Gefahr durch Singles?
Singles hat es immer gegeben - nur hat man sie anders genannt, und sie lebten unter sozialen Bedingungen, die mit denen der Gegenwart nicht zu vergleichen sind. Wie sich das zunehmende Singledasein auf unsere heutigen Gesellschaftsstrukturen auswirken könnte, überlegt nun der deutsche Gesellschaftswissenschafter Prof. DDr. Stefan Hradil in einem Artikel auf dem Weg zur Single-Gesellschaft' , in dem er Zukunftsthesen zum Thema aufstellt. Dabei konzentriert sich der Soziologe auf die Situation des Arbeitsmarktes: In den kommenden Jahrzehnten wachsen die geburtenschwachen Jahrgänge in das Erwerbs- und Elternalter hinein.Sieht man von Zuwanderungen ab, wären folgende Schwierigkeiten denkbar:
- Nachdem die Arbeitskraftressourcen aufgebraucht sind, wird - so Hradil - schon bald ein ernsthafter Mangel an Arbeitskräften eintreten: Vor allem im Bereich der mittleren Qualifikationen, wo Arbeitskräfte jetzt schon knapp sind, aber auch am Dienstleistungssektor und in gehobenen Qualifikationen.
- Infolge des geringen Nachwuchses, wie er in einer "Single-Gesellschaft" typisch ist - so gibt Hradil zu bedenken - wird es immer mehr ältere und immer wenigerjüngere Erwerbstätige geben. Die Qualifikationen werden veralten, außerdem werden Produktivität und Innovation leiden. Anpassung an technologischen, ökonomischen und sozialen Wandel werde große Anstrengungen erfordern.
- Weiters nimmt der Mainzer Professor für Soziologie an, das das System sozialer Sicherung durch die Verminderung der Beitragszahler ins Wanken gerät. Gleichzeitig werden die Sicherungskosten steigen, insbesondere wegen der absoluten Zunahme der älteren Generation.
- Vor allem in den Jahren 2015 bis etwa 2030 werde sich eine Bevölkerungslücke auftun, da bis dahin die geburtenstarken Jahrgänge vollständig im Rentenalter stehen. Diese eher tristen Visionen würden selbst dann nicht in positive umzuwandeln sein, wenn die Geburtenrate sofort anstiege. Laut Hradil käme sie in jedem Fall zu spät. Sie könnte die Alterung der Gesellschaft, wegen der geringen Zahl der nachrückenden Eltern, nur sehr langsam lindern. Das gezeichnete Zukunftsszenario wird unserer Gesellschaft dernzufolge nicht zu ersparen sein.
