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Gewalt in der Familie

Die österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern im nahen sozialen Umfeld

Von: Olaf Kapella und Christiane Rille-Pfeiffer

Die kürzlich am ÖIF durchgeführte Prävalenzstudie zur „Gewalt in der Familie und im sozialen Nahraum” ist eine großangelegte Forschungsarbeit zur Gewalt an Frauen und Männern in Österreich. Der grundsätzliche Aufbau der Studie ermöglicht eine differenzierte Betrachtungsweise von Gewalterfahrungen mit dem Fokus auf den sozialen Nahraum und die Familie von Frauen und Männern. Im Zuge einer detaillierten Befragung von insgesamt 1.292 Frauen und 1.042 Männern im Alter zwischen sechzehn und sechzig Jahren wurden

  • die von ihnen über ihren gesamten bisherigen Lebenszyklus gemachten Gewalterfahrungen,
  • die von ihnen innerhalb der letzten drei Jahre erinnerbaren Gewalterfahrungen sowie
  • ihre jeweiligen „Kindheitsgewalterfahrungen” im Rückblick erhoben.

 
Durch die Erfassung dieser drei Dimensionen sollte ein möglichst umfangreicher Einblick in die Erfahrungswelten der befragten Frauen und Männer zu den folgenden vier zentralen Gewaltformen gewonnen werden:

  • Verletzungen der psychischen Integrität der Betroffenen durch psychische Übergriffe
  • körperliche Gewalt
  • sexuelle Belästigung
  • sexuelle Gewalt


Prävalenz von Gewalt in Österreich
Grundsätzlich ist für die Erhebung von Gewaltprävalenzen festzuhalten, dass zur Bildung von Prävalenzzahlen unterschiedliche Situationen bzw. Gewalthandlungen in der jeweiligen Gewaltform zu einer Zahl aufsummiert werden. D. h. es werden sowohl weichere Formen der Gewalt (z. B. Beleidigung, Wegschubsen) bis hin zu (sehr) schweren Übergriffen (z. B. psychischer Terror, Verprügeln, Vergewaltigung) abgefragt. Eine Reduzierung der Gewalterlebnisse von Frauen und Männern auf die jeweiligen Prävalenzzahlen der einzelnen Gewaltformen greift viel zu kurz, um die Komplexität von Gewalt in der Familie und im sozialen Nahraum abzubilden und dieser gerecht zu werden.

Es ist festzuhalten, dass die meisten Österreicher und Österreicherinnen über Gewalterfahrungen in zumindest einer Gewaltform verfügen. Die psychische Gewalt ist jene Gewaltform, die von den Befragten am häufigsten genannt wird – neun von zehn Frauen und acht von zehn Männern berichten von zumindest einer psychischen Gewalterfahrung. Etwa jede dritte Frau und knapp jeder zehnte Mann berichten von sexuellen Gewalterfahrungen seit dem 16. Lebensjahr. Erfahrungen von sexueller Belästigung geben drei Viertel der Frauen und ein Viertel der Männer an. Über körperliche Gewalterfahrungen berichtet jeweils mehr als die Hälfte der befragten Männer und Frauen. Grundsätzlich erleben Frauen Gewalt bedrohlicher als Männer.

Personen, die Gewalt erfahren, erleben diese meist in mehreren Dimensionen (körperlich, psychisch, sexuell). Dies gilt vor allem für Frauen. So berichtet etwa jede vierte Frau, Erfahrungen in allen vier Gewaltformen gemacht zu haben, hingegen nur jeder zwanzigste Mann. Geht es um die Kombination von psychischer und körperlicher Gewalt, wurde bislang jeder dritte Mann, aber nur jede zehnte Frau zum Opfer. Die Gewalterfahrungen werden in unterschiedlichen Lebensbereichen gemacht. So nennen Frauen und Männer primär die Arbeits- bzw. Ausbildungsstelle als den Lebensbereich, in dem es vorrangig zu psychischen Übergriffen kommt. An zweiter Stelle steht die Partnerschaft, und zwar mit deutlich häufigeren Nennungen von Frauen als von Männern. Körperliche Gewalterfahrungen machen Männer überwiegend im öffentlichen Raum, Frauen dagegen im engen sozialen Nahraum, in der Partnerschaft und in der Familie. Zu sexueller Belästigung kommt es bei den Frauen primär im öffentlichen Raum beziehungsweise am Arbeits- oder Ausbildungsplatz. Sexuelle Gewalt erleben Frauen in der Partnerschaft, an öffentlichen Orten und im Freundes- und Bekanntenkreis, Männer hingegen vor allem im Freundes- und Bekanntenkreis sowie an öffentlichen Orten.

