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Wege aus der Traditionsfalle

Männer zwischen Beruf und Familie


Den Weg vom reinen "Arbeitsmann" zum "ganzen Menschen" skizzieren die Autoren Dieter Schnack und Thomas Gesterkamp in ihrem Buch über "Männer zwischen Beruf und Familie". Sie liefern darin wertvolle Einsichten und Perspektiven für die Lebenspraxis junger Paare. Anhand von Fallbeispielen werden die zentralen Hürden, Hemmnisse und auch Paradoxe untersucht, die jungen Vätern und Müttern bei der Verwirklichung eines alternativen Lebens- und Arbeitskonzeptes im Weg stehen. Denn auch hier funktioniert vieles nicht, wie es nach den Wünschen partnerschaftlich orientierter Paare funktionieren sollte.

So zeigt sich z.B. regelmäßig das Problem, dass Männer in Zusammenhang mit der Geburt des ersten Kindes ihr berufliches Engagement meist verstärken, obwohl sie besonders in dieser Zeit zu Hause gebraucht würden. Dass sich die traditionellen Geschlechterrollen - Frau sorgt für Kinder, Mann für Geld - auch trotz eines eigentlich partnerschaftlichen Konzepts rasch im Lebensalltag durchsetzen, das führen Schnack/Gesterkamp weniger auf die "so vehement beschriebenen Unzulänglichkeiten des Mannes", als auf strukturelle Probleme zurück, die junge Familien dazu verleiten, sich nach traditionellen Mustern zu organisieren. Etwa darauf, dass Frauen ihren Beschäftigungsanteil in klassischen Frauenberufen, vor allem im Gesundheits- und Veterinärwesen, ausbauen konnten, was sie auch fachlich für die Kinderbetreuung qualifiziert. Oder darauf, dass Mädchen etwa doppelt soviel im Haushalt helfen müssen wie Jungen.

Mit Unvernunft der Falle entgehen

Der Traditionsfalle könne man nur dann entgehen, so die Autoren, wenn sich junge Paare "unvernünftig und situationsunangemessen" verhielten: Wenn etwa der Mann den Familienjob übernimmt, obwohl er ihn für geraume Zeit schlechter erledigen wird als seine Frau, die sich gleichzeitig voll auf ihren Beruf konzentriert, dabei aber nur die Hälfte des Einkommens ihres Mannes bekommt. Schon bei der Berufswahl junger Frauen wäre die paradoxe Lösung für ein partnerschaftliches Lebenskonzept die richtige Lösung: "Ich muss, gerade weil ich irgendwann einmal ein Kind bekommen und erleben will, einen möglichst gut dotierten Job mit Aufstiegschancen anstreben", sollte die Devise lauten.

Ungerechte, faule Männer?

Ein weiterer Problemkomplex in partnerschaftlichen Konzepten zwischen Mann und Frau ist die Gerechtigkeit in Beziehungen. In der öffentlichen Diskussion wird dem Mann die Schuld daran gegeben, dass die Familie schlecht funktioniert. Die traditionelle Arbeitsteilung führt zur Ungerechtigkeit, wobei der "faule Mann" alle Vorteile auf seiner Seite habe, heißt es. "Im Rahmen dieser Kritik erscheint der Mann als freier Mensch, der durchaus anders könnte, wenn er denn nur wollte. Die Frau erscheint als sein Opfer", resümieren Schnack/Gesterkamp. Auch unabhängig vom modernen Leitbild der Partnerschaftlichkeit spielt in Paarbeziehungen und Familien Gerechtigkeit eine zentrale Rolle: Liebe ist nur dort möglich, wo es fair und gerecht zugeht, lautet der familientherapeutische Befund. "Gerade wenn der Alltag von Mann und Frau sehr verschieden ist, müssen ganz unterschiedliche Dinge miteinander verglichen werden. Beziehungsbilanzen sind viel komplizierter zu erstellen als empirische Untersuchungen über die mangelnde Beteiligung der Männer an der Hausarbeit", meinen die Autoren. Ihr Ratschlag: Paare sollten sich beim Streiten über ihre Leistungen auch zuhören und die Wahrheit des anderen anerkennen.

Väter werden zu Fremden

Unbestritten ist, dass Männer im traditionellen Geschlechterarrangement nicht nur Vorteile haben. Sie zahlen dafür einen hohen Preis: Sie leben zu Hause wie Fremdlinge. "Mütter sind in der Gefahr, die Verankerung im Berufsleben zu verlieren. Väter sind in der Gefahr, die Verankerung in ihrem eigenen Privatleben zu verlieren", konstatieren die Autoren. Hinsichtlich der Vereinbarkeitsversuche der Männer präsentieren die Väterforscher schließlich eine ernüchternde Typologie. Sie beinhaltet den "Sonntagspapa", der für seine Kinder primär aufwändige Erlebnisse organisiert, den "Abteilungsleiter", der die Kinder mit (seinen) Regeln der Arbeitswelt konfrontiert, den "Rückzieher", der sich aus der Familie zurückzieht, den "Familien - Arbeiter", der auf eigene berufliche Möglichkeiten verzichtet, den "überlasteten Vater", der anstrengenden und schlechtbezahlten Arbeiten nachgeht und nicht ins Bild des arbeitsfixierten Familienflüchtlings passt, und schließlich den "Giro-Papa", der von der Wahnvorstellung getrieben wird, seinen Kindern ständig etwas bieten zu müssen.

Aus: Dieter Schnack / Thomas Gesterkamp: Hauptsache Arbeit? Männer zwischen Beruf und Familie. Reinbek b.Hamburg Rowohlt 1998. ISBN 3-499-60429-9

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe 6/2001.