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KOLUMNE - Das Baby und den Alltag schaukeln: Finale - Der erste Geburtstag naht

Das erste Jahr als Mama ...


Von Marita Haas

Meine Kolumne sei abschreckend, sagt mir eine Freundin, die ich als Karrierefrau bezeichne. Abschreckend, wenn man sich - so wie sie - überlegt, ob man mit 37 nicht doch ein Kind bekommen sollte. Wenn man versucht, sich selbst davon zu überzeugen, dass es so schlimm gar nicht sein kann und dass man Arbeit und Familie sehr wohl unter einen Hut bringen würde. Und wenn sich dann aber Zweifel breit machen, wie man mit einem Kleinkind laufend Abendtermine wahrnehmen könnte, von denen jeder weiß, dass die wirklich wichtigen Dinge genau dort besprochen werden. Wenn man in dieser Situation meine Kolumne liest, dann würde man sich definitiv dagegen entscheiden, sagt sie. Und dann sagt sie noch, sie vermisse in meinen Texten, dass ich mit meiner Tochter Spaß habe und fragt, ob es nicht so sei, dass sich nach einer Geburt die Prioritäten zugunsten des Kindes verschieben, dass man also gar nicht mehr arbeiten gehen will.

Als mein Mann letztes Mal auf Geschäftsreise war und Ivalina beim Wickeln gelacht und gegluckst hat, haben wir ihn angerufen. Es war uns egal, dass er in einem Meeting war. Wir wollten, dass er mitlacht. Für einen Moment ist dieser Gluckser das Wichtigste, das ich mir vorstellen kann und ich wünsche mir, dass er nicht zu Ende geht. Trotzdem gibt es andere Momente, in denen ich selbst gerne auf Geschäftsreise wäre. Auf einer Geschäftsreise, auf der ich dann daran denken könnte, dass Ivalina beim abendlichen Baden freudestrahlend das ganze Badezimmer vollspritzt und ihren Teddybär in die Nase beißt, bevor sie einschläft.

Ivalina ist nun ein Jahr alt und die Kolumne geht zu Ende. Den Reaktionen auf meine Texte entnehme ich, dass ich nicht die einzige bin, die versucht, ein Baby und eine Karriere unter einen Hut zu bringen. Viele Frauen haben mir geschrieben, dass auch sie eine „optimale Lösung“ für die Familie und das eigene Wohlbefinden suchen. Vom schlechten Gewissen haben sie geschrieben, aber auch von der Wut, dass ihre eigene Arbeit als „verschiebbare Freizeitbeschäftigung“ angesehen wird, während die Männer ihre berufliche Karriere ohne Einschnitte weiterverfolgen können. Und dass man dann doch oft einen Rückzieher macht. So wie auch ich: Aus der ursprünglich geplanten Freitags-Arbeit wurde im ersten Schritt ein Home-Office und im zweiten eine Vertagung größerer Projekte auf den Herbst.

Für das kommende Jahr bin ich wieder voller Pläne, doch jetzt weiß ich, dass man nicht nur einen Plan A braucht, sondern auch Plan B oder C. Und zum Abschluss möchte ich noch sagen: Danke Ivalina, denn durch dich ist klargeworden, dass die beste Nachmittagsbeschäftigung ein Wohnzimmertanz zu „Hey Wickie“ ist.

marita.haas@univie.ac.at


Von Max Haas

Jedenfalls hat sich viel geändert im letzten Jahr! Vom anfänglichen “normalen” Überfordert-Sein, über das Verzweifelt-Sein, weil nichts vom “normalen” Leben übrig geblieben ist, bis hin zum „unsere Tochter ist das absolut Beste, was mir im Leben bisher passiert ist“, hat das letzte Jahr alles in sich gehabt. Wichtig im Nachhinein: Es war gar nicht so schlimm. Aber der Reihe nach:

Der Vorsatz, ein überdurchschnittlich engagierter Papa und gleichberechtigter (in gleichem oder ähnlichem Level Verantwortung übernehmender) Ehemann zu sein, indem ich einen Wochentag zuhause Babydienst übernehme, war zwar vielleicht löblich (gut, ein Tag ist nicht die Welt, aber zumindest etwas), aber für mich alles andere als einfach. Schon die Wochen vor dem ersten Freitag haben gezeigt, dass die Mama-Baby-Bindung, um die ich meine Frau heute noch beneide, eine äußerst starke ist. Sobald ich längere Zeit mit unserer kleinen Maus allein war, wollte das Weinen und Schreien nicht mehr stoppen. Innerlich wohl wissend, dass die Voraussetzungen für Frauen und Männer gleich sind, wuchs in mir die Überzeugung, dass das Babykriegen und -betreuen Frauensache ist.

Zugegeben, ganz unglücklich über die nicht so gut verlaufenden Freitage war ich dann auch wieder nicht. Zwar habe ich mir diesen Papa-Tochter-Tag gewünscht, jedoch war er alles andere als entspannend, wo wir wieder beim Weinen, Schreien, permanent Beschäftigt-Werden-Wollen und Windelwechseln wären. Anderseits war die Sorge um den karrieretechnisch drohenden Rückschritt (in einer technisch und daher männerdominierten Branche, in der es nicht üblich ist, als Mann zuhause zu bleiben) doch sehr groß. Das Resultat: Die traditionelle Rollenverteilung, zumindest was die Arbeit betrifft. Zu allem Überfluss beschließt meine Frau, diese Kolumne zu schreiben und somit Teile (und damit verbunden das Scheitern unseres Vorhabens) unseres Privatlebens zu veröffentlichen. Zwar war nicht alles Geschriebene 1:1 aus unserem Leben entnommen, aber die Leserinnen und Leser konnten dies ja nicht unterscheiden.

Jetzt, wo Ivalina fast ein Jahr ist, ist Vieles leichter geworden. Vielleicht hat man sich an die neue Situation auch einfach nur gewöhnt. Zumindest kann man unbeschwert spielen, lachen und - wenn auch nicht mit vielen Worten - miteinander kommunizieren. Mittlerweile fängt Ivalina zu weinen an, wenn ich in der Früh die Wohnung verlasse, um zur Arbeit zu gehen und auch wenn das blöd klingt: Über dieses Weinen freue ich mich!
markus.haas@gmx.at

Inhaltsverzeichnis der Kolumne "Das Baby und den Alltag schaukeln"

Teil 1: Die ersten Wochen.
Teil 2: Theorie und Wirklichkeit.
Teil 3: Elternteilzeit. Der Plan.
Teil 4: Elternteilzeit. Der erste Tag.
Teil 5: Elternteilzeit. Ein Schritt zurück.
Teil 6: Akademikerinnen-Talk.
Teil 7: Zeit zu dritt.
Teil 8: Die Qual der Wahl.
Teil 9: Finale - Der erste Geburtstag naht

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe Juni 2009.