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Familienforschung mit Kindern

Das ÖIF an der KinderuniWien 2009


Von Christine Geserick und Eva Festl

Wo kommt das Wort Familie eigentlich her? Wie funktionieren Umfragen? Und wofür gibt es überhaupt Familienforschung? Mit dem Seminar „Was ist Familie?“ war das ÖIF mit Eva Festl und Christine Geserick heuer zum zweiten Mal an der KinderuniWien vertreten.

Wenn an der Universität Wien das Sommersemester zu Ende ist und die Studierenden ihre vorlesungsfreie Zeit genießen, bekommt die Universität Besuch von den Jüngsten unter den Nachwuchsforschern: den Kindern. Seit mittlerweile sieben Jahren öffnet die KinderuniWien im Sommer ihre Tore. Für zwei Wochen (heuer vom 13. - 25. Juli) sitzen dann 8- bis 13-Jährige in den Hörsälen und Seminarräumen. Vorne stehen wie sonst auch die Lehrenden der Universität, Professoren und Assistenten aus den unterschiedlichsten Fachbereichen. Sie erklären Phänomene aus der Medizin, den Sozialwissenschaften oder der Physik – aber alles ist ein bisschen bunter. Anzüge werden gegen die „Team“-T-Shirts der Kinderuni getauscht. Und auch die Veranstaltungstitel klingen etwas anders als sonst: „Was macht Ötzi im Teilchenbeschleuniger?“, „Wozu braucht man Gefängnisse?“ oder eben: „Was ist Familie?“

Familie, das „ganze Haus“

Insgesamt 51 Kinder meldeten sich für das Seminar an und wir hatten 90 Minuten Zeit, uns dem Forschungsgegenstand Familie gemeinsam zu nähern. Unser Auftakt war die Frage, wo das Wort Familie eigentlich herkommt – bestimmt auch für viele Erwachsene eine schwierige Frage. „Familie“ kommt aus dem Lateinischen („familia“) und heißt, vereinfacht ausgedrückt, „das ganze Haus“. Mit einem Bild von einem Bauernhof konnten wir erklären, dass früher nicht nur all diejenigen zur Familie gehörten, die mit der Bauernfamilie verwandt waren, sondern, dass auch das Gesinde, die Mägde und Knechte, zur Hausgemeinschaft gehörte und die Familie vor allem eine Wirtschaftsgemeinschaft war. Man arbeitete zusammen, und man schlief unter einem Dach. Ein Mädchen in der ersten Reihe wusste genau, wovon wir sprachen: „Wir haben auch einen Bauernhof, und bei uns helfen Ausländer“. Auf die Nachfrage, ob diese auch zu ihrer Familie gehörten, kam jedoch ein definitives ‚Nein‘. Heute ist das also anders.

Auch Vogel Sammy gehört dazu


Das war der Anknüpfungspunkt für eine nächste Frage: Wie ist das heute? Wer gehört eigentlich zu einer Familie? Die Frage klingt profaner als sie eigentlich ist. Mit der Pluralisierung familialer Lebensformen kommt auch die Familienforschung in Erklärungsnot, wenn es um eine allgemeingültige Definition von Familie geht. Weil Kinder aber immer klare Antworten einfordern, haben wir uns mit zwei Aussagen positioniert, die sich auch in unserem Forschungsalltag bewährt haben: Erstens ist Familie dort, wo Kinder sind (Generationen-Aspekt). Und zweitens darf jeder für sich selbst definieren, wer zu seiner Familie gehört. Als wir Papier und Buntstifte verteilten, waren die Kinder gerne bereit, zu zeichnen, wer zu ihrer Familie gehört. Nicht nur Mama und Papa, Geschwister, Oma und Opa fanden ihren Platz, sondern auch Haustiere, Freunde und Freundinnen. So kamen auch „Raten“, „Meuse“ und der Vogel Sammy mit aufs Familienbild sowie auch zwei Meerschweinchen, die leider hatten verkauft werden müssen. Für das Mädchen gehörten sie aber immer noch zur Familie. Dann gab es aber doch ein paar Fragen: „Wie sind die Cousinen meines Vaters mit mir verwandt?“ (wir tippten auf „Großcousinen“) und ein anderes Mädchen holte uns zu sich, weil sie mit dem Zeichnen nicht weiterkam: „Meine Oma ist schon gestorben, soll ich sie auch malen?“. Ihre Banknachbarin hatte dazu eine Idee parat: Ihr verstorbener Großvater kam mit aufs Bild, er hatte einen Heiligenschein und saß auf einer Wolke.

