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Stolze, deutsche Omas

5 unterschiedliche Großmutterstile


Deutschlands Großmütter sind stolz und freuen sich über ihre Enkel. Die Beziehung wird als Bereicherung ohne besondere Verpflichtungen erlebt, denn sie können ihre Großmutterrolle freier gestalten als ihre Mutterrolle. Verheiratete Großmütter haben ihre Enkelkinder oft während der Ferien bei sich. Alleinlebende Omas hingegen kümmern sich sehr oft im Alltag um ihr Enkel. Dies sind die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage und von qualitativen biographischen Interviews, die Ingrid Herlyn von der Universität Göttingen und ihr Forscherteam vorgelegt haen.

Das deutsche Autorenteam hat 5 Großmutterstile herausgefiltert:

    - Die pflichtorientierte Großmutter (21%)
    - Die selbstbestimmte und hoch engagierte Großmutter (14%)
    - Die integrierte Goßmutter (24%)
    - Die ambivalente Großmutter (21%)
    - Die relativ familienunabhängige Großmutter (20%)

Die pflichtorientierten Großmütter sind mit 59 Jahren die jüngsten und auch ihr Enkelkinder sind die kleinsten (zwischen 6 und 8 Jahren). Diese Großmütter sind besonders fit und gesund. Die meisten haben noch einen Partner. Ihre Enkelkinder sind meist weiblich und wohnen relativ nah. Ein großer Teil dieser Großmütter ist noch berufstätig und sie sind alle überdurchschnittlich qualifiziert. Neben Familie und Beruf gehen sie noch zahlreichen anderen Interessen und Engagements nach. Die pflichtorientierte Großmütter suchen am häufigsten Kontakt mit ihren Enkeln und sehen sie daher sehr oft. Viele von ihnen betreuen ihre Enkel regelmäßig und sind einfach für sie da. Diese Großmütter fühlen sich voll verantwortlich für ihre Enkel und sorgen gerne für sie, ohne das als Belastung zu empfinden. Sie sind zufriedene Großmütter und holen bei den Enkeln oft nach, was sie bei den eigenen Kindern versäumt haben.

Die selbstbestimmte hoch engagierte Großmutter ist im Durchschnitt 61 Jahre alt und ihre Enkel sind zwischen 7 und 12 Jahren. Ein großer Teil dieser Omas ist immer noch erwerbstätig, hat zahlreiche soziale Kontakte und ist sehr sportlich. Viele von ihnen leben in der Großstadt und haben einen höheren Schulabschluß als der Durchschnitt. Im Umgang mit ihren Enkeln ist für diese Großmütter ihr hohes Engagement bei Einzelaktivitäten typisch. Da wird gebacken und gekocht, Geschichten erzählt und "heftig" gespielt, ein Ausflug jagt den nächsten oder es wird auch einmal bei den Hausaufgaben geholfen. Diese Omas wollen den Enkeln auch ihre Lebensauffassung weitergeben und genießen ihr Großmuttersein.

Die integrierten Großmütter sind ungefähr 67 und ihre Enkelkinder sind zwischen 13 und 17 Jahren. Diese Omamas haben überdurchschnittlich viele Enkel, die meist sehr nahe wohnen. Und Sie sind meist verwitwet und wohnen allein. Sie leben heute eher zurückgezogen. Die integrierten Omas treffen ihre Enkel häufig an festgelegten Besuchstagen und neigen eher zu passiveren Formen des Miteinanders. Häufig verwöhnen sie ihre Enkel und unterstützen sich finanziell. Doch oft hat sich die Beziehung bereits umgekehrt und die Enkel helfen bereits den Omas. Großmuttersein bedeutet für diese Gruppe im besonderen Maß Nähe zu den eigenen Kindern. So haben Kinder und Enkel bei integrierten Omas Vorrang vor eigenen Interessen. Es ist ihnen wichtig als Großmutter noch gebraucht zu werden. Sie fühlen sich besonders verbunden mit ihrer Familie und leben in einem sehr traditionellen Familienverständnis.

Die ambivalenten Großmütter sind ebenfalls ca. 67 und haben die ältesten Enkel (zwischen 17 und 19 Jahren). Sie haben die meisten Kinder und Enkel und interessanterweise die meisten männlichen Enkel. Als Mutter waren die meisten von ihnen erwerbstätig bei guter Qualifikation und mehrheitlich leben sie mit ihrem Partner. Auffallend ist ihre relativ negative Gesundheitseinschätzung. Sie haben weniger Freunde, aber engagieren sich in Vereinen und ehrenamtlich. Überdurchschnittlich viele ambivalente Großmütter stammen aus den neuen deutschen Bundesländern. Diese Großmütter haben weniger Kontakt mit Enkelkindern. Sie bekennen, daß sie kaum Gemeinsamkeiten mit ihren Enkelkindern haben und sie auch selten finanziell unterstützen. Es entsteht der Eindruck, daß die ambivalenten Omas einerseits hohe Erwartungen an das Großmuttersein haben und sich sehr verpflichtet fühlen. Andererseits ziehen sie sich mit Kritik und aufgrund von Enttäuschungen zurück. Aus der relativen Vielzahl von Enkeln suchen sie einen Lieblingsenkel, mit dem sie einige Gemeinsamkeiten teilen - eine Besonderheit, die nur bei diesem Großmuttertyp auffällt.

Die relativ familienunabhängigen Großmütter sind mit durchschnittlich 68 Jahren am ältesten und haben ältere Enkel (16 bis 18 Jahre). Die waren eher nicht erwerbstätig und sind heute verwitwet. Sie haben weniger Kinder und die meisten männlichen Enkel. Ihre Enkeln wohnen auffallend selten in ihrer Nähe. Sie haben oft Besuch, sind ehrenamtlich tätig und nehmen an Weiterbildungskursen teil. Wie der Name schon sagt, haben diese Großmütter ihr Leben weitgehend neben und unabhängig von ihren Kindern und Enkeln eingerichtet. Ihre Enkel treffen sie entweder zu ritualisierten Anlässen oder zufällig. Daher haben sie auch selten gemeinsame Aktivitäten mit ihren Enkeln. Diese Omas wollen weder im besonderen Maß am Leben ihrer Kinder und Enkel teilnehmen, noch wünschen sie sich den Unterstützung für eigene Bedürfnisse. Auffallend ist, daß diese Großmütter ihr Leben allein organisieren, was andere oft in Anlehnung an die Familie tun.


Informationen: Prof. Dr. Ingrid Herlyn, Universität Göttingen, Waldweg 26, D - 37073 Göttingen.

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe 16/1998.