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Der Bedarf an spezifischer Elternbildung wächst

Das Österreichische Institut für Familienforschung der Universität Wien hat die vom Sozialministerium geförderte Elternbildung in Österreich evaluiert


"Die Förderung und der Ausbau des Elternbildungsangebots ist eine wichtige staatliche, familienunterstützende Maßnahme. Den bestmöglichen Erfolg erzielt Elternbildung, wenn sie die aktuellen Bedürfnisse der Eltern aufgreift und die verschiedenen Zielgruppen differenziert anspricht", betont Doris Klepp, Psychologin am Österreichischen Institut für Familienforschung (ÖIF) der Universität Wien und Studienleiterin der Evaluierung der vom Sozialministerium geförderten Elternbildung in Österreich. Die oft kostenlosen Angebote erreichen vorwiegend Eltern mit noch nicht schulpflichtigen Kindern. Einen besonderen Aufholbedarf zeigt die Evaluierung nach wie vor bei Männern, sozial benachteiligten Personen und Personen mit niedrigerem Bildungsabschluss. Um der Realität familiärer Situationen zu entsprechen, sollten spezifische Themenbereiche wie Scheidung, Stief- und Patchworkfamilien sowie Alleinerziehende stärker angeboten werden.

Von den 3130 befragten TeilnehmerInnen an Elternbildungsveranstaltungen in ganz Österreich fühlt sich jede bzw. jeder fünfte häufig von der Erziehung der Kinder überfordert. Dies nimmt mit der Anzahl und dem steigenden Alter der Kinder zu. Besonders Alleinerziehende sowie Eltern mit Pflichtschulabschluss gelangen öfter an ihre Grenzen. Müttern wird es generell vor allem dann zuviel, wenn mehrere Ereignisse gleichzeitig aufeinander treffen, die gemeistert werden müssen. Die befragten Väter fühlen sich insbesondere beim Lebensbereich "Schule und Lernen" am ehesten überfordert. Für Aufgaben in diesem Bereich werden Väter vermutlich in der Familie stärker einbezogen als in anderen Bereichen, folgert Doris Klepp.

Hilfe zur Selbsthilfe durch Elternbildung


Elternbildung ist eine familienstützende Maßnahme, die Eltern bereits im Vorfeld Hilfestellung gibt. Problembereiche können dadurch frühzeitig erkannt und Beratungsstellen bei Bedarf gezielt angefragt werden.

Ein Hauptziel der Elternbildung ist es, Mütter und Väter in ihren Erziehungskompetenzen zu stärken und ihnen dadurch mehr Sicherheit und Selbstvertrauen zu geben. Elternbildung soll keine vorgefertigten Lösungen anbieten, sondern gibt im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe Anregungen und Informationen, die von den Eltern genutzt werden können.

Die häufigsten Gründe für Überforderung bei der Erziehung

1. Kumulation von Ereignissen
2. Geschwisterstreit
3. Trotz- oder Wutanfall
4. Aggressives Verhalten des Kindes
5. Schlafprobleme des Kindes
6. Schule und Lernen
7. Unfolgsamkeit des Kindes
8. Allen Kindern (gleichzeitig) gerecht werden
9. Kind hat Schmerzen / ist krank
10. Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Elternbildung gibt Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch

Elternbildungsveranstaltungen bieten eine willkommene Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch mit anderen Müttern und Vätern. Knapp drei Viertel der Veranstaltungen beinhalten fachliche Inputs, rund die Hälfte Vorträge sowie Übungen. Eltern-Kind-Gruppen und Spielgruppen mit Schwerpunktsetzung werden am häufigsten angeboten, gefolgt von Geburtsvorbereitungskursen und Veranstaltungen mit dem Inhalt "Rund um das Baby". Sensiblere Themen wie Scheidung und Trennung, Gewalt- und Suchtprävention werden nur selten explizit angeboten. Aktuell wichtige Themen sind den befragten Eltern zufolge die "Entwicklungsphasen des Kindes", "Erziehungsziele- und stile" sowie "Konfliktlösung" gefolgt von "Ernährung und Gesundheit".

Die Elternbildungsveranstaltungen finden mehrheitlich wöchentlich statt und dauern zwischen eineinhalb und zwei Stunden. Im Regelfall werden sie abends unter der Woche abgehalten, am Wochenende gibt es kaum Veranstaltungen. Auffallend ist, dass nur bei einem verschwindenden Anteil der Veranstaltungen inhaltlich unabhängige Kinderbetreuung angeboten wird. Rund ein Viertel der Elternbildungsveranstaltungen werden kostenlos angeboten.

