gelebten Realität in den Betrieben?

Zu Rollenbildern und familiärer Aufgabenteilung:
•    Neue Rollenbilder, Erwerbsverhalten und Einstellungen sind beobachtbar – sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Trotzdem sind in Österreich Frauen „für Vereinbarkeit zuständig“.
•    Die Balance Familie – Beruf ist auch für Männer ein Thema geworden: Vorbilder sind notwendig. Welche Rolle spielen die Medien? Ein langsamer Wandel wird sichtbar.
•    Entscheidungen in der Familie erfolgen partnerschaftlich, allerdings in sozialen, gesellschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen.
•    Mit der Familienphase setzen (wieder) traditionelle Muster ein, jedoch mit deutlichen Unterschieden nach Bildungsniveau und Job.
•    Die Rolle der Großmütter und -väter verändert sich, die intergenerationale Unterstützung wird thematisiert.
•    Kosten und Status der Kinderbetreuung sind ausschlaggebend.
•    Der Betreuungs- und Unterstützungsbedarf beschränkt sich nicht auf die Kleinkindphase: Auch die Schulzeit (Betreuung und Lernunterstützung) ist relevant.
•    Das Kindeswohl darf nicht außer Acht gelassen werden, gleichzeitig soll das „Rabenmutter-Image“ bekämpft werden.

Und interessant sind auch die Diskussionspunkte der reinen Männerrunde im Dezember:
1.    Die Identität des Mannes erfolgt via Job, die der Frau via Familie – Der Job ist nur zweitrangig.
2.    Angst vor Anerkennungsversagen (Mann); eigenen Machtbereich nicht aufgeben (Frau).
3.    Divergente Einstellungen zu Frauen und Job – was ist optimal für die Familie?
4.    Die Einschätzung der aktuellen Beteiligung an Haushalt und Kindererziehung ist bei Männern und Frauen sehr unterschiedlich.
5.    Der mediale Einfluss auf die Rollenbilder: Was ist „cool“?
6.    Der Gesinnungswandel bei Familien – ist kinderlos optimal?
7.    Die Einstellung weiblicher/männlicher Vorgesetzter zur Vereinbarkeit.
8.    Die Trennung der Ideologie von realen Problemen.

Weitere Informationen zum WORKCARE SYNERGIES Projekt – insbesondere auch den in den anderen Ländern diskutierten Inhalten – den Veranstaltungen und Diskussionsergebnissen finden Sie auf unserer Projekt-Homepage:

www.workcaresynergies.eu

sowie auf unserer IHS-AT Länderseite:

http://workcaresynergies.eu/work-care-tensions/

Autorinnen

Dr.in Michaela Gstrein
Institut für Höhere Studien (IHS)
Abteilung Ökonomie
E-Mail: gstrein@ihs.ac.at, http://www.ihs.ac.at

Dr. in Liliana Mateeva, mateeva@ihs.ac.at