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Beziehungsprobleme bei Scheidungskindern

Einfluß der Scheidung der Eltern auf die eigene erste Lebensgemeinschaft


Menschen, die als Kinder die Scheidung der Eltern erlebt haben, gehen früher ihre erste Lebensgemeinschaft ein, heiraten später und haben selber ein größeres Scheidungsrisiko. Dies ergab eine Untersuchung des FFS 96 - Individuelle Lebensverläufe in Familie und Beruf.

Im FFS (Family and Fertility Survey) 96, für den 6120 Österreicherinnen & Österreicher befragt wurden, wurde abgefragt, ob sich die Eltern jemals scheiden haben lassen. 14% aller Österreicherlnnen zwischen 20 und 54 Jahren haben im Elternhaus eine Scheidung erlebt, wobei ein eindeutiger Anstieg der Scheidungshäufigkeit im Elternhaus bei den jüngeren Österreichern zu erkennen ist. Von den heute 50- bis 54jährigen ÖsterreicherInnen haben 7% die Scheidung der Eltern erlebt. Bei den 25- bis 29jährigen sind es bereits 18%.

Kinder aus einer Familie, in der es eine Scheidung gegeben hat, können die Folgen der Scheidung nicht immer ohne Probleme verarbeiten. Psychologen sprechen von sogenannten Scheidungsfolgen. Im konkreten Zusammenhang versteht man darunter ein gestörtes Ver-halten gegenüber dem anderen Geschlecht, die Angst eine zu lange und intensive Beziehung einzugehen, da man bereits in der Jugendzeit gelernt hat, daß eine Beziehung nicht etwas dauerhaftes sein muß, und eine Trennung sehr schmerzvolle Folgen mit sich ziehen kann.

Starten Scheidungskinder früher in die eigene Partnerschaft?

Scheidungskinder waren zum Zeitpunkt ihrer ersten Lebensgemeinschaft im Schnitt ein 3/4 Jahr jünger als jene Kinder, die keine Scheidung miterlebt haben. Bei der Heirat zögern Schei- dungskindern eher und heiraten bis zu einem halben Jahr später als der Durchschnitt. Vorallem Frauen möchten den Schock der Scheidung ihrer Eltern offensichtlich nicht sofort in einer neuen Ehe überwinden, sondern zögern etwas mehr bei der Entscheidung für eine eheliche Partnerschaft.

Hat die Scheidung der Eltern eine verlängernde Wirkung auf die nichteheliche Phase in einer ersten Lebensgemeinschaft?

Durch die erlebte Scheidung im Elternhaus wurden die Idealvorstellungen einer "ewigen" Beziehung zwischen Mann und Frau bereits sehr eingeschränkt. Man hat den Konflikt der Eltern miterlebt und den Schmerz der Trennung erfahren. Ist man jetzt selbst in der Situation sein Leben für die Zukunft zu regeln, so behält man den Gedanken einer "befristeten Be-ziehung" im Hinterkopf. Daher leben 22% der Scheidungskinder, vor ihrer Heirat länger als 36 Monate in einer nichtehelichen Beziehung. Bei den Personen, die keine Scheidung erlebt haben, liegt der Anteil in derselben Zeitspanne bei 13%. Eine erlebte Scheidung im Elternhaus hat also einen eindeutig verlängernden Einfluß auf die Verweildauer in der nichtehelichen Phase.

Leben Scheidungskinder häufiger in nichtehelichen Lebensgemeinschaften?

Da der verzögernde Einfluß der Scheidung im Elternhaus bereits bestätigt werden konnte, liegt auch die Frage nach der Tendenz der Lebensgemeinschaftsformen nahe.

Es ist ein Anstieg der nichtehelichen Lebensgemeinschaft auf Kosten der ehelichen Lebens-gemeinschaft bei den unterschiedlichen Altersgruppen zu bemerken. Der Anteil der nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften ist bei Scheidungskindern in allen Kohorten, außer in der ältesten, deutlich über dem Durchschnitt. Die Abweichungen schwanken zwischen 9% und 21%. Es kann der Schluß gezogen werden, daß bei Personen, die eine Scheidung erlebt haben, die nichteheliche Lebensgemeinschaft einen noch höheren Stellenwert gewinnt als in der übrigen Bevölkerungsentwicklung.

Ist die Stabilität der eigenen Beziehung durch eine erlebte Scheidung im Elternhaus beeinflußt?

Das Risiko eine Beziehung wieder zu beenden ist bei Personen, die eine Scheidung erlebt haben, bei weitem höher. In Österreich wurde eine durchschnittliche Auflösungsrate der ersten Lebensgemeinschaft von 29% errechnet. Hat man hingegen im Elternhaus eine Scheidung erlebt, so werden 34% der ersten Lebensgemeinschaften wieder aufgelöst. Personen ohne Scheidung im Elternhaus lösen "nur" zu 22% ihre erste Lebensgemeinschaft wieder auf. Das bedeutet, daß die erlebte Scheidung im Elternhaus zu einer höheren Instabilität der eigenen ersten Lebensgemeinschaft führen kann.

Wie lange dauert eine erste wieder aufgelöste Lebensgemeinschaft?

38% der Paare mit einem Scheidungskind verweilten länger als 5 Jahre in ihrer ersten Partnerschaft. Bei Personen ohne erlebter Scheidung lebten 49% mehr als 5 Jahre mit ihrem ersten Partner zusammen. Eine Scheidung im Elternhaus erhöht das Risiko die erste Lebensgemeinschaft nach kürzerer Zeit zu beenden.


Informationen: Vera Nowak, Österreichisches Institut für Familienforschung, Gonzagagasse 19/8, 1010 Wien, Tel.: ++ 43 1 535 14 54-14, E-Mail: team@oif.ac.at

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe 11/1997.