zum Inhaltsbereich springen.

zur Hauptnavigation springen.

zur Subnavigation springen.

zum Standort springen.

ÖIF. Link zu Universität Wien.

Links für den Wechsel der Webseitenansicht - grafische Ansicht (mit Webdesign), Hochkontrast (gelbe Schrift auf blauem Hintergrund mit Block-Links), ohne Formatierung (Browserstandard)

Um die Schriftgrösse zu ändern, halten Sie bitte die Strg-Taste und drehen das Mausrad oder wählen Sie in Ihrem Browsermenü >> Ansicht >> Schriftgrad..

Webseite nach Text durchsuchen

ihr Standort auf der Webseite

Standort: Service. Zeitschrift 'beziehungsweise'. 

Hauptbereich der Websiteinhalte

<- Zurück

Generation@

Die neue Internet-Generation lässt hoffen, dass sich die "digitalen Lücken" zwischen Geschlechtern und Generationen verkleinern. Ein Interview mit der Soziologin Christine Geserick (ÖIF).


PC und Internet sind überall und jederzeit präsent. Gehören diese Medientechnologien sozusagen schon zur Familie?

Für die hochindustrialisierten Länder kann man das wahrscheinlich so sagen. IBM feiert in diesem Monat den 25-jährigen Geburtstag des ersten PCs. Seit damals ist der Computer über die Arbeits- und Ausbildungswelt immer weiter in unser Zuhause gewandert, heute verfügen knapp zwei Drittel der österreichischen Haushalte über einen PC oder Laptop. Kurz danach folgte das Internet. Viele Menschen haben heute einen heimischen oder sogar mobilen Internetzugang und sind nicht mehr auf vernetzte Arbeitsplätze oder Internetcafés angewiesen. Interessant sind die Ergebnisse der Studie zum Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in Haushalten (Statistik Austria 2005). Dort sieht man, dass Familien mit schulpflichtigen Kindern häufiger über PC und Internet verfügen als Erwachsene ohne Kinder: Etwa zwei Drittel der Haushalte mit zwei Erwachsenen und mindestens einem Schulkind haben einen heimischen Internetanschluss, aber nur 47% der Durchschnittshaushalte. Da viele Definitionen von Familie das Vorhandensein von Kindern als Kriterium beinhalten, könnte man also sagen: Computer und Internet sind besonders in Familien anzutreffen und sind deshalb "Familienmitglieder".

Auch wenn man den Begriff Familie als Mini-Abbild der Gesellschaft versteht, nämlich als einen Platz, wo sich Geschlechter und Generationen unter einem Dach zusammenfinden, dann ist der Computer sicherlich zu einem Medium avanciert, das von allen ungefähr gleich gern gemocht wird. Denn heute ist der Computernutzer nicht mehr nur der junge Mann mit hohem Bildungsniveau, sondern es verwischen sich die Geschlechter-, Generationen- und Bildungsgrenzen zunehmend – zumindest in unseren westlichen Gesellschaften.

Ist also nichts mehr dran an der so genannten "digitalen Kluft"?

Doch, es gibt sie schon noch, die sozialen Ungleichheiten, die in der Gesellschaft existieren und im gesellschaftlichen Teilsystem Medien fortgesetzt werden. Das wird wahrscheinlich auch immer so sein. Allerdings verändert sich die Bedeutung der nötigen Ressourcen, wie z. B. Geld und Bildung, die man braucht, um an der Medien- und Informationsgesellschaft teilhaben zu können. Allerdings verlieren bei uns, anders als in ärmeren Weltregionen, die klassischen sozialen Platzanweiser immer mehr an Bedeutung. Als Computer und Internet neu und teuer waren, waren sie vor allem Spielwiese für männliche Manager und Studenten, oder mit Pierre Bourdieu ausgedrückt: ökonomisches und Bildungskapital spielten eine größere Rolle als heute, und: die männliche Dominanz war deutlich sichtbar. Mittlerweile sieht das anders aus. Besonders das Geschlecht verliert im Zusammenhang mit der Computernutzung an Bedeutung, das gilt besonders für die junge Generation. Die heutigen männlichen und weiblichen Jugendlichen nutzen den Computer gleichermaßen, die Abweichungen liegen nur noch im Kommastellenbereich. Konkret hatten laut IKT-Studie 2005 von 16- bis 24-jährigen Männern 90,8 % und von den Frauen 90,2 % kürzlich einen Computer benutzt.

