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Was kosten Familien dem Staat?

Ausgaben der öffentlichen Hand für Familien


Familienbezogene Ausgaben für unterschiedliche Familienphasen Das sozioökonomische Indikatorensystem listet Leistungen, auf, die aus den Unterhaltsverpflichtungen gegenüber Kindern und zwischen (Ehe)partnern entstehen. Konkret werden folgende Ausgabengruppen berücksichtigt:

    - Jugend & Familie
    - Soziales
    - Gesundheit
    - Unterricht
    - Wissenschaft
    - Wohnbauförderung

Im Vergleich zu den üblichen Vorstellungen von Familien"politik" oder Familien"förderung" ist diese Definition wesentlich weiter gefaßt. Dies zeigt, wie vielfältig und wie breit gestreut öffentliche Ausgaben getätigt werden, die die wirtschaftliche Lage von Familien direkt oder indirekt betreffen.

Ausgaben nach Lebensphasen

Etwas mehr als drei Viertel der Ausgaben können einzelnen Lebensphasen der Familie zugeschrieben werden. Für die Phase der Hausstandsgründung werden ca. 10% aller familienrelevanten öffentlichen Ausgaben aufgebracht. In Mutterschutz und Kleinkindphase fließen 7%. Das Vorschulalter wird mit 3% unterstützt. Die Phase des Lebens mit Schulkindern ist mit rund 33% der Ausgaben der größte Brocken. Aber auch Ausgaben im Alter mit 23% stehen bei dieser Sichtweise besonders im Blickfeld.

Ausgaben der Gebietskörperschaften

Die österreichischen Gebietskörperschaften tätigten im Zeitraum 1993 bis 1996 jährlich familienbezogene Ausgaben zwischen 217 und 225 Mrd. Schilling; wobei im Jahre 1994 mit rund 233 Mrd. Schilling ein Maximalwert erreicht wurde. Diese hohen Werte ergeben sich durch Einbeziehung der gesamten Wohnbauförderung (etwa 36 Mrd.), des Bildungswesens (etwa 111 Mrd.) und einiger Gesundheitsleistungen (etwa 8 Mrd.) in das Indikatorsystem. Die Schwerpunkte der familienbezogenen Ausgaben des Bundes liegen einerseits bei den "klassischen" Familienleistungen (z. B. Familienbeihilfen und ähnliche Leistungen) (rund 39 Mrd.) und im Bildungswesen (ca. 111Mrd). Die familienbezogenen Ausgaben der Länder werden vor allem in den Bereichen Wohnen und Bildung, jene der Gemeinden in den Bereichen Kinderbetreuung und Bildung getätigt. 1996 brachte der Bund 118 Mrd. die Länder 94 Mrd. und die Gemeinden 13 Mrd. auf.

Leistungen der Sozialversicherung

Öffentliche Ausgaben, die sich im obigen Sinn auf Familien beziehen, werden überdies in einem hohen Ausmaß von der Sozialversicherung bzw. in den anderen berufsspezifischen Systemen der sozialen Sicherung (z. B. Beamtenversorgung) geleistet. Das einschlägige Leistungsspektrum enthält z. B. Einkommensersatzleistungen für Schwangere und kinderbetreuende Elternteile, Unterhaltsersatzleistungen (vor allem nach dem Tod eines Elternteils oder Ehepartners), Hilfen für den Wiedereinstieg in das Erwerbsleben, medizinische Leistungen bei Mutterschaft etc.

Ausgaben der Sozialversicherungen

Die familienbezogenen Nettoausgaben der Sozialversicherung in den vom "sozioökonomische Familienbarometer" statistisch erfaßten Jahre 1993 bis 1995 liegen (einschließlich Sondersysteme) in der Größenordnung von jährlich 112 Mrd. Schilling. Dieser Wert ist bereits um Zahlungen der Gebietskörperschaften bereinigt. Die quantitativ bedeutsamste Ausgabenkategorie darin ist die Alters-, Invaliditäts- und Hinterbliebenenversorgung, die (im Jahr 1995) mit mehr als 71 Mrd. Schilling zu beziffern war, während die Mitversicherung in der Krankenversicherung mit rund 20 Mrd. Schilling, das Karenzurlaubsgeld und ähnliche Leistungen während der Betreuung eines Kleinkinds mit knapp 14 Mrd. Schilling anzusetzen sind.

