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FIM – Familie, Interaktion und Medien

Eine deutsche Untersuchung zur Kommunikation und Mediennutzung in Familien

Von: MPFS – Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest

Ergänzend zu den Studienreihen KIM (Kinder + Medien, Computer + Internet) und JIM (Jugend, Information, (Multi-) Media), die seit über zehn Jahren das Medienverhalten der Kinder und Jugendlichen in Deutschland dokumentieren, hat der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest gemeinsam mit dem Südwestrundfunk in der FIM-Studie (Familie, Interaktion & Medien) die Kommunikationsstruktur und die Mediensituation in Familien untersucht. Für die FIM-Studie wurden im Frühsommer 2011 alle Familienmitglieder von 260 Familien in Deutschland (insgesamt 856 Personen, 468 Elternteile und 388 Kinder zwischen 3 und 19 Jahren) persönlich befragt. Zusätzlich wurde für eine Teilstichprobe dieser Basisuntersuchung eine Tagebuchbefragung durchgeführt, die das Kommunikations- und Medienverhalten in Alltagsituationen detailliert erfasst. Die Fragebögen sowie die Tagebücher wurden für die beteiligten Altersgruppen entsprechend angepasst.

Erziehung findet heutzutage oft gemeinschaftlich statt: In der Hälfte der Familien kümmern sich beide Eltern um die Erziehung. Zwei Drittel der Eltern bewerten die finanzielle Situation der Familien als gut, elf Prozent empfinden die eigene wirtschaftliche Situation als sehr gut. Allerdings bewertet jeder Fünfte die Situation als weniger gut oder gar nicht gut.

Familie bedeutet für die Befragten vor allem Zusammenhalt und Zusammengehörigkeit. Außerdem werden Geborgenheit und das Großziehen der Kinder spontan als Assoziation zu dem Begriff Familie genannt. Die meisten sehen Familie als positiv und harmonisch, als Ort der Gemeinschaft, der Unterstützung und des Vertrauens. Nur sehr wenige der befragten Familienmitglieder verbinden spontan negative Aspekte mit der Familie.



Durchschnittlich verbringen Eltern an Werktagen (Montag bis Freitag) etwa vier Stunden mit ihren Kindern. Hierbei erleben die Mütter doppelt so viel Zeit mit ihren Kindern wie die Väter. Mit zunehmendem Alter der Kinder nimmt die gemeinsam verbrachte Zeit ab. Die befragten Kinder sind zu 94 Prozent mit dem gemeinsamen Zeitbudget mit ihren Eltern zumindest weitgehend zufrieden. Bei den Eltern gibt etwa jeder fünfte Elternteil an, mit der gemeinsam verbrachten Zeitspanne weniger oder gar nicht zufrieden zu sein.Als gemeinsame Tätigkeiten mit den Kindern werden besonders Gespräche, das gemeinsame Essen und Ausruhen/nichts tun genannt. Für Gespräche im Familienkreis werden häufig die gemeinsamen Mahlzeiten – vor allem das Abendessen – genutzt. Auch die Zeit vor dem Zubettgehen bietet oftmals Raum für den familiären Austausch. Zwei Drittel der Familien haben festgelegte Zeiten für Gespräche oder besondere Rituale. Auch hier kommt den gemeinsamen Mahlzeiten eine besondere Rolle zu.
 
Das Gesprächsklima innerhalb der Familien wird positiv wahrgenommen. Mehr als die Hälfte der Eltern und der Kinder ab 6 Jahren bestätigt voll und ganz, dass in der Familie jeder zu Wort kommt und Gehör findet. Meinungsverschiedenheiten werden von der Mehrheit weitgehend sachlich geklärt. Ungefähr ein Fünftel der Familien gibt an, dass es öfter Streit gibt, doch können dann in der überwiegenden Mehrheit der Fälle die Streitigkeiten rasch wieder beigelegt werden.

Die am häufigsten offen und ohne Vorgaben von den Eltern genannten Gesprächsthemen mit den Kindern sind schulische Fragen sowie der Freundeskreis der Kinder. Außerdem werden die Freizeit- und Wochenendplanung sowie Freizeitaktivitäten als Gesprächsthemen genannt. Weiter stehen das Tagesgeschehen und Alltagserlebnisse im Fokus der Gespräche (siehe Abbildungen 1 und 2).

