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Für und Wider Elternschaft

Was den Kinderwunsch von Männern und Frauen beeinflusst


Männer machen den Kinderwunsch stark von ihrer konkreten Lebenssituation abhängig. Eine stabile Partnerschaft, der Erwerbsstatus und entsprechendes Einkommen sind wesentliche Faktoren für eine Elternschaft. Etwas “abstrakter” gestaltet sich der Kinderwunsch von Frauen, die sich eine Elternschaft auch bei geringem eigenem Einkommen oder bei Arbeitslosigkeit vorstellen können. Eine berufliche Einschränkung bei der Familiengründung wird vor allem von Frauen wahrgenommen. Die Soziologen Jan Eckhard und Thomas Klein von der Universität Heidelberg haben die Unterschiede zwischen Männern und Frauen bezüglich Kinderwunsch und Motivation zur Elternschaft anhand einer Sonderauswertung des Familiensurvey des Deutschen Jugendinstituts (DJI) erörtert. Männer sehen sich demnach weiterhin stark in der Rolle des Ernährers. Anders als Frauen wünschen sich Männer seltener ein erstes Kind. Auch wird der Wunsch nach Nachwuchs meist erst im Zuge einer konkreten Partnerschaft relevant. Die Partnerschaft muss von den Männern als stabil empfunden werden, erst dann beginnen sie, sich mit dem Thema Elternschaft auseinander zu setzen. Ebenso spielt bei dieser Frage das Alter der Partnerin eine Rolle. Bei Frauen entsteht der Kinderwunsch auch häufiger unabhängig vom Beziehungsstatus, das Alter des Partners ist ebenso eher belanglos.

Weitere Unterschiede zwischen Frauen und Männern konnten die beiden Heidelberger Soziologen Eckhard und Klein bei Bildung, Erwerbsstatus und Einkommen feststellen. Während sich eine höhere Bildung bei Männern förderlich auf den Kinderwunsch auswirkt, bremst diese bei Frauen das Verlangen nach Kindern. Bei beiden Geschlechtern führt der formale Bildungsabschluss zu Verzögerungen, hat aber keine Auswirkungen auf den Kinderwunsch an sich.

Die Höhe des Einkommens beeinflusst Männer und auch ihre Partnerinnen positiv in der Frage der Familiengründung und -erweiterung. Anders hingegen verhält es sich, wenn Frauen selbst mehr verdienen. Die Anzahl der unentschlossenen Frauen sowie jener, die kein Kind wollen, nimmt mit der Höhe des Einkommens zu. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Erwerbsstatus. Während Arbeitslosigkeit für Männer ein Grund ist, keinen Nachwuchs zu wollen, wird der Kinderwunsch arbeitsloser Frauen sogar verstärkt.

Die Geburtenneigung ist bei Konfessionslosen geringer als bei der katholischen oder evangelischen Bevölkerung, zeigen deutsche Studien wiederholt. Aber auch zwischen den Konfessionen gibt es Unterschiede: katholische Frauen und Männer weisen eine höhere Geburtenneigung auf als evangelische. Das hängt mit der unterschiedlich vermittelten Familienorientierung zusammen, vermuten die Autoren.

Die Annahme, dass Ehe und Familiengründung sowie der Kinderwunsch in Deutschland stark aneinander gekoppelt sind, kann durch die Untersuchung bestätigt werden: “Mit zunehmendem Lebensalter konzentrieren sich gewollt kinderlose Männer und Frauen in den nicht-ehelichen Paarbeziehungen, während sich Familienväter und Mütter in Ehen konzentrieren”.

Sinn und Freude durch Kinder

Die Sinnstiftung durch Kinder ist ein bedeutender Beweggrund für eine Elternschaft. Über 80 % der kinderlosen Befragten, in erster Linie Frauen, sehen Kinder als Erfüllung im Leben an. Auch die Freude an Kindern und das Gefühl des Gebrauchtwerdens werden vermehrt von Frauen als wichtige Motivationsgründe angegeben. Weniger stark werden instrumentelle Beweggründe für den Kinderwunsch wie der Sicherheitsnutzen und die Stabilisierung der Partnerschaft der Eltern wahrgenommen. Etwa 40 % der Befragten stimmen der Aussage zu, dass Kinder gut sind, um jemanden zu haben, der im Alter und in Notfällen hilft. Die Paarbindung wird von etwa 60 % als Motiv für eine Elternschaft angegeben, wobei hier etwas mehr Männer zugestimmt haben.

Kinder kosten Geld und Zeit

Mögliche Hinderungsgründe für eine Elternschaft werden sehr unterschiedlich wahrgenommen, halten die beiden Autoren Eckhard und Klein in ihrer Auswertung fest. Berufliche Einschränkungen werden in erster Linie bei der Geburt des ersten Kindes erwartet: 90 % der kinderlosen Frauen und Mütter sowie 65 % der kinderlosen Männer und zwischen 45 und 50 % der Väter teilen diese Befürchtung. Über die Hälfte der Männer und Frauen sind sich über die finanzielle Belastung bei der Familiengründung einig. Psychisch-emotionale Probleme für die Eltern erwarten sich mehr als 70 % der Befragten. Werden derartige Belastungen in hohem Ausmaß erwartet, so bekommen Frauen und Männer vergleichsweise seltener ein erstes Kind.

Bei der Familienerweiterung sind psychisch-emotionale Belastungen nur dann relevant, wenn sie von Männern erwartet werden. Ein weiterer Hinderungsgrund für mehr Kinder ist für Männer der drohende Verlust an Freizeit, vor allem dann, wenn die eigene Paarbeziehung als instabil empfunden wird. Probleme mit Kindern in der Öffentlichkeit werden selten und dann in erster Linie von kinderlosen Männern, unteren Bildungsgruppen und älteren Menschen ohne Kinder befürchtet. Keine Bedeutung für die Familienerweiterung haben berufliche sowie bei Frauen freizeitbezogene Einschränkungen.

Um den Kinderwunsch leichter realisieren zu können, legen die Autoren in ihren Schlussfolgerungen nahe, in der Phase der Familiengründung vermehrt staatliche Unterstützungsleistungen zu gewähren. Der Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen wird ebenso empfohlen wie ein verstärktes Angebot an Beratung für potenzielle Eltern, insbesondere im Hinblick auf die Ängste vor psychisch-emotionalen Belastungen. | Christina Luef
  Jan Eckhard, Thomas Klein: Männer, Kinderwunsch und generatives Verhalten. Eine Auswertung des Familiensurvey zu Geschlechterunterschieden in der Motivation zur Elternschaft. VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden 2006. ISBN-10 3-531-15096-0

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe 20/2006.