zum Inhaltsbereich springen.

zur Hauptnavigation springen.

zur Subnavigation springen.

zum Standort springen.

ÖIF. Link zu Universität Wien.

Links für den Wechsel der Webseitenansicht - grafische Ansicht (mit Webdesign), Hochkontrast (gelbe Schrift auf blauem Hintergrund mit Block-Links), ohne Formatierung (Browserstandard)

Um die Schriftgrösse zu ändern, halten Sie bitte die Strg-Taste und drehen das Mausrad oder wählen Sie in Ihrem Browsermenü >> Ansicht >> Schriftgrad..

Webseite nach Text durchsuchen

ihr Standort auf der Webseite

Standort: Service. Zeitschrift 'beziehungsweise'. 

Hauptbereich der Websiteinhalte

<- Zurück

Chancen und Gefahren von Online-Communities

Wie facebook & Co. den Alltag Jugendlicher prägen


VON MICHAEL SCHAEFBERGER

„Wir waren im Computerraum in der Schule und da war mir langweilig, und wir sind auf ‚netlog’ gegangen und haben die Idee gehabt, dass wir ein Profil machen, bei dem wir 30 Jahre alt sind. Dabei haben wir uns dann verrechnet und waren 36. Dann habe ich ein Bild von einer älteren Frau im Internet gesucht und mich beschrieben wie eine 30-jährige Frau und noch ein Bild von einem Kind reingegeben und gesagt, dass das meine Nichte ist. Das Profil war ziemlich Ich. Wir haben dann so was geschrieben, was eine Frau halt schreiben würde in dem Alter, so ‚Ich fahre gerne an das Meer‘ zum Beispiel. Einen Tag danach haben wir voll viele Kommentare gekriegt, von Männern, die sich mit uns treffen wollten.“ (Anna P., 14 Jahre, 2010)

Online-Communities als fester Bestandteil des jugendlichen Alltags

Online-Communities sind längst kein Phänomen mehr, das wenige, besonders internetaffine Jugendliche anspricht, sondern sie sind bereits fix in deren Alltag verankert. Mehr als zwei Drittel der untersuchten User und Userinnen steigen zumindest einmal täglich in ihre Lieblingsnetzwerke ein, über 40 Prozent schon mehrmals täglich. Die beliebtesten Anbieter sind hier „netlog“ als Einstiegsplattform für die Jüngeren, „facebook“ als die „erwachsenere Variante“ bei den über 15-Jährigen.

Die beiden wichtigsten Aspekte der neuen Gemeinschaften sind einerseits die Möglichkeit, regelmäßig und schnell mit Freundinnen und Freunden zu kommunizieren und somit auch am Leben anderer teilzuhaben. Andererseits bilden sie eine Bühne, die den Jugendlichen die Möglichkeit der Selbstdarstellung und Inszenierung des Privatlebens bietet. Besonders die jungen Einsteiger und Einsteigerinnen zeigen sich von der Möglichkeit fasziniert, ihre eigene „Reality-Show“ zu gestalten. Mehr als zehn Jahre nach der Ausstrahlung der ersten Staffel von „Big Brother“ sind somit keine Castings und „potjomkinschen“ Häuser mehr nötig, um sich in der Öffentlichkeit zu inszenieren. Diese Inszenierungen bergen allerdings auch nicht zu vernachlässigende Gefahren, die vielen Jugendlichen oft nicht bewusst sind.

Nahezu die Hälfte der männlichen Community-Mitglieder macht ihre Profile öffentlich einsehbar, nur knapp über 10 Prozent aller untersuchten User und Userinnen geben an, über die angebotenen Sicherheitseinstellungen „sehr gut“ Bescheid zu wissen. Das rasante Tempo des Netzlebens führt oft dazu, dass unangenehme und peinliche Situationen schnell wieder aus dem Gedächtnis der Jugendlichen verschwinden – nicht aber aus dem prinzipiell für die Ewigkeit gespeicherten kollektiven „Netzgedächtnis“.

Wie groß sind die mit Online-Community-Nutzung verbundenen Risiken?

Die überwiegende Mehrheit der Nutzer und Nutzerinnen führt in den Communities ein „normales“ Alltagsleben, mit all seinen positiven und negativen Aspekten. Beschimpfungen, die Verbreitung von Unwahrheiten und unangenehme „Anmache“ erleben sie im realen Leben ebenso. Blieb allerdings die Kenntnis einzelner Auseinandersetzungen früher nur einem kleinen Kreis vorbehalten, bieten die Communities die Möglichkeit, eine breitere Öffentlichkeit teilhaben zu lassen und diese auch interaktiv einzubinden. Somit sind die Online-Gemeinschaften zwar nicht die primären Auslöser von Problemen, aber eine öffentliche Plattform, die oft negativ inspirierend wirkt.

Extreme Folgen unvorsichtigen Agierens sind den Jugendlichen wohl bekannt, die überwiegende Mehrheit sieht sich allerdings selbst kaum davon betroffen – knapp zwei Drittel der Befragten geben an, dass ihnen nichts Unangenehmes passieren kann, da sie nichts machen, was zu einem Problem führen könnte. Und ein Drittel ist überzeugt davon, dass ihre persönlichen Dinge nicht an die Öffentlichkeit gelangen können. Die Diskussion über die Auswirkungen auf die intimen Bereiche der User und Userinnen beschäftigt momentan viele Experten und Expertinnen. Ein immer öfter präsentiertes Szenario, das nicht zuletzt dem Marketing der Anbieter und Anbieterinnen von Communities entspringt, zeigt eine Gesellschaft, die jegliche Privatsphäre freiwillig aufgibt.

Die Ergebnisse der Studie zeigen ein anderes Bild. Eine zunehmende Transparenz einzelner Bereiche des eigenen Lebens und die Teilnahme einer immer größeren Öffentlichkeit können nicht wegdiskutiert werden. Dies ist den Jugendlichen auch durchaus bewusst. Die Entwicklung ist allerdings gegenläufig: Mit zunehmendem Alter und größerer Online-Erfahrung verabschieden sich die Communitymitglieder von öffentlicher Selbstdarstellung sowie dem Spiel mit dem Publikum und konzentrieren sich auf den wichtigsten und weit weniger gefährlichen Aspekt der Gemeinschaften – die Schaffung eigener sozialer Netzwerke, innerhalb derer man sich mit Freunden, Freundinnen und Interessensgruppen schnell und oft austauscht.

Studie: Das Österreichische Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT), in seiner Funktion als Informations- und Koordinierungsstelle der Initiative „saferinternet.at“, beauftragte das Institut für Jugendkulturforschung mit der Durchführung einer Studie zur Erhebung von Chancen und Gefahren, die Social Communities für junge Menschen bergen. Dazu wurden 402 Österreicher und Österreicherinnen im Alter von 11 – 19 Jahren face-to-face mittels standardisiertem Fragebogen befragt. Darüber hinaus wurden mit 18 ausgewählten Community-Usern und Userinnen fokussierte Friendpair-Interviews durchgeführt (Feldzeit: September bis November 2009). Damit können repräsentative ebenso wie auch vertiefende qualitative Daten über die Nutzungsgewohnheiten österreichischer Jugendlicher in den Online-Vergemeinschaftungen zur Verfügung gestellt werden.

Kontakt: Mag. Michael Schaefberger, mschaefberger@jugendkultur.at

Quelle: Pressedienst des Instituts für Jugendkulturforschung, Ausgabe 24 vom 11.02.2010

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe September 2010.