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Pflegekosten schnalzen hinauf!

In 35 Jahren eine Million Betreuungsbedürftige und über 50 Milliarden Schilling Kosten pro Jahr?


Je nach den Schwerpunkten der Gesundheits- und Sozialpolitik in den kommenden Jahren und Jahrzehnten wird sich die Zahl der betreuungsbedürftigen Menschen in Österreich bis zum Jahr 2.030 um 30 bis fast 100 Prozent erhöhen. Derzeit gibt es an die 500.000 Betreuungsbedürftige in Österreich. Dementsprechend werden auch die Kosten für die Pflege dieser Menschen in die Höhe schnalzen: Von derzeit 24 bis 29 Milliarden pro Jahr je nach Berechnungsart) auf 30 Milliarden (im günstigsten Fall, der nicht nur höhere Lebensdauer sondern auch durchschnittlich bessere Gesundheit voraussetzt) bis zu fast 55 Milliarden pro Jahr in einem Szenario, das erhöhte Lebenserwartung und überwiegenden Ausbau stationärer Betreuung vorsieht. Das sind Hauptergebnisse aus einer soeben erschienenen Studie, die von vier Autoren unter der Leitung von Univ. Prof. Dr. Christoph Badelt, dem Leiter der Abteilung für Sozialpolitik an der Wirtschaftsuniversität Wien, erstellt wurde. Dabei wurde erstmals ein neues Konzept der Messung von Hilfs- und Pflegebedürftigkeit angewendet, das auf pflegewissenschaftlichen ebenso wie auf ökonomischen Grundlagen beruht. Darüber hinaus versuchen die Wissenschafter, die Entwicklung von Betreuungsbedürftigkeit in den kommenden 35 Jahren vorherzusagen. Neben Berechnungen der damit verbundenen Kosten werden auch Vorschläge für mögliche Einsparungen ausgearbeitet, die vor allem auf dem verstärkten Ausbau ambulanter Formen der Betreuung beruhen. Von den derzeit knapp 500.000 betreuungsbedürftigen Menschen in Österreich brauchen knapp 360.000 nur leichte Betreuung, fast 80.000 sind auf mittlere' Betreuung angewiesen, und mehr als 55.000 sind schwer betreuungsbedürftig. Zwischen "Status quo" und "Better Health" Auf diesen Zahlen aufbauend haben die Forscher nun drei mögliche Szenarien errechnet:

  • ”Status quo”. Das heißt, der derzeitige durchschnittliche Gesundheitszustand der Bevölkerung bleibt im wesentlichen wie er ist.
  • ”Long life”. Hier liegt die Annahme zugrunde, daß die Lebenserwartung der, österreichischen Bevölkerung weiter zunimmt, wodurch mit einer Zunahme der Zahl betreuungsbedürftiger Personen sowie auch mit einer höheren Dauer der Pflegebedürftigkeit selbst zu rechnen ist.
  • ”Better Health”. Man nimmt an, daß ein bedeutender Anteil der medizinischen Ressourcen für die Prävention, also die frühzeitige Vermeidung von gesundheitlichen Schäden eingesetzt wird. Dadurch verringert sich die Zahl der auf Pflege und Betreuung angewiesenen Menschen.

Nach dem Modell ”Status quo”, das in der Studie als nicht sehr wahrscheinlich bezeichnet wird, werden im Jahr 2.010 fast 600.000 Menschen in Österreich betreuungsbedürftig sein, 20 Jahre danach mehr als 800.000. Legt man ”Better Health" zugrunde, verringern sich diese Zahlen auf 535.000 in 15 Jahren sowie 645.000 im Jahr 2.030. Nach dem Szenario ”Long Life” aber werden die absoluten Spitzenwerte erzielt: Mehr als 650.000 bereits in 15 Jahren, fast 1 Million im Jahr 2.030. Nimmt man nun an - so die Studie -, daß in Österreich künftig vor allem der stationäre Pflegebereich ausgebaut wurde, also Wohnplätze und Pflegebetten, so würde der Bedarf von derzeit knapp 58.000 Betten auf fast 70.000 im Jahr 2.010 und mehr als 95.000 im Jahr 2.030 steigen. Das entspricht einer Steigerung von fast 65 Prozent in den nächsten 35 Jahren. Sollte hingegen der ambulante Bereich stärker ausgebaut werden, so bliebe die notwendige Bettenkapazität in etwa gleich. Das Schwergewicht würde im Ausbau ambulanter Versorgungsstrukturen liegen, wie sie schon derzeit fast 90 Prozent der Betreuung abdecken. Stationär plus Lebensverlängerung kommt am teuersten Die Art der Versorgung aber bestimmt wesentlich die Höhe der Kosten. Stationäre ]Betreuung ist bei weitem am teuersten. Obwohl nur rund 11 Prozent der gesamten Pflege von stationären Einrichtungen durchgeführt werden, verschlingen diese Strukturen doch fast 40 Prozent der gesamten Betreuungskosten. Für die Zukunft würde die Beibehaltung des Ausbaues stationärer Einrichtungen die bei weitem höchste Kostensteigerung bedeuten. Verbunden mit einer gegenüber dem derzeitigen Stand noch weiter zunehmenden Lebenserwartung ergeben sich Kostenzuwächse von fast 100 Prozent bis zum Jahr 2.030. Die Studie spricht in diesem Zusammenhang von einer ”dramatischen” Erhöhung der Kosten.