Deutliche Geschlechterunterschiede zeigen sich auch bei den Orten, an denen Gewalterfahrungen gemacht werden: Frauen erleben körperliche und sexuelle Gewalt primär im häuslichen Bereich, d. h. in der eigenen oder in einer fremden Wohnung. Männer werden mit körperlicher Gewalt hauptsächlich an öffentlichen Orten wie z. B. auf der Straße und in Lokalen konfrontiert. Sexuelle Gewalt erleben Männer primär in der Wohnung von anderen Personen bzw. ebenfalls in Lokalen.


Im Detail:
Ein vertiefender Blick auf die konkret erlebten Gewalthandlungen in den jeweiligen Gewaltformen zeigt Folgendes:

Frauen und Männer erleben psychische Übergriffe am häufigsten im Kontext von „Beleidigungen“, „Einschüchterungen“ oder, indem sie angeschrien werden. 51,9% der Frauen und 43,6% der Männer berichten davon. Jede dritte Frau und jeder vierte Mann musste in ihrem/seinem bisherigen Leben (seit dem 16. Lebensjahr) die Erfahrung machen, „verleumdet“ oder „systematisch bei anderen schlecht gemacht“ worden zu sein.

Körperliche Gewalt erleben Frauen und Männer am häufigsten in Form einer „leichten Ohrfeige“ (31,7% Frauen; 34,8% Männer) oder wenn sie  absichtlich weggestoßen werden (30,7% Frauen; 36,9% Männer). Jede fünfte Frau und jeder fünfte Mann hat bislang erlebt, schon einmal „getreten, gestoßen oder hart angefasst“ worden zu sein. „Verprügelt“ oder „zusammengeschlagen“ wurden 4,8% der Frauen und 8,8% der Männer.

Sexuelle Belästigung wird vor allem in der Form erlebt, dass einem eine Person zu nahe gekommen ist, sodass es als aufdringlich empfunden wurde (55,7% Frauen; 16,1% Männer). Jede dritte Frau ist ungewollt berührt oder geküsst worden, aber „nur“  7,1% der Männer berichten von dieser Erfahrung. Mehr als jede zehnte Frau und über 2% der Männer wurden „von jemandem mit sexueller Absicht ungewollt verfolgt“ (11,7% Frauen; 2,2% Männer).


Gewalt innerhalb der letzten drei Jahre
Ebenfalls eruiert wurden die kürzer zurückliegenden Gewalterfahrungen, erhoben als Zeitspanne der letzten drei Jahre. Eine Betrachtung dieser Gewaltprävalenz nach Altersgruppen zeigt, dass Gewalt besonders häufig bis zum vierzigsten Lebensjahr erlebt wird. Das gilt für beide Geschlechter. Die höhere Gewaltbetroffenheit in der ersten Lebenshälfte wurde bereits in zahlreichen anderen Gewaltprävalenzstudien aufgezeigt und durch die vorliegende Studie bestätigt. So berichten z.B. (immer mit Bezug auf die letzten drei Jahre)
l 25,8% der 16- bis 20-jährigen und 12,8% der 21- bis 30-jährigen Frauen, absichtlich weggestoßen worden zu sein (vs. 3,0% der 51- bis 60-jährigen Frauen).
l 14,1% der Männer zwischen 16 und 20 Jahren, aber „nur“ 2,2% der 41- bis 50-jährigen Männer wurden in den letzten drei Jahren getreten, gestoßen oder hart angefasst.
l 17,9% der 16- bis 20-jährigen und 14,7% der 21- bis 30-jährigen Frauen erlebten, dass jemand sie gegen ihren Willen berühren oder küssen wollte (vs. 4,9% der 41- bis 50-jährigen Frauen).

