zum Inhaltsbereich springen.

zur Hauptnavigation springen.

zur Subnavigation springen.

zum Standort springen.

ÖIF. Link zu Universität Wien.

Links für den Wechsel der Webseitenansicht - grafische Ansicht (mit Webdesign), Hochkontrast (gelbe Schrift auf blauem Hintergrund mit Block-Links), ohne Formatierung (Browserstandard)

Um die Schriftgrösse zu ändern, halten Sie bitte die Strg-Taste und drehen das Mausrad oder wählen Sie in Ihrem Browsermenü >> Ansicht >> Schriftgrad..

Webseite nach Text durchsuchen

ihr Standort auf der Webseite

Standort: Service. Zeitschrift 'beziehungsweise'. 

Hauptbereich der Websiteinhalte

<- Zurück

Die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen unter belastenden Lebensumständen

Schutzfaktoren und Prozesse der Resilienz


Seit Jahren beschäftigen sich Forscher mit Zusammenhängen zwischen Merkmalen der Familie und der Entstehung von psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Kinder die äußerlich unter gleichen, risikohaften Lebensbedingungen aufwachsen, zeigen trotzdem unterschiedliche geistige und soziale Entwicklungen. Ein risikohaftes Milieu bezeichnet Belastungen wie elterliche Trennung oder Scheidung, familiäre Aggressionen und Konflikte, Vernachlässigung und Ablehnung des Kindes, Alkoholmißbrauch der Eltern, Arbeitslosigkeit, Klinik- und Heimaufenthalte usw. . Bei einigen Kindern vorhandene Schutzfaktoren und Mechanismen bewirken, daß Störungen, Fehlanpassungen oder Krankheiten nicht auftreten. Dieses Ausbleiben von psychischen und sozialen Fehlentwicklungen definieren die Psychologen als "Resilienz". Die Schutzfaktoren und Prozesse der Resilienz sind nun die Folgenden:

    1. Die emotional sichere Bindung an eine Bezugsperson
    2. Merkmale des Erziehungsklimas
    3. Die soziale Unterstützung in und außerhalb der Familie
    4. Temperamentsmerkmale
    5. Kognitive und soziale Kompetenzen
    6. Selbstbezogene Kognitionen und Emotionen
    7. Das erleben von Sinn und Struktur im Leben

Die emotional stabile Bindung an eine Bezugsperson ist das wichtigste und am häufigsten auftretende Merkmal bei resilienten Kindern und Jugendlichen. Diese Bezugsperson kann innerhalb aber auch außerhalb der Familie liegen, wichtig ist die emotional warme Beziehung zu diesem Menschen. In engem Zusammenhang mit der Bindung an Bezugspersonen stehen die Merkmale des Erziehungsklimas. In Familien von resilienten Kindern wurde öfter etwas gemeinsames unternommen und das Familienklima war herzlicher, es bestanden aber auch feste Regeln für das Verhalten. Das Vorhandensein sozialer Unterstützung in Form von Familienmitgliedern, Verwandten, Lehrern, Erziehern usw., trägt ebenfalls zur Resilienz bei. Die unterstützenden Personen helfen Probleme zu reduzieren und stellen zugleich Vorbilder für aktives und konstruktives Bewältigungsverhalten dar. Resiliente Kinder und Jugendliche weisen häufig ein Temperament auf, das den Umgang mit der jeweiligen Versorgungsperson erleichtert. Sie zeigen eine vorwiegend positive Stimmungslage, geringe Irritierbarkeit und ein gutes Anpassungsvermögen. Kognitive und soziale Kompetenzen, d. h. mehr emotionale Ausdrucksfähigkeit und bessere soziale Problemlösefähigkeit sind weiters der resilienten Untersuchungsgruppe zuzuordnen. Sie besitzen außerdem ein positiveres Selbstwertgefühl, ein größeres Selbstvertrauen sowie die Überzeugung, daß sie nicht hilflos sind. Erwachsene, die ihre Kindheit unter schwierigen Bedingungen erlebt haben und sich trotzdem unauffällig entwickelt haben, sehen ihr Leben als sinnvoll und strukturiert an. Zwei exemplarische Untersuchungen verdeutlichen die Wirkungen dieser Schutzfaktoren und Prozesse der Resilienz.

Die Bielefeld-Erlangen-Studie:

Diese Studie zeigt, daß die resilienten Jugendlichen flexibler, aufgabenbezogener und tendenziell intelligenter waren. Sie hatten ein positiveres Selbstkonzept, erlebten sich als weniger hilflos, als selbstwirksamer und leistungsmotivierter. Das Erziehungsklima im Heim war für sie emotional positiver und auch in der Schule waren die Resilienten erolgreicher. Es wurde die Entwicklung von Jugendlichen aus einem besonders risikohafen Multiproblem-Milieu untersucht. Die Forscher kontaktierten 60 Heime und Jugenddörfer im nordwestdeutschen Raum und bildeten zwei Gruppen von 66 Resilienten und 80 Auffälligen.

Die Kauai-Studie:

Sie ist die bislang längste und bekannteste Studie zur Resilienz und wurde auf der Hawaii-Insel Kauai von Werner und Smith durchgeführt. Die Forscher untersuchten die Geburtskohorte des Jahres 1955 mit ursprünglich 698 Kindern prospektiv bis ins Erwachsenenalter. Der Großteil der Kinder wuchs in Armut auf und war verschiedensten Risikofaktoren ausgesetzt. Zwei Drittel dieser Kinder zeigten später Verhaltensauffälligkeiten, ein Drittel entwickelte sich jedoch zu selbstbewußten, verantwortungsvollen Jugendlichen. Diese Resilienten-Gruppe zeigte deutlich die bereits beschriebenen Schutzfaktoren.

Die Forschungsergebnisse zur Resilienz bestätigen, daß manche Kinder und Jugendliche eine beträchtliche Fähigkeit besitzen, sich auch unter widrigen Lebensumständen psychisch gesund zu entwickeln. Die ausschlaggebende Gemeinsamkeit dieser Kinder ist die emotionale Bindung und Orientierung an eine Bezugsperson.


Informationen: Univ. Prof. Dr. Friedrich Lösel, Universität Erlangen-Nürnberg, Institut für Psychologie, Bismarkstraße1, D 91054 Erlangen.

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe 10/1998.