In ärmeren Weltregionen ist die digitale Kluft zwischen den Geschlechtern und Bildungsschichten dagegen ziemlich ausgeprägt. Bei uns rücken mittlerweile andere Zielgruppen ins Licht. Es kommt es heute verstärkt darauf an, auch jene Menschen mit einzubeziehen, die sich beispielsweise auf Grund ihres höheren Alters oder einer körperlich-kognitiven Einschränkungen schwerer tun, mit dem Computer zu hantieren.

Wie kann man sozialer Ausgrenzung hier entgegenwirken?


Für Menschen mit computertechnischen Einschränkungen oder auch motorischen, kognitiven oder anderen Einschränkungen gibt es die WAI-Richtlinien, die der weltweiten Internetgemeinschaft einen so genannten barrierefreien Zugang zum Netz bieten wollen. Die WAI (Web Accessibility Initiative) schreibt Richtlinien für die Gestaltung von Internetseiten vor, so dass z. B. Menschen mit Sehschwäche oder motorischen Einschränkungen ungehindert navigieren können.

Was den Generationenaspekt angeht, gibt es mittlerweile zahlreiche Medienprojekte. Einige setzen auch bewusst auf die Zusammenführung der Generationen und gemeinsames Lernen, mit dem Ziel, dass die ältere Generation nicht – was leider oft passiert – als unwissende Gruppe hingestellt wird, die ein Training nötig hat. Die digitale Kluft muss nämlich von beiden Seiten überwunden werden! Ein mittlerweile beliebtes Feld sind hier Alt-Jung-Projekte, in denen jüngere User mit älteren gemeinsam lernen, so dass gleichzeitig die Kommunikation zwischen den Generationen gefördert wird. Ein klassisches Alt-Jung-Projekt kommt aus den USA und heißt "Write a Senior Citizen". Hier werden Menschen aus dem Altersheim mit jungen Menschen über eine E-Mail-Brieffreundschaft vernetzt. Oft ergeben sich auch persönliche Kontakte, die jungen Frauen und Männer kommen ihre Brieffreunde im Altersheim besuchen.

Gibt es sonst noch etwas, was Generationen voneinander lernen können?

Ich glaube, die ältere Generation könnte von den Jüngeren lernen, dass man Medien, und speziell das Internet, für seine Sache nutzen kann. Hierin liegt eine große Chance. Hans Magnus Enzensberger hat sich immer für einen emanzipatorischen Mediengebrauch ausgesprochen, der die Empfänger ermutigt, zu Sendern zu werden. Das geht so in die Richtung einer sozialistischen Medientheorie und folgt dem Gedanken, dass Medien mitgestaltet und nicht nur konsumiert werden sollen. Ein wichtiges Stichwort hierfür ist die Interaktivität. Vor allem die heutige Jugendgeneration folgt dieser Aufforderung. Laut einer Studie besitzt z.B. jeder fünfte britische Jugendliche von 16 bis 24 Jahren eine eigene Homepage oder einen eigenen Blog, also ein virtuelles Tagebuch, wo man sich nicht nur mit seinen Inhalten präsentiert, sondern vielen ist es sehr wichtig, Kommentare zu erhalten, z. B. über Gästebücher und so genannte Shout Boxes. Auch die stetig wachsende und frei zugängliche Online-Enzyklopädie wikipedia lässt viele an die demokratisierende Wirkung der Medien glauben, denn hier darf jeder seinen eigenen Beitrag gestalten – so lang der Inhalt von der Community akzeptiert wird. Für diesen Aufbruch in die Interaktivität gibt es auch schon Begriffe: Web 2.0 oder Generation@. Diese zweite Generation des Internet kann – wenn sie es schlau angeht – zeigen, dass sich über die Interaktivität reale und vielfach wertvolle soziale Kontakte ergeben können, die das Leben bereichern können, z.B. auch im Zusammenhang mit Job- und Partnersuche. Das könnte zumindest etwas das einseitige Vorurteil vom vereinsamenden Computerfreak entkräften.

Das Gespräch führte Christina Luef.


Informationen: Christine Geserick M.A., Soziologin am Österreichischen Institut für Familienforschung, Tel: +43-1-5351454-11, E-Mail: christine.geserick@oif.ac.at

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe 15/2006.