In Bezug auf Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren wurde den Befragten eine ausführliche Täter- und Täterinnenliste vorgelegt, die auf die Familie und den sozialen Nahraum fokussierte.

Psychische Gewalt haben Frauen in den letzten drei Jahren primär durch den Ex-Partner, durch weibliche und männliche bekannte Personen sowie durch Freundinnen bzw. Freunde erlebt. Der derzeitige Partner rangiert bei Frauen als Täter von psychischen Übergriffen weiter hinten. Männer erlebten psychische Gewalt hauptsächlich durch männliche bekannte und unbekannte Personen sowie durch Freunde, Bekannte und die Ex-Partnerin.

Körperliche Gewalt erlebten Frauen in den letzten drei Jahren hauptsächlich durch den Ex-Partner oder durch den derzeitigen Partner. Außerdem nennen sie die eigene Mutter und den eigenen Vater als Täterpersonen. Im Gegensatz dazu erlebten Männer körperliche Gewalt primär durch andere Männer, die nicht zur Familie oder zum Freundes- und Bekanntenkreis gehörten, also eher durch Personen, die nicht zum engen sozialen Umfeld zählten. Die Ex-Partnerin nimmt Platz vier der zehn am häufigsten genannten Täter und Täterinnen ein.

Sexuelle Belästigung erlebten Frauen und Männer in den letzten drei Jahren am häufigsten durch unbekannte oder entfernt bekannte Personen des jeweils anderen Geschlechts. Die Partnerschaft als Ort, an dem es auch zur sexuellen Belästigung kommt, spielt bei Frauen eine stärkere Rolle. So sind bei ihnen der Ex-Partner und der derzeitige Partner unter den zehn am häufigsten genannten Tätern und Täterinnen von sexueller Belästigung vertreten, bei Männern nicht.

Auch sexuelle Gewalt haben Frauen am häufigsten durch unbekannte oder entfernt bekannte Männer erfahren. Diese sexuellen Gewalterlebnisse waren einmalig ausgeübte Handlungen, im Gegensatz zu jenen in der Partnerschaft: Hier schilderten Frauen, mehr als zehn Mal in den letzten drei Jahren sexuelle Gewalt erlitten zu haben – am häufigsten durch den Ex-Partner. Männer erlebten sexuelle Gewalt in den letzten drei Jahren am häufigsten durch Freundinnen oder durch eine Bekannte. Am zweithäufigsten war die Täterin eine unbekannte Person.

Einschränkend ist festzuhalten, dass Übergriffe durch den derzeitigen Partner bzw. die derzeitige Partnerin stärker tabuisiert sind als Gewalt durch den Ex-Partner/die Ex-Partnerin und somit das Dunkelfeld in Bezug auf die derzeitige Partnerin/den derzeitigen Partner deutlich höher liegen dürfte.

Gewalt in der Kindheit
In ihrer Kindheit – also bis zum Alter von 16 Jahren – haben etwa drei Viertel der befragten Personen psychische und/oder körperliche Gewalterfahrungen gemacht. Die im Rahmen der vorliegenden Studie errechnete Prävalenz der als Kind erlebten psychischen Gewalt liegt für die befragten Frauen bei 74,8 % und für die befragten Männer bei 72,8%, für die erlebte körperliche Gewalt bei 72,6% (Frauen) bzw. bei 73,7% (Männer). Es gibt also kaum Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Befragten. Ein ganz anderes Bild zeigt sich hingegen bei der sexuellen Gewalt, wo klare geschlechterspezifische Unterschiede festzustellen sind. Mit 27,7% waren mehr als doppelt so viele Frauen sexuellen Übergriffen in der Kindheit ausgesetzt wie Männer (12%).