Betrachtet man Themen aus dem Medienbereich, so wird nach Auskunft der Eltern im Familienkreis am häufigsten über das Fernsehen und seine Inhalte gesprochen: 58 Prozent der Eltern tauschen sich in der Familie regelmäßig über das Fernsehen aus, etwa die Hälfte der Eltern unterhält sich in der Familie über Zeitungsmeldungen. Für zwei Fünftel der Eltern sind Mediennutzungszeiten ein regelmäßiges Thema in der Familie, für ein Drittel das Internet. 14 Prozent der Eltern thematisieren regelmäßig Computerspiele in der Familie.

Fragt man nach dem vorwiegenden Gesprächspartner, ist aus der Perspektive der Eltern mehrheitlich der Partner bzw. die Partnerin der jeweils häufigste Ansprechpartner für die verschiedenen Themenbereiche. Über Computer- und Konsolenspiele, Bücher, MP3-Dateien, CDs und Kassetten sowie generell Mediennutzungszeiten sprechen die Eltern hingegen eher mit den Kindern. Außerdem spielen die Themen Schule/Kindergarten, Mode, Musik und Interpreten sowie Vereine/Jugendgruppen eine größere Rolle in der Kommunikation mit den Kindern als mit dem Partner. Dabei ist zu beachten, dass Gespräche in der Familie natürlich bilateral, aber oftmals auch mit mehreren oder gar allen Familienmitgliedern geführt werden. Aus Sicht der Kinder dominiert eindeutig die Mutter als Ansprechpartnerin bei fast allen Themenbereichen. Väter sind aus Sicht der Kinder bei Sportereignissen, Computer- und Internetfragen sowie Medientechnik generell der erste Ansprechpartner. Geschwister sind für Themen rund um Fernsehen, Neuigkeiten und Themen aus dem privaten Umfeld sowie Kino und Kinofilme wichtige Gesprächspartner.


87 Prozent der Kinder empfinden das Zeitbudget für Gespräche mit den Eltern als „so gerade richtig“. Gut zwei Drittel der Eltern sind ebenfalls mit dem zeitlichen Umfang für Gespräche mit den Kindern zufrieden, allerdings liegen die Väter mit 57 Prozent deutlich unter dem Wert der Mütter (79 %). Die Qualität der Kommunikation mit den Kindern bewertet nur eine Minderheit von vier Prozent der Eltern als weniger gut. Mit zunehmendem Alter der Kinder verschlechtert sich dieser Wert nur geringfügig, gleichzeitig wird die Bewertung „sehr gut“ von Eltern der 12- bis 19-Jährigen seltener vergeben. Kinder bewerten die Kommunikation mit der Mutter insgesamt besser als die mit dem Vater. Dies gilt vor allem für die Mädchen, hier schätzt jede Sechste die Kommunikationsqualität mit dem Vater als weniger gut oder gar nicht gut ein.

Trotz guter Medienausstattung findet die Kommunikation in der Familie nach wie vor meistens persönlich, also Face-to-Face statt. Zumindest gelegentlich nutzt die Hälfte der Eltern Telefongespräche am Handy oder über Festnetz, ein Fünftel schreibt SMS, um mit den Kindern zu kommunizieren. Ein etwas anderes Bild zeigt sich bei Eltern von Jugendlichen: Hier telefonieren etwa zwei Drittel und etwa ein Drittel nutzt zumindest gelegentlich SMS. Auch Vollzeit berufstätige Eltern nutzen diese Möglichkeiten überdurchschnittlich.
 
Familien sind sehr gut mit Medien ausgestattet: Computer, Internet, Fernseher, Radio, Handy und verschiedene Geräte zum Aufzeichnen von Fernsehinhalten gehören zur Standardausstattung so gut wie aller Haushalte. Etwa jeder fünfte Haushalt besitzt einen Tablet-PC. Spielkonsolen sind bei Familien mit Kindern ab 6 Jahren zu 84 Prozent vorhanden. Auch die Kinder verfügen über eine breite Medienausstattung: Einen eigenen Computer für sich oder gemeinsam mit den Geschwistern haben 17 Prozent der Kinder im Grundschulalter (6 bis 11 Jahre) und 62 Prozent der Jugendlichen (12 bis 19 Jahre). Jedes zehnte Kind von 6 bis 11 Jahren und 56 Prozent der Jugendlichen haben einen eigenen Internetzugang. Einen Fernseher haben 23 Prozent der Kinder zwischen 6 und 11 Jahren und 57 Prozent der Jugendlichen zur Verfügung.

