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Es lebe der Sport!

Über die positiven Effekte des Sports bei der kindlichen Sozialisation


Die Olympischen Winterspiele in Turin und die Fußball-WM in Deutschland prägten bis dato das internationale Sportjahr 2006. Viele Sportfans rund um den Globus verfolgten die beiden Events. Solche Veranstaltungen ziehen insbesondere Kinder immer wieder in ihren Bann und animieren sie dazu, auch selbst Sport zu treiben. Der nachfolgende Artikel beschäftigt sich mit sozialen Aspekten der sportlichen Betätigung im Kindesalter. Der elterliche Einfluss auf die sportlichen Aktivitäten des Nachwuchses wird ebenso thematisiert wie der Beitrag des Sports zur erfolgreichen Integration von Migrantenkindern. Es geschah 1976 - einem Jahr, in dem in der Computertechnik der Nadeldrucker das Licht der Welt erblickte und die schwedische Band ABBA ihren Welthit "Dancing Queen" präsentierte. Der österreichische Skirennläufer Franz Klammer gewann am 5. Februar bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck die Goldmedaille im Abfahrtslauf der Herren. In bescheidenen sozialen Verhältnissen aufgewachsen avancierte Klammer mit diesem Erfolg zum österreichischen Nationalhelden. Dreißig Jahre danach gehen die Bandmitglieder von ABBA längst getrennte Wege und sind Nadeldrucker nur mehr äußerst selten in Büroräumen anzutreffen. Franz Klammer aber ist immer noch einer der beliebtesten Sportler Österreichs mit großer Medienpräsenz. Sein Erfolg ermöglichte ihm einen steilen sozialen Aufstieg - vom Bergbauernbub zum zeitlosen Sportidol. Sport trainiert das Sozialverhalten

 

Sportidole wie Franz Klammer motivieren Kinder und Eltern gleichermaßen Sport zu treiben, betont Otmar Weiß, Sportsoziologe an der Universität Wien. Unabhängig davon, ob der Weg zum Star gelingt oder nicht, sieht Weiß Sport als unersetzliches Mittel bei der sozialen Entwicklung von Kindern: "Man kann Sozialverhalten nirgends besser trainieren als im Sport. Die Begründung liegt darin, dass im Sport die Kommunikation über den Körper erfolgt. Sport vermittelt die Werte und Normen über den Körper, über Aufgaben und Bewegungshandlungen, und dadurch erfolgt das Verständnis der Kinder praktisch automatisch." Unabdingbare Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Kinder Freude am Sport hätten und nicht von außen unter Druck gesetzt würden.

Eltern geben Anstoß zum Sport

Neben Sportidolen orientieren sich Kinder bei ihrer Sportausübung laut Weiß stark an Eltern, Geschwistern und Freunden, denen somit ebenfalls eine wichtige Vorbildfunktion zukommt. Den Einfluss der Eltern auf die Häufigkeit der sportlichen Betätigung ihrer Kinder bestätigt auch eine kürzlich veröffentlichte Studie der Potsdamer Sportsoziologin Ulrike Burrmann zur Vermittlung und intergenerationalen Vererbung des Sportengagements in der Herkunftsfamilie. Demnach kommt den sportbezogenen Unterstützungen der Eltern, wie z.B. dem elterlichen Sportinteresse, insbesondere zur Erklärung von Sportvereinsmitgliedschaften Jugendlicher große Bedeutung zu. Die Weitergabe der Sportkultur von den Eltern auf die Kinder erfolgt dabei meist geschlechtsspezifisch, das heißt Buben orientieren sich bei der Sportausübung eher an ihrem Vater und Mädchen eher an ihrer Mutter.



Teamsport stärkt Persönlichkeit

Daten zu sozialen Aspekten des Sports liefert auch der dieses Jahr vom deutschen Sportpädagogen Werner Schmidt herausgegebene Kindersport-Sozialbericht des Ruhrgebiets. Im Mittelpunkt dieser Studie stehen die sozialen Handlungen im Freizeit-, Schul- und Sportbereich von im deutschen Ruhrgebiet lebenden 10- bis14-jährigen Kindern. 79 % aller Lieblingsaktivitäten und 62,9 % aller wahrgenommenen Termine der interviewten Kinder entfallen demnach auf den Sport. 87,5 % der Befragten gaben an, einem Sportverein anzugehören oder in der Vergangenheit angehört zu haben. Das Gefühl, zu einer festen Mannschaft oder Gruppe zu gehören, ist für viele ein wesentlicher Grund, einem Sportverein beizutreten.

Die große Beliebtheit von Mannschaftssportarten bei Kindern unterstreicht auch Sportsoziologe Weiß: "Mannschaftsportarten üben für Kinder die meisten Impulse und Entwicklungsreize aus. Es werden Freundschaften gebildet und die Persönlichkeit wird positiv beeinflusst. Nirgends kann Einfühlungsvermögen besser gelernt werden."

Integration durch Sport

Weiß sieht Sport auch als nützliches Medium bei der Integration von Migrantenkindern. Er weist darauf hin, dass sich Kinder beim Sporttreiben über die gemeinsame körperliche Betätigung rasch näher kommen und somit das Verständnis untereinander meist sehr schnell gestärkt wird. Die in den vergangenen Jahren in Österreich erfolgte Streichung von Sportstunden in den Schulen bewertet er daher als völlig verfehlte Entwicklung.

Im bereits erwähnten Kindersport-Sozialbericht wird ebenfalls ein Blick auf das Thema Migration und Sport geworfen. Es wird hervorgehoben, dass 75,4 % der im Ruhrgebiet lebenden türkischen Burschen einem Sportverein angehören. Da der Anteil eigen-ethnischer Vereine in der Region verschwindend gering ist, scheinen diese Kinder zumindest formal integriert zu sein.

Wird Sport von Kindern mit Freude und ohne Druck ausgeübt, besitzt er zweifellos großes Potential als vielfältiger "Entwicklungshelfer". Franz Klammer brachte es 2003 bei der Eröffnungspressekonferenz zum Europäischen Jahr der Erziehung durch Sport auf den Punkt: "Sport war und ist für mich der wichtigste Teil meines Lebens - er gab mir Sinn, Ziele und schenkte mir wunderbare Erinnerungen. Vor allem meine persönlichen Erfahrungen zeigen mir, dass Sport (Breitensport und Spitzensport) ein sehr gutes Mittel für Lebensschule, Erziehung, Integration, Völkerverbindung, Gesundheit und Lebenslust ist." | Martin Gradl

Literatur:

Werner Schmidt (Hrsg.): Kindersport-Sozialbericht des Ruhrgebiets. Kinder-Jugend-Sport-Sozialforschung Band 4. Czwalina Verlag Hamburg 2006. ISBN 3-88020- 465-9

Ulrike Burrmann: Zur Vermittlung und intergenerationalen 'Vererbung' von Sportengagements in der Herkunftsfamilie. In: Ulrike Burrmann (Hrsg.): Sport im Kontext von Freizeitengagements Jugendlicher. Aus dem Brandenburgischen Längsschnitt 1998-2002. Köln 2005. Sport und Buch Strauß. S. 207-265.

Otmar Weiß: Einführung in die Sportsoziologie. UTB 2090. WUV Wien 1999.


Web: Franz Klammer: www.franzklammerfoundation.at

Informationen: Univ.-Prof. Dr. Otmar Weiß, President, European Association for Sociology of Sport, Institut für Sportwissenschaft der Universität Wien, Tel: +43-1-4277-48850, E-Mail: Otmar.weiss@univie.ac.at

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe 18/2006.