Eine altersspezifische Betrachtung zeigt, dass ältere Menschen signifikant häufiger Gewalt in ihrer Kindheit erlebt haben als jüngere. Besonders deutlich wird dieser Zusammenhang bei körperlichen Gewalthandlungen: So ist der Anteil der körperlichen Misshandlungen in der Kindheit zwischen der ältesten und der jüngsten Altersgruppe um rund 25 bis 30 Prozentpunkte zurückgegangen.
Gewalthandlungen in der Kindheit bleiben meist nicht nur auf eine Gewaltform beschränkt. In rund sechs von zehn Fällen haben in der Kindheit gemachte Gewalterfahrungen sowohl eine psychische als auch eine körperliche Komponente.

Waren Kinder psychischen Gewalthandlungen ausgesetzt, so handelte es sich hierbei mehrheitlich um Demütigungen bzw. um Angebrüllt- oder Beschimpftwerden. Die Mehrheit der Respondenten und Respondentinnen (über 50%) hat solche Übergriffe als Kind mehr als einmal erlebt. Es kristallisierten sich zwei Sozialräume heraus, in denen es besonders häufig zu psychischen Gewalthandlungen kam: Zum einen ist das die Schule und zum anderen die Familie.

Etwa drei Viertel der befragten Frauen und Männer waren mehr als einmal in der Schule psychischen Gewalthandlungen ausgesetzt. Über psychische Gewalt in der Familie wurde vor allem von Frauen berichtet. Von beiden Geschlechtern wurden nahezu die gleichen Täterpersonen angegeben. Während allerdings bei den Männern ein Mitschüler als Täter an erster Stelle steht, war es für Frauen primär die eigene Mutter, die psychische Gewalt ausgeübt hat.

Etwas mehr als zwei Drittel der befragten Personen waren in ihrer Kindheit mehr als einmal mit leichten körperlichen Übergriffen (wie z. B. einer leichten Ohrfeige, dem Weggeschubstwerden, einem Klaps auf den Po) konfrontiert. Über mehr als einmal erlebte, schwere körperliche Gewalt (z. B. Schläge mit einem Gegenstand oder das Verprügeltwerden) berichten 14,4% der Frauen und 16,7% der Männer. Wie auch schon bei der psychischen Gewalt zeigt sich, dass es vor allem Frauen sind, die zu einem größeren Anteil als Männer in ihrer Kindheit häufig körperliche Gewalt erlebt haben. Dies betrifft nicht nur leichte körperliche Übergriffe, sondern auch schwere körperliche Gewalt und das Eingesperrtwerden.

Körperliche Gewalthandlungen in der Kindheit wurden – wie auch schon die psychischen Gewalthandlungen – überwiegend in der Familie und im schulischen Umfeld erlebt. Die Familie ist dabei jener soziale Nahraum, von dem die befragten Frauen und Männer am häufigsten über körperliche Übergriffe berichteten. Die anderen abgefragten sozialen Kontexte wie z. B. der Freundeskreis, die Lehre/Arbeit oder die Nachbarschaft spielen eine vergleichsweise geringe Rolle hinsichtlich des Gewalterlebens. An erster und zweiter Stelle der am häufigsten genannten Personen, welche jene Gewalthandlungen ausgeübt haben, stehen die eigene Mutter und der eigene Vater. Täter und Täterinnen aus dem schulischen Umfeld – als zweitem Lebensbereich, in dem hauptsächlich körperliche Gewalt erlebt wurde – werden an dritter und vierter Stelle genannt.