Die Betrachtung der Mediennutzung der Eltern und der Kinder macht deutlich, dass dem Fernsehen in den Familien eine besondere Bedeutung zukommt. In der FIM-Studie liegt der Fokus auf der gemeinsamen Mediennutzung. 71 Prozent der Eltern sehen regelmäßig, also mindestens mehrmals pro Woche, mit ihren Kindern fern. Etwa die Hälfte hört gemeinsam Radio. 13 Prozent der Eltern nutzen regelmäßig mit zumindest einem Kind das Internet, deutlich seltener werden gemeinsam Computer- (4 %) und Konsolenspiele (3 %) gespielt. In der tagtäglichen gemeinschaftlichen Nutzung sind nur Fernsehen, Radio und Bücher relevant und – wenn man dies dazu nehmen will – telefonieren. Insgesamt ist das Fernsehen die häufigste gemeinsame Medientätigkeit von Kindern und Eltern. In der jüngsten Altersgruppe (3 – 5 Jahre) hat das Bücher lesen bzw. vorgelesen bekommen eine noch größere Bedeutung als das gemeinsame Fernsehen und auch Kassetten und CDs werden besonders häufig mit den Eltern angehört.

Das Internet ist für die meisten Familien selbstverständlich. 97 Prozent der Haushalte haben einen Internetanschluss, drei Viertel der Eltern sind regelmäßige Internetnutzer. Eltern nutzen das Shoppingportal eBay und das soziale Netzwerk Facebook besonders gern bzw. besonders häufig, vor allem jüngere Eltern sind auf Facebook aktiv. Auch bei den Kindern (6-19 Jahre) sind Communities von besonderer Bedeutung. Facebook zählt für jeden Dritten zu den beliebtesten Seiten. Weitere Favoriten sind YouTube und die Seiten der VZ-Netzwerke. Bei jüngeren Kindern spielen auch die Onlineangebote von Fernsehanbietern und Spieleseiten eine Rolle. 13 Prozent der Eltern geben an, regelmäßig gemeinsam mit ihren Kindern das Internet zu nutzen – am häufigsten Shoppingseiten, Angebote von Sendern und Sendungen sowie Spielseiten.

Bei der Frage nach den Medienexperten der Familie sind die Rollen klar verteilt. Väter sind die Spezialisten im Umgang mit technischen Aspekten, vor allem beim Computer. Mütter werden für Fernsehinhalte und zum Thema Buch als kompetentestes Familienmitglied eingeschätzt, für Computerspiele sind die Kinder die Experten.

In aktuellen Fragen der Medienerziehung schätzen sich 21 Prozent der Eltern als sehr kompetent ein. Die Mehrheit mit 60 Prozent der Eltern formuliert dies mit etwas kompetent deutlich zurückhaltender. 14 Prozent schätzen sich weniger kompetent ein und fünf Prozent schreiben sich hier gar keine Kompetenz zu. Die Auswirkungen der Medienentwicklungen der letzten Jahre auf das Familienleben haben für den Großteil der Eltern sowohl positive als auch negative Aspekte. 14 Prozent empfinden die Entwicklung als negativ und für ein Viertel der Eltern hat die Medienentwicklung eindeutig positive Auswirkungen auf das Familienleben. Dabei bewerten Eltern, die sich in Fragen der Medienerziehung als kompetent einschätzen, die Auswirkungen des Medienwandels eher positiv. Offensichtlich ist Medien(erziehungs)-kompetenz geeignet, die Neuerungen der Medienwelt eher chancenorientiert zu nutzen und den Entwicklungen positiv zu begegnen. Familien in Medienkompetenzfragen zu stärken, ist also ein guter Beitrag, die Familien insgesamt zu unterstützen, damit sie den Anforderungen des gesellschaftlichen Wandels gerecht werden können.

Quelle:
mpfs – Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest

Kontakt:
info@mpfs.de
www.mpfs.de

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe April 2012.