zum Inhaltsbereich springen.

zur Hauptnavigation springen.

zur Subnavigation springen.

zum Standort springen.

ÖIF. Link zu Universität Wien.

Links für den Wechsel der Webseitenansicht - grafische Ansicht (mit Webdesign), Hochkontrast (gelbe Schrift auf blauem Hintergrund mit Block-Links), ohne Formatierung (Browserstandard)

Um die Schriftgrösse zu ändern, halten Sie bitte die Strg-Taste und drehen das Mausrad oder wählen Sie in Ihrem Browsermenü >> Ansicht >> Schriftgrad..

Webseite nach Text durchsuchen

ihr Standort auf der Webseite

Standort: Service. Zeitschrift 'beziehungsweise'. 

Hauptbereich der Websiteinhalte

<- Zurück

Neue Chancen für die Elternbildung

In einer aktuellen Masterarbeit wird das Vernetzungspotenzial unterschiedlicher Bildungseinrichtungen auf regionaler Ebene untersucht


„Es macht sehr oft den Anschein, als hätten Eltern teilweise ihr instinktives Erziehungsvermögen verloren. Vor allem als Erziehungshelferin kann ich tagtäglich das Fehlen elterlicher Erziehungskompetenzen wahrnehmen.“

Diese Stellungnahme einer Erziehungshelferin, die im regionalen Kontext in der Steiermark Eltern und auch Kinder im erzieherischen Alltag unterstützt, wird von der hier vorgestellten Masterarbeit „Vernetze Elternbildung auf regionaler Ebene“ auf mehreren Ebenen bekräftigt. Im Rahmen einer qualitativen und quantitativen empirischen Forschung wurden unterschiedliche Bildungseinrichtungen, die Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 18 Jahren betreuen, auf regionaler Ebene im Bezirk Voitsberg in der Steiermark befragt. Der Schwerpunkt dieser empirischen Untersuchung richtete sich vor allem auf das mögliche Potenzial, welches sich aus einer vernetzten Zusammenarbeit der einzelnen Bildungseinrichtungen ergeben kann.
 

 









Durch die Vernetzung von
Elternbildungsangeboten auf
regionaler Ebene können Eltern
gezielter erreicht und vorhandene
Ressourcen besser genützt werden.


Obwohl auch von gesetzlicher Seite, beispielsweise §16 KJHG – Kinder- und Jugendhilfsgesetz, eine intensive Kooperation und Vernetzung aller am Erziehungs- und Bildungsprozess beteiligter Institutionen gefordert wird, stellt die aktuelle Bildungspraxis der Unterstützungsmaßnahmen aber zum Teil ein recht traditionelles Bild dar, in dem private und institutionalisierte Elternbildungsanbieter, Kindertagesstätten, Kindergärten, Schulen und Jugendhilfe getrennt nach Lebensphasen ihre eigenen Wege gehen. Somit orientiert sich die Angebotsstruktur sehr stark an den jeweiligen Möglichkeiten der Einrichtungen und weniger am tatsächlichen Bedarf der Eltern.

Diese „Ist-Situation“ galt als Ausganslage der Untersuchung. Mit Hilfe eines kombinierten Forschungsdesigns, das sich aus Fragebögen und leitfadengestützten ExpertenInneninterviews zusammensetzte, konnten für die Praxis relevante Erkenntnisse gewonnen werden. Eines vorweg: alle acht befragten ExpertInnen standen einer Vernetzung im regionalen Kontext vorwiegend positiv gegenüber.

Motive für die Vernetzung

Aus den ExpertInneninterviews wurde ersichtlich, dass die Konkurrenzvermeidung und -reduzierung ein wesentliches Motiv der Vernetzung darstellt. Auch wurde häufig angegeben, dass die verschiedenen Angebote kombiniert werden. Durch die Abstimmung einzelner Angebote ist es den einzelnen Bildungsinstitutionen besser möglich, auf den jeweiligen Bedarf einzugehen. Zwei Aspekte wurden in der Untersuchung besonders hervorgehoben: das bessere Nützen von vorhandenen Ressourcen sowie der Austausch mit KollegInnen. Daraus lassen sich Lerneffekt ableiten, die sich aus der Zusammenarbeit mit anderen Institutionen ergeben – es wird vor allem die Erweiterung des individuellen Blickwinkelns auf unterschiedlichen Ebenen erwähnt. Als absolut förderlicher Faktor in Vernetzungen werden „personenbezogene Komponenten“ genannt. Darunter sind laut den ExpertInnen persönliche Beziehungsstrukturen zu verstehen.

Vorteile von Vernetzung

Die von den ExpertInnen erwähnten Vorteile von Vernetzung sind

  • eine erhöhte Transparenz im Arbeitsfeld,
  • ein verbesserter Informationsfluss,
  • ein differenzierter Zugang zu Eltern und
  • eine Qualitätssteigerung des gesamten Bildungsbereichs.