Etwas mehr als die Hälfte der Elternbildungsveranstaltungen richten sich an Eltern mit Kindern im Kindergartenalter, jede zehnte Veranstaltung an werdende Eltern. Sehr wenige Angebote gibt es gezielt für interkulturelle Eltern, Eltern von Kindern mit Behinderungen, alleinerziehende Eltern und Großeltern.

Bildungsabschlüsse der befragten TeilnehmerInnen (in %)

 

Bildung

Frauen
(n = 2789)

Männer
(n = 267)

Gesamt

kein Abschluss und Pflichtschule

3,4

1,5

3,2

Lehre

21,9

27,0

22,3

BMS

23,3

17,2

22,8

Matura

28,5

27,3

28,4

Universität/Fachhochschule

18,5

24,3

19,0

Andere

4,4

2,6

4,3


Männer kommen meist mit Partnerin

Nach wie vor interessieren sich in erster Linie Frauen für Elternbildungsangebote, der Männeranteil beträgt 13 Prozent. Die typische Teilnehmerin ist zwischen 31 und 40 Jahren alt, höher gebildet, verheiratet und hat höchstens zwei Kinder. Während die Männer unselbstständig Vollzeit im Erwerb stehen, sind mehr als die Hälfte der Teilnehmerinnen nicht aktiv erwerbstätig. Vorwiegend Eltern mit noch nicht schulpflichtigen Kindern besuchen Elternbildungsveranstaltungen, sie stellen mit 80 % auch die größte Zielgruppe dar. Männer kommen meist gemeinsam mit ihrer Partnerin.

Informationen zu Veranstaltungen erhalten Eltern in Form von Broschüren, Handzetteln und Aushängen oder über Freunde und Verwandte. Das Internet wird nur selten als Quelle herangezogen. Das fehlende Wissen über Elternbildung ist der am häufigsten genannte Grund für die bisherige Nicht-Teilnahme an Elternbildungsveranstaltungen. Weitere Gründe sind Zeitmangel oder die Betreuung der Kinder. Bekanntheitsgrad von Elternbildung steigern

Der Bedarf an Elternbildung ist im Steigen begriffen, daher ist ein weiterer Ausbau entsprechender Angebote erforderlich, kommt die Studie zum Schluss. Als Voraussetzung dafür muss Elternbildung bekannter gemacht werden. Auch müssen aktuelle Themen und neue familiäre Lebensformen wie Stief- und Patchworkfamilien oder Alleinerziehende stärker bei der Zusammenstellung des Angebots der Elternbildungsträger berücksichtigt werden. Eltern mit niedrigerem Bildungsniveau sollten persönlich, beispielsweise über Kindergärten oder ÄrztInnen auf Elternbildungsveranstaltungen aufmerksam gemacht werden.

Die Teilnahme von Vätern kann durch gezielte Angebote, die speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind, erhöht werden. Väter sollten dazu konkret im Veranstaltungstitel oder gemeinsam mit ihrer Partnerin angesprochen werden, empfiehlt Doris Klepp. Vater-Kind-Gruppen am Wochenende oder Angebote am Arbeitsplatz würden besser in den Zeitplan von Vätern passen. Elternbildung am Arbeitsplatz kommt generell den Bedürfnissen erwerbstätiger Eltern entgegen.

Evaluierung der vom Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz geförderten Elternbildung

Die vom Österreichischen Institut für Familienforschung (ÖIF) der Universität Wien durchgeführte Studie stellt die erste umfassende Erhebung der vom BMSG geförderten Elternbildung in Österreich dar. Im Zeitraum Juli 2004 bis Juni 2005 wurden österreichweit 1877 geförderte Elternbildungsveranstaltungen erfasst. Befragt wurden 2.853 (90,3%) weibliche Teilnehmerinnen sowie 277 (8,8%) männliche Teilnehmer.

Spitzenreiter bei der Befragung ist das Bundesland Salzburg mit einer Beteiligung von 759 TeilnehmerInnen in 81 Veranstaltungen. Schlusslicht ist das Burgenland mit 77 befragten TeilnehmerInnen in 7 Veranstaltungen.

Bei dieser repräsentativen Studie kamen sowohl quantitative als auch qualitative Erhebungsmethoden zum Einsatz. Erhoben wurden Angebot, Inanspruchnahme und Bedarf sowie das Profil der TeilnehmerInnen und der VeranstaltungsleiterInnen. Auf den Ergebnissen beruhende Empfehlungen schließen die Studie ab. | Christina Luef


Informationen: Mag. Doris Klepp, Psychologin am Österreichischen Institut für Familienforschung der Universität Wien, Tel: +43-1-5351454-28, E-Mail: doris.klepp@oif.ac.at

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe 22/2006.