Die Entwicklung der familienbezogenen Ausgaben des Bundes

Die familienbezogenen Gesamtausgaben der Ressorts Jugend und Familien, Unterricht, Wissenschaft, Soziales und Gesundheit betrugen 1996 103 Milliarden öS. Dies war zu 1993 eine Steigerung um 0,49%. Die familienrelevanten Ausgaben im engeren Sinn - z.B. Familienbeihilfen etc. - sind allerdings von 50 Mrd 1993 auf 45 Mrd 1996 um rund 10% gesunken. Im gleichen Zeitraum ist das Gesamtbudget des Bundes um rund 10% gestiegen (von 856 Mrd. auf 945 Mrd BVA). Der Anteil der familienbezogenen Ausgaben am Gesamtbudget ist von 11,83% auf 10,87% gesunken.

Überblick über die gesamten Ausgaben

In einer Gesamtschau von Gebietskörperschaften und Sozialversicherung entsteht ein Zahlengerüst, das für alternative Konzeptionen und Definitionen der Familienpolitik breiten Spielraum läßt. Für das Jahr 1995 werden in der engsten Definition die familienrelevanten Ausgaben der Gebietskörperschaften mit knapp 44 Mrd. Schilling beziffert; addiert man dazu die knapp 113 Mrd. Schilling einschlägiger Ausgaben der Sozialversicherung, ergäbe sich eine Summe von 157 Mrd. Schilling. Bei extensivster Interpretation des Ausgabenbegriffs bei den Gebietskörperschaften (also insbesondere unter Einbeziehung der Ausgaben für das Bildungswesen und die Wohnbauförderung) errechnet sich für das Jahr 1995 ein Maximalwert der familienbezogenen öffentlichen Ausgaben in der Höhe von 340 Milliarden Schilling.

Verhältnis Geld- zu Sachleistungen

Über alle Institutionen hinweg werden etwa 45% der familienbezogenen öffentlichen Ausgaben in Form von Geldleistungen getätigt, etwa 42% in Form von Sachleistungen, die übrigen Ausgaben lassen sich diesen Kategorien schwer zuordnen. Bei den Gebietskörperschaften ist der Anteil der Sachleistungen (55,4%), in der Sozialversicherung jener der Geldleistungen (76,2%) jedoch wesentlich höher als im Gesamtbild.

Herausforderung an die wissenschaftliche Untersuchungsmethode

Das Indikatorsystem legt auf theoretisch-methodischer Ebene klar, warum eindimensionale Beschreibungen der wirtschaftlichen Lage von Familien - etwa aufgrund des laufenden monatlichen (Pro-Kopf-)Einkommens - vorsichtig zu werten sind. Wichtige Aspekte, wie etwa die Verfügbarkeit von Infrastruktur im Bereich Verkehr, Bildung, Kinderbetreuung und Gesundheit, die Existenz von privaten Transfers (z. B. Unterhaltszahlungen, Geschenke), die Wohlstandswirkungen privater Wertschöpfung, aber auch das Fehlen einer Lebenseinkommensperspektive müssen bei einer aussagekräftigen Beurteilung des "Wohlstands" von Familien herangezogen werden. In der Praxis ist dies allerdings aufgrund der Datenlage nur in geringem Ausmaß möglich.


Informationen: MMag. Agnes Streissler, Mag. Karl Wörister, Kammer für Arbeiter und Angestellte, Wirtschaftswissenschaftliche Abteilung, Prinz Eugen-Strasse 20-22, A 1040 Wien.

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe 15/1998.