Als Kind mit sexuellen Übergriffen konfrontiert waren vor allem die befragten Frauen, mehr als doppelt so viele Frauen wie Männer berichten über sexuelle Gewalterfahrungen in ihrer Kindheit, d. h. bis zum 16. Lebensjahr. Mit als sexuell belästigend oder bedrängend erlebten Bemerkungen bzw. Beobachtungen in der Kindheit konfrontiert worden zu sein, gaben ein Fünftel der befragten Frauen und etwa einer von zehn der befragten Männer an. Annähernd gleich viele Frauen und Männer waren als Kinder sexuellen Übergriffen in Form von Berührungen, die als belästigend oder bedrängend empfunden wurden, ausgesetzt. Die schwerste Form sexueller Übergriffe, nämlich das Erleiden sexueller Handlungen an der eigenen Person, erlebte jede zehnte Frau und 4,4% der befragten Männer. Waren bei der psychischen und körperlichen Gewalt vor allem die Familie und die Schule jene Sozialräume, in denen die Befragten als Kinder Gewalthandlungen ausgesetzt waren, so kommen bei sexuellen Übergriffen noch die Nachbarschaft, der Freundeskreis und „andere Lebensbereiche” hinzu.

Zieht man nun die Täter- bzw. Täterinnen-Liste zur Interpretation heran, so wird deutlich, dass es sich hier überwiegend um sexuelle Übergriffe im öffentlichen Raum durch unbekannte Männer handelte. An zweiter Stelle jener Lebensbereiche, in denen die Befragten zumindest einmal sexuelle Gewalthandlungen erlebten, steht für die Frauen die Familie und für die Männer die Schule. Ist für Frauen die Familie jener Ort, an dem am häufigsten sexuelle Gewalthandlungen passierten, so berichten Männer über drei Lebensbereiche, in denen sie als Kinder/Jugendliche häufig sexuellen Übergriffen ausgesetzt waren: in der Lehre bzw. Arbeit, in der Schule und im Internat.

Die befragten Frauen waren überwiegend sexuellen Übergriffen von Männern ausgesetzt, d. h. von den zehn häufigsten Täter- und Täterinnen-Nennungen entfallen neun auf männliche Personen. Die befragten Männer waren als Kinder zwar ebenfalls am häufigsten mit männlicher Täterschaft konfrontiert, insgesamt waren allerdings von den zehn am häufigsten genannten Tätern und Täterinnen die Hälfte Frauen.

Schlussbemerkung
Resümierend kann festgehalten werden, dass die vorliegende Studie nicht nur zu neuen inhaltlichen Erkenntnissen geführt hat, sondern für die Autoren und Autorinnen gleichzeitig die Grenzen des wissenschaftlichen Arbeitens in diesem Bereich sichtbar wurden. Prävalenzstudien verfolgen die Zielsetzung, die Häufigkeit und das Ausmaß von Gewalt innerhalb der Gesellschaft abschätzen zu können. Sie bieten eine Möglichkeit der quantitativen Erfassung der Betroffenheit der Bevölkerung durch Gewalt – zumindest jener Gewalterfahrungen, die aufgrund der persönlichen Reflexion und des gesellschaftlichen Diskussionsstandes erinnerbar sind bzw. sich selbst eingestanden werden und wovon berichtet werden kann. Insofern ist eine quantitativ ausgerichtete Herangehensweise sicherlich auch die Methodik der Wahl. Allerdings lassen sich die Komplexität und die Dynamik der Gewalt und das subjektive Gewalterleben auf diese Art nur begrenzt abbilden. Dabei geht es u. a. um die Frage, welche Kriterien in die subjektive Bewertung von Gewalterfahrungen einfließen. Ist Gewalt das, was von den Betroffenen als bedrohlich wahrgenommen wird oder welche anderen Kriterien sind hier zu berücksichtigen? Um über die Dynamik von Gewalt in engen Beziehungen sowie das subjektive Erleben von spezifischen Gewaltsituationen und deren Beeinträchtigungen für das weitere Leben Aussagen treffen zu können, sind vertiefende qualitative Studien zum Gewaltverständnis und den individuellen Folgen heranzuziehen. 

olaf.kapella@oif.ac.at
christiane.rille-pfeiffer@oif.ac.at

Die Publikation zur Studie ist unter www.bmwfj.gv.at und unter www.oif.ac.at erhältlich.

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe Jänner-Februar 2012.