Vernetzungen werden den ExpertInnen zufolge in der Praxis vor allem zum Zweck eines Informationsaustausches im Sinn von Angebotsabgleichung vorgenommen. So kann gewährleistet werden, dass beispielsweise in einem Bezirk nicht mehrere Elternbildungsangebote zum gleichen Thema von unterschiedlichen Institutionen angeboten werden. Der differenzierte Zugang zu Eltern wird durch eine eng vernetzte Zusammenarbeit von Elternbildungsanbietern ermöglicht. In der Fachliteratur spricht man von „zielgruppenorientierter Elternbildung“. Darunter kann die Erreichung von speziellen Zielgruppen, wie bildungsfernen Eltern, Eltern von behinderten Kindern oder Vätern verstanden werden. Die empirische Untersuchung führt Ansatzpunkte für die Motivation bildungsferner Eltern an. Um die Erreichung von verschiedenen Zielgruppen zu forcieren, ist die Methodenwahl der Elternbildungsangebote von großer Bedeutung. Vor allem Angebote, welche einen informellen Lerncharakter (informelles Lernen) aufweisen, bieten erfolgreiche Ansatzpunkte. Dazu zählen Gesprächsrunden, Eltern-Kind-Treffs, Spiel- und Bastelgruppen und vieles mehr. Eine weitere innovative Methode ist die sogenannte „Geh-Struktur“: Dabei geht es um die Öffnung von Bildungseinrichtungen und die direkte Verknüpfung mit dem Lebenshintergrund spezieller Elterngruppen. Diese sollen in ihrer eigenen Umgebung beziehungsweise im Alltag erreicht werden. Ein aus den Niederlanden stammendes Elternbildungsprogramm „Opstapje - Schritt für Schritt mehr Chancengleicheit“ setzt bei der Methode der „Geh-Struktur“ an. Müttern lernen Schritt für Schritt verschiedene Bildungsinhalte, um diese dann in ihrem sozialen Umfeld anzuwenden. Dabei verlieren die Eltern an Scheu und müssen ihre Probleme nicht nach außen tragen oder ExpertInnen in Institutionen fragen.

Weiters verdeutlicht die Auswertung der ExpertInneninterviews, dass eine Vernetzung in der Praxis erfolgreich gelebt werden kann, wenn jeder Einzelne dazu bereit ist und sich persönlich dafür engagiert. Dazu zählen vor allem persönliche Beziehungen, welche zum Zweck der Vernetzung im Bereich der Elternbildung herangezogen werden.

Neben den erwähnten Vorteilen wurde in der Untersuchung auch nach Spannungsfeldern im Rahmen einer Vernetzung gefragt. Dabei kamen Aspekte des Neides und der Rivalität zwischen einzelne Institutionen zum Ausdruck. Beispielsweise wurde die Angst, dass der Kooperationspartner zum Konkurrenten werden könnte, angesprochen. Eine weitere Gefahr bei Vernetzungen wird im fahrlässigen Umgang mit den ausgetauschten Informationen gesehen. Eine absolute Diskretion wäre hier notwendig.

Ausblick für die Bildungslandschaft der Elternbildung

Bezugnehmend auf die angeführten Erkenntnisse geht es bei der Umsetzung neuer Strategien nicht um die Schnelligkeit, sondern um den reflektierten Zugang der jeweiligen Bildungseinrichtung im regionalen Kontext. Vordergründiger Ansatzpunkt soll die Unterstützung der Eltern in ihrem Erziehungsprozess entsprechend den gesellschaftlichen und familialen Beziehungen sein. Für die Praxis der Elternbildung ergibt sich daraus eine Schwerpunktsetzung in der Angebotsstruktur folgender Bereiche: Zum einen zählt die Stärkung der Erziehungskompetenzen der Eltern zu den absoluten Schwerpunkten der Bildungsangebote, was von allen acht ExpertInnen bestätigt wurde. Zum anderen liegt eine ebenso große Herausforderung im Angebot von altersbezogenen Themen. Darunter werden Bildungsangebote verstanden, die explizit an Eltern gerichtet sind, deren Kinder in einer schwierigen Entwicklungsphase sind. Eltern wünschen sich laut dieser Untersuchung am häufigsten Unterstützung in Erziehungsfragen, wie „Grenzen setzen“ und Themen rund um die „Pubertät“.

Das Potenzial dieses Bildungsbereichs könnte erheblich gesteigert werden, sofern die Elternbildungsanbieter mehr auf die Wünsche der Eltern eingingen und neue methodische Ansatzpunkte (von der „Komm-Struktur“ zur „Geh-Struktur“ und zielgruppenorientierte Elternbildung) in ihre Arbeit mit einbezögen.

Von Petra Felfer


Informationen: Mag. Petra Felfer, Erziehungswissenschaftlerin mit Schwerpunkt Erwachsenen- und Weiterbildung, Erziehungshelferin, Lehrerin, E-Mail: petra.felfer@gmx.at
Petra Felfer: Vernetzte Elternbildung auf regionaler Ebene. Innovative Strategien und Ansätze im Kontext des lebensbegleitenden Lernens. Magisterarbeit an der Karl-Franzens Universität Graz 2008

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe April 2009.