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Frankfurter Manifest für Arbeit - Familie - Zukunft

Das Dokument zur deutschen Diskussion um die Aufwertung der Erziehungsarbeit im Original


150 Jahre nach dem Aufbruch hier in der Paulskirche zu mehr politischer Verantwortung für die Bürger und zu mehr sozialer Gerechtigkeit in Deutschland steht die Gesellschaft in Europa heute wieder vor einer Zeitenwende. Ihre Konturen werden skizziert von einem Wandel in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Verbunden mit einem demographischen und sozialen Umbruch ruft dies bei vielen Zukunftsängste hervor. Dies zeigt, daß wir bewährte Wertvorstellungen, wie die Bedeutung der Familie, die Solidarität der Generationen und das Gemeinwohl erneut in den Mittelpunkt des Handelns rücken müssen. Das gilt vor allem mit Blick auf die Jugend. Zur Demokratie und ihren Grundsteinen gehört die Hoffnung auf Zukunft, gehören Gemeinsinn und das, was Aristoteles schon das Band der Freundschaft nennt. Demokratie lebt von menschlicher Bildung und Erziehung, von einem Denken und Handeln im Bewußtsein der Würde des Menschen. Das sind Früchte dessen, was die Sozial- und Wirtschaftswissenschafter als Humanvermögen bezeichnen.

Wir wollen die Bedeutung von Familien für die Bildung von Humanvermögen ins Bewußtsein bringen. Der Beitrag von elterlicher Erziehung für die Bildung von Humanvermögen muß Eingang in den politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Diskurs finden. Der Europäische Kongreß zur Aufwertung der Erziehungsarbeit, der dieser Versammlung vorausging, war der Auftakt einer Bürgerinitiative, der Beginn einer Bewegung, deren Ziel die angemessene Anerkennung der Erziehungsleistung der Eltern durch Gesellschaft und Staat ist. Die Erziehung von Kindern ist eine gesellschaftlich notwendige Arbeit. Wer diese Erziehungsarbeit übernimmt, der erwirbt Kompetenzen, die denen einer Erwerbsarbeit vergleichbar sind.

Wir wollen eine Anerkennung und Bewertung der Arbeit als Ausdruck der Schöpfungskraft des Menschen, als sein Feld der Bewährung und nicht als bloßer Kostenfaktor in Bilanzen.

Wir rufen Politiker, Gewerkschafts- und Wirtschaftsführer auf, den Arbeits- und Leistungsbegriff neu zu definieren, so daß die für die Gesellschaft relevante Erziehungsarbeit Anerkennung im Sozialprodukt findet. Ohne diese Anerkennung wird der Generationenvertrag weiter ausgehöhlt, ohne Kinder erstarrt die Zukunft.

Über die Arbeit findet der Mensch seine Identität im sozialen Raum. Daher muß die Wirtschaft dem Menschen dienen, nicht umgekehrt. Der Mensch muß wieder im Mittelpunkt wirtschaftlichen Denkens stehen. Die Zukunft ist ohne einen neuen leistungsorientierten, sozialen und ökologischen Ordnungsrahmen kaum vorstellbar. Dazu gehört die Stärkung der Familie als wichtigste Quelle dieser Zukunftsperspektive. Und dazu gehört auch die Wiederentdeckung des Humanvermögens, als Fundament einer Gesellschaft, in der die Jugend hoffen kann und in der alle Generationen eine Perspektive der Solidarität haben.

Dazu wollen wir einen Beitrag leisten.


Informationen: Koordinationskreis Familien- und Gesellschaftspolitik, Heidelberg, Tel.: 0049 / 6221 / 97 240

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe 13/1998.