Über das Zeichnen kamen wir ins Gespräch und viele wollten ihre Familienverhältnisse en détail erklären. Erzählt wurde auch von Familienarrangements, die einer Trennung der Eltern folgen. Begriffe wie „Obsorge“ und „Stiefgeschwister“ sind den meisten Kindern sehr gut bekannt. Sogar den Begriff der Patchwork-Familie kannten sie und konnten ihn erklären: „Das ist eine Familie wie ein Fleckerlteppich.“

Familienstatistik selbstgemacht

Dann wurde es ein bisschen schwerer, denn nun ging es um Statistik. Es gab eine eigene Umfrage zum Thema Familie. Die Kinder sollten sich zu einigen Fragen melden, z.B. wie viele Geschwister sie haben und ob sie später einmal heiraten wollen. Wir meinten, spüren zu können, dass die Arme der Mädchen etwas schneller in die Höhe schnellten, als alle aufzeigen sollten, die einmal heiraten wollen. Auch war das Seminar zum Großteil von Mädchen besucht. Ist Familie vielleicht immer noch ein „Frauenthema“? Wir hoffen nicht. Und wir sind um so zuversichtlicher, als es gerade ein junger Mann war, der als einziger bereits seine Freundin mit auf sein Familienbild gezeichnet hatte. Sie heißt Natali und hat ein Herz neben ihrem Namen (siehe Bild). Er kann sich sogar vorstellen, sie später einmal zu heiraten – wenn da nicht ihre „nervende“ Schwester wäre. Es ist eben so eine Sache mit den Verwandten.

Über 3.900 Kinder und 500 Lehrende

In den letzten fünf Minuten des Seminars kamen alle Kinder nach vorne, um sich ihren Stempel abzuholen. Den braucht man, um den Magister der Kinderuni zu erwerben. Wie jedes Jahr gab es auch heuer eine feierliche Sponsion im Großen Festsaal. Insgesamt 3.929 Kinder haben am diesjährigen Programm teilgenommen, so viele wie nie zuvor. Auch das Lehrangebot war diesmal besonders reichhaltig, denn erstmals war neben der Universität Wien, der Medizinischen und der Technischen Universität auch die Universität für Bodenkultur (Boku) beteiligt. Insgesamt haben mehr als 500 WissenschaftlerInnen 411 Lehrveranstaltungen angeboten.

Die KinderuniWien gibt es seit dem Jahr 2003. Sie wird vom Kinderbüro der Universität Wien koordiniert und dabei von wienXtra, dem Wiener Stadtprogramm für Kinder (Museumsquartier) unterstützt. Gemeinsam sorgten sie dafür, dass es auch außerhalb der Lehrveranstaltungen nicht langweilig wurde. Für die Kinder gab es auf der Wiese des Campus-Geländes zahlreiche Sommerspiele. Aber auch an die Eltern wurde gedacht: Für sie gab es heuer erstmals ein Elterncafé, in dem sie sich die Zeit vertreiben konnten, während ihre Kinder studierten – und wem das zu langweilig war, der konnte an kostenlosen Sprachkursen (z.B. Hindi, Russisch) teilnehmen.

Wien, die größte Kinderuni

Die Kinderuni gibt es nicht nur in Wien, sondern insgesamt etwa 150 mal auf der ganzen Welt. Das Konzept, Kinder an die Universitäten zu holen, entstand in den späten 1990er Jahren. Die Kinderuni Wien ist dabei eine der erfolgreichsten und sogar die größte im deutschsprachigen Raum.

Nicht nur deshalb waren wir gerne Teil dieses großen Events, das uns einen spannenden Perspektivenwechsel im Forschungsalltag bescherte: Wo wir sonst meist über Kinder forschen, haben wir mit ihnen geforscht. Das war auch für uns ein erfrischendes Sommerprogramm.

Weitere Infos gibt es unter www.kinderuni.at

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe September 2009.