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Chronisch kranke Kinder leiden nur selten unter Depression.

Unterschiede je nach Krankheit. Familienklima spielt eine Rolle.


Das ist eine Überraschung: Entgegen logisch scheinenden Erwartungen neigen Kinder mit bestimmten schweren chronischen Krankheiten nur selten zur Depression als Reaktion auf ihr schweres Los. Das ergab nun eine Studie in den USA. Ganz besonders scheint das für Erkrankungen wie Krebs, cystische Fibrose (eine Erbkrankheit) und Diabetes zu gelten. Kinder mit diesen Krankheiten sind der Studie zufolge so gut wie nie depressiv. Hingegen gibt es einige wenige Erkrankungen, die sich offenbar doch stärker auf die Psyche schlagen: Asthma, chronischer Bauchschmerz und Sichelzellanämie (eine Blutkrankheit).Kinder, die daran leiden, zeigen häufiger depressive Symptome. Die Forscher erklären die Abwesenheit von Depression bei Krebs, systischer Fibrose und Diabetes mit der bei diesen Krankheiten erforderlichen besonders intensiven Zuwendung und therapeutischen Hilfe seitens der Verwandten. Diese enge Verbundenheit - innerhalb der Familie sei eventuell so etwas wie ein emotionaler Schutzfaktor. Auf der anderen Seite kommt es durch Erkrankungen, bei denen Schmerzen eine Rolle spielen und bei denen man nicht genau weiß, wann die nächste gravierende Verschlechterung des Zustandes eintritt, offenbar häufiger zur sogenannten reaktiven Depression. Die Wissenschafter fanden Faktoren heraus, die bei einigen Krankheiten typischerweise eine Rolle spielen. So erhöht sich beispielsweise bei Kindern mit cystischer Fibrose die Depressivität im Gleichklang mit der Schwere der Symptome: je schlechter es den Kindern körperlich geht, desto häufiger kommt es zur Depression. Bei Asthma wiederum spielt die Schwere der Krankheitszeichen keine Rolle als Auslöser für depressive Zustände. Hier ist es das Familienleben, dessen Qualität sich indirekt auf die Seele der Kinder auswirkt: je besser das Familienleben funktioniert, und je weniger negative Lebenserfahrungen ein asthmakrankes Kind gemacht hat, desto seltener sind psychopathologische Zustände. Interessant ist, daß Depression bei Kindern auf beide Geschlechter gleich verteilt ist. Buben und Mädchen haben gleich häufig (oder selten) solche depressiven Zustände. Das gilt aber nur bis zur Adoleszenz. Ab diesem entwicklungspsychologischen Stadium leiden Mädchen häufiger unter Depression als Burschen. Die Autoren der Studie weisen darauf hin, daß es zu diesem Thema noch ein großes Forschungsdefizit gibt. Über depressive Zustände bei Kindern und Jugendlichen mit AIDS, mit traumatischen Kopfverletzungen und mit mehreren chronischen Erkrankungen gibt es noch kaum wissenschaftliches Material. Zu Vorschulkindern fehlt überhaupt jede wissenschaftliche Aktivität: Über Depressivität bei chronisch kranken unter 6jährigen existiert keine einzige Studie. Wenn Mutter Probleme hat Eine weitere US - amerikanische Untersuchung streicht die Rolle des Familienlebens, und hier besonders der Mutter heraus. An zwei chronischen Krankheiten, der cystischen Fibrose und der Sichelzellanämie, konnte man nachweisen, daß die chronische Erkrankung eines Kindes oder Jugendlichen bei den Müttern normalerweise nicht zu einer Erhöhung des Alltagsstreß führt. Wenn hingegen solche Streßmerkmale vorhanden sind, können sie als Indiz dafür gelten, daß die Mutter ungewöhnlich große Schwierigkeiten im Umgang mit der Erkrankung hat. Die Wissenschafter konnten drei Faktoren herausfinden, die als gute Indikatoren dienen, ob die Mutter gut oder weniger gut mit Herausforderungen durch die chronische Krankheit ihres Sprößlings fertig wird: Die Intensität von Streß, die Fähigkeit, mit Herausforderungen umzugehen (Coping) sowie Lebensqualität innerhalb der Familie. Mütter, die nur schwer mit der Situation umgehen können, schätzen den Alltagsstreß hoch ein und sind sehr bereit, die medizinische Behandlung der Erkrankung ihres Kindes zu unterstützen. In diesen Familien stellten die Wissenschafter andererseits eine geringe Bereitschaft fest, einander zu helfen und zu unterstützen. Ein Überblick über die einschlägige Literatur zeigt, so schätzen die Autoren der Studie am Beispiel der cystischen Fibrose, daß etwa ein Drittel aller Mütter einen hohen permanenten Streß aufweist. Sie werten das als mangelnde Fähigkeit, sich psychisch auf die bedrohliche Situation so einzustellen, daß es für das kranke Kind förderlich wäre.