Spät gefreit, nicht bereut.
Warum sich Menschen, die bereits einmal verheiratet waren, zu einer zweiten Ehe entschließen, hat nun eine deutsche Studie erforscht. Nachdem 33 Paare in einer Studie befragt wurden, warum sie in einem Alter von 45 bis 55 Jahren geheiratet haben, konnten folgende drei Spätheiratstypen unterschieden werden:
- Die Krisenbewältiger
Ihnen ist gemeinsam, daß sie ihr Leben vor der aktuellen Beziehung als Kette von Mißerfolgen oder Schicksalsschlägen sehen, die zu schweren Krankheiten oder Krisen geführt haben. Weil die schlimmen Erfahrungen dieser Spätheirater so tief und schmerzhaft sind, sehen sie ihr Leben mit einem neuen Partner im positivsten Licht. Gemeinsam alt zu werden und sich dabei so weit wie möglich gegenseitig zu unterstützen, ist ihre klare eindeutige Perspektive. So ist etwa in einer der befragten Familien, die diesem Typus zuzurechnen ist, der Mann darüber verbittert, daß er sich nicht von seiner alkoholkranken Frau getrennt hat, die den Tod des gemeinsamen Kindes nie überwinden konnte. Seine Art, die Situation zu bewältigen ist die Flucht in viel Arbeit, die ihm zwei Herzinfarkte einbringt, bis er es mit Hilfe seiner jetzigen Frau schafft, sich aus der ersten Ehe zu lösen. Seine Aussage dazu: "Ich habe dadurch mein Leben gewonnen.” Auch seine neue Frau gibt an, durch ihn all ihre Lebensfreude zurückgewonnen zu haben.
- Die Institutionalisierer
Zu diesem Typus werden all jene Spätheiratenden gezählt, die Ehe als Lebensziel anstreben und sich dafür den passenden Partner suchen. Herr Lange ist ein Beispiel für diese Art. Er fährt zur See und hat bereits eine gescheiterte Ehe hinter sich. Die neue Ehe soll ihn sozusagen bodenständig machen und ihm dabei helfen, soziale Situationen besser zu bewältigen. Bei einer Feier lernt er eine Frau kennen und ist rasch davon überzeugt, daß sie für ihn die Richtige ist. Etwa zwei Monate nach dem ersten Treffen erfolgt bereits der erste Heiratsantrag. Auch seine Frau spricht davon, daß ihr die Heirat Sicherheit gibt und sie findet es einfach "schön, verheiratet zu sein".
- Die Lebensoptimierer
Einige Interviewpartner hatten trotz vergleichbarer Krisen ihr Leben gut gemeistert. Sie stehen auf eigenen Füßen und kommen mit ihrem Leben gut zurecht. Dennoch scheint etwas zu fehlen: die stabile, dauerhafte Partnerschaft. Für diese Gruppe eröffnet die Bindung zu einem anderen Menschen neue Möglichkeiten und sei es "nur" die eines ruhigen Lebens. Herr Kurz hat lange in einer weniger glücklichen Beziehung gelebt. Mit der Trennung löst er sich zugleich aus einer starken Bindung zu seiner Mutter. Lieber möchte er alleine leben, als all das noch einmal mitzumachen. Er macht eine Therapie und lernt seine jetzige Frau kennen. Er bilanziert: "Alleine komme ich zwar klar, aber die Partnerschaft ist eine Bereicherung für das Leben." Frau Kurz hat vor der Ehe lange Zeit ohne Partner gelebt, gearbeitet und einen Sohn großgezogen. Sie bestätigt aber auch, daß ihr Leben mit dem Mann schöner und erfüllter geworden sei. Einflußfaktor Eltern Es gibt aber auch noch andere Gründe, später zu heiraten: Im Leben versucht man immer, schlechte Erfahrungen möglichst zu vermeiden oder gar wieder gut zu machen. Die Herkunftsfamilie und die dort gesammelten Eindrücke beeinflussen dabei fast jede Art der Entscheidung, so auch den Entschluß, zu heiraten. Eine Vermutung, warum Menschen erst in einem späteren Alter heiraten, wäre ebenfalls auf Erlebnisse in der Herkunftsfamilie zurückzuführen. Sind die Eltern in einer langandauernden Ehe, so wird meist auch von der eigenen erwartet, daß sie nicht allzu bald in die Brüche geht. Umso länger dauert die Suche nach dem Partner: Die Leute suchen sorgfältiger, wenn sie den Richtigen oder die Richtige, mit denen sie ihr ganzes Leben verbringen können, unbedingt finden möchten. Früh geheiratet wird eher dann, wenn die Suche nach dem optimalen Partner als sehr pessimistisch eingeschätzt wird, oder wenn man davon überzeugt ist, bereits Glück gehabt zu haben.
