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Kinderwunsch in Deutschland und Schweden

Familienplanung bei jungen Studierenden und ein Ausblick auf die Diskrepanz zur Realisierung


Von Stefanie König

„Also ich möchte schon gerne Kinder haben, allerdings muss ich ganz ehrlich zugeben, hab‘ ich manchmal das Gefühl, es sollte möglichst als Unfall passieren, damit man nicht wirklich die Entscheidung treffen muss, welche zu haben oder nicht, weil tausend Gründe dagegen sprechen, wenn man es ganz rational machen würde...“, (deutsche Studentin, 28 Jahre).

Im Rahmen meiner Magisterarbeit in Pädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, sollte der Kinderwunsch junger Studierender näher untersucht werden. Dieser Aspekt ist ein Teilbereich des „YAGISS“-Projektes – Young Adults in Germany, Italy, Sweden and Spain – unter der deutschen Leitung von Prof. Dr. Sabine Walper. Darin wird die Lebenssituation junger Erwachsener mit einem 24-seitigen Fragebogen und ergänzend anhand qualitativer Interviews untersucht.

Studenten befinden sich in einer besonderen Phase ihres Lebens: dem frühen Erwachsenenalter. In diesen Zeitraum fällt durchschnittlich auch die Geburt des ersten Kindes, obwohl sich gerade diese Phase von den Lebensumständen her nicht gut für die Familiengründung eignet. Den jungen Erwachsenen fehlen oftmals Voraussetzungen, wie eine stabile ökonomische Situation oder eine feste Partnerschaft. Erschwerend kommt hinzu, dass sich den jungen Studierenden gerade jetzt sehr viele verschiedene Möglichkeiten bieten, die mit dem Kinderwunsch konkurrieren. Unter anderem steht die Karriere oft im Fokus des Lebens der Studierenden, was eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie zwingend notwendig macht. Heutzutage ist besonders für Frauen die Familiengründung nicht mehr die zentrale Lebensaufgabe. Dadurch wird es wichtig, dass eine Elternschaft neben dem Beruf möglich ist.

Bei der Fragebogen-Untersuchung von 634 Studenten wurden die Akzeptanz des Bildes der arbeitenden Mutter und die Einstellung gegenüber der gleichberechtigten Rollenverteilung unter den Partnern untersucht. Beide Male erweist sich Schweden als fortschrittlicher. Es betreibt schon lange eine Politik, die Frauen gleiche Chancen im Berufsleben ermöglichen soll. Dazu kommt, dass auch öffentliche Kinderbetreuung eine längere Geschichte und somit mehr Akzeptanz hat als in Deutschland. Inwieweit die jungen Studierenden bereit sind, ihre spätere Karriere hinter ihre Familie zu stellen, wurde mit Items zur Familienorientierung untersucht. Es stellte sich heraus, dass es keinen Unterschied zwischen den Ländern gab. Allerdings zeigten sich Geschlechtsunterschiede, so dass Männer im Allgemeinen weniger dazu bereit waren.

Ergänzend standen der Analyse des Kinderwunsches 47 Interviews zur Verfügung. Die Befunde zur Familienorientierung lassen sich auch in der Aussage einer jungen Schwedin bestätigen: „Ich will Kinder haben. Noch nicht wirklich jetzt, noch nicht mal in ein paar Jahren. Aber… ich finde nicht, dass ich davor Karriere machen muss. (…). Wichtig ist, dass man einen geeigneten Platz zum Wohnen hat und eine angemessene ökonomische Situation, was dann bedeutet, dass mein Mann einen festen Job braucht, falls ich das nicht habe.“, (schwedische Studentin, 22 Jahre). Auffallend ist, dass sich nur Frauen auf die Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie beziehen. Auf der Suche nach einer Antwort, warum junge Erwachsene trotz der Hindernisse einen Kinderwunsch haben, wurden in den Interviews verschiedene Werte in Verbindung mit eigenen Kindern herausgefunden. Viele Studenten sehen in der Familiengründung eine Art Sinn im Leben oder einen Teil der natürlichen Entwicklung. Eigene Kinder stellen eine Quelle von Freude und Glück dar sowie eine Garantie für eine stabile, erwachsene Lebensweise: „…und ich glaub‘, Kinder zu bekommen ist eigentlich das Lebensziel schlechthin, darauf arbeitet man doch zu, dafür entwickelt man sich, dafür lebt man, um dann irgendwie seine Erfahrungen auch weitergeben zu können…“, (deutscher Student, 21 Jahre). Fällt die Entscheidung für ein Kind, so haben diese Werte wohl eine große Bedeutung, da sie den Nachteilen entgegenstehen, die sich sowohl finanziell als auch in anderen Bereichen einschränkend auf das Leben der jungen Erwachsenen auswirken.

Ausblick

Der Kinderwunsch an sich unterscheidet sich zwischen Deutschland und Schweden nicht. Generell wollen die meisten Studenten (79,6%) eigene Kinder. Nur 4,3% sprechen sich konkret dagegen aus, wohingegen 16,1% noch zweifeln. Demnach könnte man annehmen, dass der generelle Kinderwunsch eher von individuellen Werten abhängt, die tatsächliche Realisierung hingegen von Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Somit ist der Aspekt der Realisierung besonders für junge Studentinnen relevant, wenn sie ihre spätere Karriere mit der Familiengründung vereinbaren müssen.

Info: Das YAGISS-Projekt wurde im Jahr 2004 von den Forschungsteams um Frau Prof. Sabine Walper an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und Frau Prof. Dr. E. Scabini an der Universitá Cattolica Del Sacro Cuore in Mailand ins Leben gerufen. Seit 2006 ist Frau Prof. Ann Frisen von der Universität Göteborg (Schweden) an diesem Projekt beteiligt und seit 2007 ein Forschungsteam um Herrn Prof. Carles Pérez Testor von der Universität Ramon Llull aus Barcelona (Spanien).

www.yagiss.de

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe September 2009.